Donnerstag, 18. September 2014

"Es ist fast unm├Âglich, keinen Rechtsversto├č zu begehen"

Wann “teilen” richtig teuer werden kann – Abmahnfalle Facebook

Rhein-Neckar, 12. Januar 2013. (red) Seit Anfang Januar ist eingetreten, was in juristischen Fachkreisen schon l├Ąnger erwartet worden ist: Ein Nutzer, der auf Facebook ein Foto geteilt hat, wurde abgemahnt. F├╝r ein Foto in Briefmarkengr├Â├če sollen an Schadensersatz und Rechtsgeb├╝hren insgesamt 1.750 Euro zusammenkommen. Merke: Was einfach und eigentlich eine wichtige Funktion bei Facebook und anderen sozialen Diensten ist, das Teilen von Inhalten, kann schnell zur Kostenfalle werden. Vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein – das bewahrt im konkreten Fall aber nicht vor enormen Kosten.

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist sehr lang, denn das Thema ist komplex. Sie sollten ihn aber dringend lesen, wenn Sie soziale Dienste wie Facebook nutzen oder nutzen wollen. Und wir berichten nicht nur “theoretisch”, sondern ganz praktisch. Denn auch wir sind in einem Rechtsstreit von der Problematik betroffen, die gerade bundesweit f├╝r Schlagzeilen sorgt.

Das Foto ist lustig, die Tiere sind s├╝├č, der Spruch ist klasse, die Nachricht ist wichtig oder interessant – warum auch immer Facebook-Nutzer Inhalte teilen: Sie sollten sehr sorgsam mit der Teilen-Funktion umgehen, denn schon wenige Klicks oder ein “├╝bersehenes” H├Ąkchen k├Ânnen tausende Euro Kosten nach sich ziehen. Das ist kein Scherz und auch kein Alarmismus, sondern bittere Realit├Ąt. Die besonders rigiden Urheberrechte der deuschen Gesetzgebung machen es m├Âglich, dass sich Anw├Ąlte und Rechteinhaber hierzulande ├╝ber Abmahnungen eine goldene Nase verdienen k├Ânnen.

Durch die Teilen-Funktion drohen horrende Kosten

Es kommt nicht wesentlich darauf an, wie gro├č beispielsweise ein geteiltes Foto ist: Wenn die Gegenseite “b├Âsartig” vorgeht und die rechtlichen Regelungen “brutalstm├Âglich” umsetzt, drohen horrende Kosten. Das h├Ąngt vom Einzelfall ab, von der Zahl der Fotos, ob man diese ├Âffentlich oder nur privat teilt beispielsweise oder ob man gewerblich auf Facebook aktiv ist.

Nach Einsch├Ątzung des Berliner Rechtsantwalts Thomas Schwenke, kann man sich auch nur schlecht herausreden, wenn man sich ahnungslos gibt: Sobald ein Bild auf Facebook durch die Vorschaufunktion gepostet worden ist, geht man ein Rechtsrisiko ein:

Die ├Âffentliche Zug├Ąnglichmachung ist immer ein Versto├č, wenn einem daf├╝r die Rechte fehlen. Das Problem dabei: Die Menschen haben sich daran gew├Âhnt, Links zu kopieren oder Artikel zu teilen. Lange Zeit ist nichts passiert, es fehlt das Unrechtsbewusstsein. Technisch geht es um die ÔÇ×TeilenÔÇť-Funktion oder das Posten von Links: Der Crawler sucht nach einem Foto, sofern er eins findet, l├Ądt er das nach. Wer das so best├Ątigt und verwendet, begeht, je nach Rechtelage eine Nutzungsrechtsverletzung.

F├╝r ein einzelnes Foto k├Ânnen mehrere hundert Euro gefordert werden. Dazu Schadensersatzforderungen, Anwaltsgeb├╝hren und Gerichtskosten. Ob die Abmahnung und die geforderten Geldbetr├Ąge zul├Ąssig sind, ist erstmal egal. Die Forderung wird erhoben und mit gro├čer Wahrscheinlichkeit durch ein Gericht best├Ątigt werden.

Klagen kann, wer die Rechte besitzt und einen Versto├č behauptet

Bis hierhin kostet “der Spa├č” die Forderung sowie das Honorar und die Gerichtsgeb├╝hr. Will man sich zur Wehr setzen, kommen die eigenen Anwaltskosten und weitere Gerichtsgeb├╝hren hinzu – wer vor Gericht verliert, zahlt alles. Mit etwas Gl├╝ck kann man sich vergleichen oder die “Forderung” dr├╝cken – unterm Strich wird man auf jeden Fall mit erheblichen Kosten zu rechnen haben.

Die Voraussetzung und den Abmahnprozess erkl├Ąrt Rechtsanwalt Schwenke:

Der Kl├Ąger muss die entsprechenden Rechte haben. Und: Es macht einen Unterschied, ob sie privat posten oder gewerblich. Wer privat postet, kann zwar abgemahnt werden, aber da sind die Anwaltsgeb├╝hren auf 100 Euro gedeckelt. Hinzu kommt aber der Schadensersatz. Gewerbliche Poster m├╝ssen sich auf saftige Schadensersatzforderungen und entsprechende Anwalts- und Gerichtskosten einstellen.

So sieht es aus, wenn Sie bei Facebook eine Informaton teilen wollen. Bevor Sie posten, sollten Sie genau ├╝berlegen, ob Sie nicht besser ein H├Ąkchen bei “Kein Miniaturbild” setzen. Wenn doch, haben Sie sich das Foto “zu eigen” gemacht. Wenn Ihr Facebook-Account auch noch ├Âffentlich ist, kann das eine Abmahnung zur Folge haben.
Nicht durch uns – aber es gibt genug Anw├Ąlte und Rechteinhaber, die hier ein lukratives Abmahngesch├Ąft betreiben.

Die gedeckelten Kosten bei Abmahnungen von Rechtsverletzungen durch “Privatleute” bieten einen gewissen Schutz: F├╝r die Anw├Ąlte ist ein solches Verfahren nicht lukrativ – au├čer, sie machen eine Massenabmahnung daraus und verschicken Standardbriefe, in denen nur die Adressen ausgetauscht werden. Man besch├Ąftigt ein paar billige Kr├Ąfte, die die Rechtsverst├Â├če dokumentieren, die Adressen raussuchen und dann rollt die Abmahnwelle. Man kennt das von den Abmahnwellen beim File-Sharing. Wenn nur ein Bruchteil zahlt, klingelt es auf dem Anwaltskonto und dem des “Mandanten”. Das k├Ânnen zum Beispiel Firmen sein, die Fotosammlungen aufkaufen und damit Rechteinhaber werden. M├Âglicherweise haben die gar kein Interesse, die Fotos zu verkaufen, sondern warten wie die Spinnen im Netz auf ihre Opfer.

Die “Motivation” f├╝r eine Klage ist egal

Das klingt absurd? Das ist die Realit├Ąt. Die Rechteinhaber werden nat├╝rlich niemals als Motiv “Gewinnmaximierung durch ein auf Abmahnungen basierendes Gesch├Ąftsmodell” ins Feld f├╝hren, sondern sich als Opfer von Rechtsverletzern darstellen. Und selbst wenn es “Aasgeier” sind: Die Gesetzgebung gibt ihnen das Recht, die Nutzungsrechtsverletzung zu verfolgen.

Die entscheidende Frage ist also, was man Teilen darf: Ohne Risiko darf man nur Fotos teilen, die “rechtefrei” sind oder f├╝r die man die Erlaubnis zum Teilen hat. Das Problem: Woher bekommt man die Erlaubnis und woher wei├č man, was rechtefrei ist und was nicht? Im Alltag ist das kaum zu entscheiden. Fast alle Facebook-Nutzer teilen beispielsweise Artikel von Medien, weil sie ihre Kontakte auf diese Informationen hinweisen wollen. Wird ein Vorschaubild mitgepostet, ist der Rechtsversto├č begangen. Punkt.

Au├čer, dies wurde ausdr├╝cklich erlaubt. Mal ehrlich? Wann haben Sie vor dem Posten auf der Seite eines Anbieters recherchiert, ob im Impressum oder den Allgemeinen Gesch├Ąftsbedingungen das Teilen ausdr├╝cklich erlaubt ist oder nicht? Tatsache ist: Wenn Sie das recherchieren, werden Sie feststellen, dass die allermeisten Anbieter – auch und gerade gro├če Portale – die Rechtsinhaberschaft eindeutig feststellen. Somit ist jedes Posten von Fotos erstmal rechtlich fragw├╝rdig.

Keine Klage hei├čt nicht kein Rechtsversto├č

Das trifft zum Beispiel auch zu, wenn Sie unsere Artikel teilen und automatisch erzeugte Vorschaubilder mitposten. Oder wenn Sie Artikel von Zeitungen oder anderen Medien mit Vorschaubild teilen. Von unserer Seite aus m├╝ssen Sie nichts bef├╝rchten, wir werden private Nutzer garantiert nicht abmahnen, denn aus unserer Sicht bewerten wir den Nutzen – n├Ąmlich das Verbreiten unserer Informationen – h├Âher als einen Rechtsversto├č (zur Sicherheit unserer Leser/innen werden wir das k├╝nftig regeln). Doch wie sieht das bei anderen aus, beispielsweise Zeit Online oder dem SWR? Rechtsanwalt Schwenke:

Hier w├╝rde ich die Gefahr eher als gering einsch├Ątzen. Der Tatbestand ist gegeben, aber die Anbieter w├Ągen zwischen Schaden und Nutzen ab. Der Nutzen des Teilens wird sicher h├Âher bewertet, insofern w├╝rde ich bei professionellen und gro├čen Anbietern eher kein Problem sehen. Bei Agenturen, Foto-Stock-Anbietern, Fotografen und kleineren Anbietern wird es riskant.

Wie bereits genannt: Es h├Ąngt vom Einzelfall ab. Davon gibt es aber t├Ąglich Millionen, beispielsweise durch das Teilen von lustigen Fotos, Tierbildern und so weiter. Rechtsanwalt Schwenke:

Die sind theoretisch auch ├╝berwiegend betroffen, sofern es alleinige Nutzungsrechte gibt. Wenn Sie Ihren Freundeskreis aber geschlossen halten und nicht-├Âffentlich posten, ist die Gefahr geringer, au├čer unter Ihren Freunden ist der, der die Rechte h├Ąlt und Sie verklagt.

Rechtsanwalt Thomas Schwenke r├Ąt zur Vorsicht: Im Zweifel besser keine Fotos teilen. Foto: RA Schwenke

 

Sobald ├Âffentlich geteilt wird, steigt die Gefahr von Abmahnungen

Merke: Wer viele Freunde sammelt, die er nicht kennt, erh├Âht in dieser Hinsicht das Risiko. Wer sich jetzt fragt, wieso das, was man seit langer Zeit macht und was ja alle machen, pl├Âtzlich ein Rechtsrisiko sein soll, bekommt die Antwort:

Gesch├╝tzte Fotos zu teilen war schon immer ein Rechtsversto├č, nur jetzt gab es erst jetzt die erste Abmahnung, die ist durchgegangen und ab sofort muss man damit rechnen, dass hier Agenturen und Anw├Ąlte Geld verdienen wollen.

Der Fachanwalt Schwenke best├Ątigt unsere Einsch├Ątzung, dass es weniger um Rechtewahrung, als um Kohle machen geht:

Nat├╝rlich wird der Schutz behauptet werden. Ob das allerdings das wahre Motiv ist, d├╝rfte manchmal fragw├╝rdig sein. Man h├Ârt, dass es Agenturen gibt, die gro├če Bildbest├Ąnde aufkaufen und eng mit Kanzleien zusammenarbeiten. Mittlerweile gibt es Software, die auch Fotos identifizieren kann und dann scannen solche Firmen Postings, bis sie Treffer haben. Das kann man als verwerflich betrachten ÔÇô rechtlich ist es einwandfrei zul├Ąssig und kann ein lukratives Gesch├Ąft bedeuten.

Es k├Ânnte auch kostenfrei zugehen – darauf sollte man nicht hoffen

Und nat├╝rlich muss der Rechteinhaber nicht abmahnen und er muss auch keine Rechnung stellen, eine Aufforderung zur L├Âschung w├Ąre ein erster kostenfreier Schritt. So verhalten wir uns beispielsweise, wenn wir mit der Ver├Âffentlichung von Inhalten, die uns geh├Âren, auf anderen Internetseiten nicht einverstanden sind.

Es gibt aber auch Inhalte, die man vermeintlich problemlos teilen kann. Youtube-Videos beispielsweise. Aber leider droht auch hier die Abmahnfalle – wieder abh├Ąngig vom Einzelfall, wie Thomas Schwenke erkl├Ąrt:

Bei youtube und anderen gro├čen Portalen dieser Art willigt der Einsteller ins Sharen ein ÔÇô er kann also keine Nutzungsrechtsverletzungen geltend machen. Au├čer, er hat Inhalte eingestellt, an denen er keine Reche besitzt, dann kann der Rechteinhaber gegen den Einsteller und gegen alle, die teilen vorgehen. Auch hier sollte man also vorsichtig sein, was man teilt. Nicht erlaubt sind Screenshots aus Filmen ÔÇô dadurch fertigt man ÔÇ×FotoÔÇť-Kopien an. Sofern man die ├Âffentlich macht, ist das eine Nutzungsrechtsverletzung, selbst wenn der Screenshot denselben Inhalt hat wie ein automatisch generiertes Vorschaubild.

Und wie sieht es mit Eltern aus, deren Teenager einen Facebook-Account haben und flei├čig alles teilen, was ihnen gef├Ąllt?

Die Eltern haften meist nicht, wenn diese ihre Kinder auf den sorgsamen Umgang hingewiesen haben. Hier ist meist der Umfang von Nutzungsrechtsverletzungen und die Art und Weise entscheidend. Ausgeschlossen ist eine Haftbarkeit aber nicht.

Betroffen sind alle, die teilen

Die potenzielle Gefahr betrifft also alle die am meisten, die nicht-privat auf Facebook posten: Gewerbetreibende, Freiberufler, Firmen, Dienstleister, Vereine, Beh├Ârden, Verb├Ąnde und so weiter. Die ├ťberlegung, man betreibe ja nur ein kleines Angebot oder verdiene damit nur wenig oder biete als Verein einen Service an, bietet keinen Schutz. Sobald man ├ľffentlichkeit herstellt, kann man in der Falle sitzen. Und zwar unabh├Ąngig von Facebook, auch andere soziale Dienste wie Google+ sind betroffen, also jeder Dienst, der Vorschaubilder erzeugt.

Das betrifft uns auch selbst: Wir haben aktuell einen Rechtsstreit, der in Teilen auch Facebook-Vorschaubilder betrifft. Und ganz ehrlich? Das Problem war uns vorher nicht bekannt. Der Umgang mit Rechten geh├Ârt zwar zu unserer t├Ąglichen Arbeit und wir achten sehr verantwortlich auf ein einwandfreies Verhalten – aber auch wir m├╝ssen wie alle immer wieder dazulernen.

F├╝r unsere Leserinnen und Leser werden wir f├╝r das Teilen unserer Inhalte Rechtssicherheit schaffen – soweit wir das k├Ânnen. In den n├Ąchsten Tagen werden wir einen Passus in unsere Nutzungsbedingungen aufnehmen, der ausdr├╝cklich die Verwendung von Vorschaubildern f├╝r den privaten Gebrauch erlaubt.

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht

Tats├Ąchlich k├Ânnen wir Ihnen ehrlicherweise damit keinen einhundertprozentigen Schutz vor Rechtsverfolgungen bieten, wenn Sie unsere Informationen teilen. Zur Erl├Ąuterung: Wir verwenden h├Ąufig fremdes Bildmaterial, das wir beispielsweise ├╝ber Pressestellen zur Verf├╝gung gestellt bekommen, sei es ├╝ber die Gemeindeverwaltungen, das Landratsamt, Ministerien, die Polizei, Hilfsdienste, Feuerwehren, Parteien, Veranstaltungsunternehmen, Theater, Schulen, Vereine oder andere Anbieter, ob “├Âffentlich” oder “privatrechtlich”. Wir gehen dabei davon aus, dass der jeweilige Zulieferer ├╝ber die Nutzungsrechte verf├╝gt und diese an uns weitergibt. Zur Absicherung fragen wir beim ersten Kontakt nach, ob das pauschal so zutrifft und bekommen das entsprechend best├Ątigt. Bei Pressestellen setzen wir das voraus.

In der Praxis kann es aber zu Rechtsstreitigkeiten kommen, wenn jemand behauptet, die Nutzungsrechte zu haben. Absurd? Nein, Tatsache und derselbe Fall, den Rechtsanwalt Schwenke am Beispiel von Youtube oben im Text erl├Ąutert hat. Und die Tatsache, dass es der Presse und anderen Medien erlaubt worden ist, hei├čt noch lange nicht, dass Sie als privater oder gewerblicher Nutzer ebenfalls “Ver├Âffentlichungsrechte” haben. Wir wiederum k├Ânnten umgehend den Betrieb einstellen, wenn wir dies tats├Ąchlich f├╝r jedes Foto pr├╝fen m├╝ssten. Der Verwaltungsaufwand w├Ąre gigantisch. Wir m├╝ssen uns also selbst verlassen und k├Ânnen die Gefahr nicht ausschalten.

Genau das ist auch zum Teil Gegenstand eines aktuellen Rechtsstreits, den wir f├╝hren m├╝ssen: Eine Person behauptet, die alleinigen Nutzungsrechte f├╝r Fotos zu haben, die von der Pressestelle eines Unternehmens ├Âffentlich als “Presseinformation” zur Verf├╝gung gestellt worden sind und bis heute als “Presseinformation” downloadbar sind. Wir haben diese Fotos benutzt und sind daf├╝r abgemahnt worden. Streitwert f├╝r jedes der drei Fotos: 3.000 Euro, also in Summe 9.000 Euro.

Die Gefahr lauert ├╝berall

Und obwohl der Hinweis von Rechtsanwalt Thomas Schwenke vermutlich ├╝berwiegend zutreffend ist, dass von gro├čen Anbietern eher keine Gefahr droht: In unserem Fall hat die Pressestelle einer Firma eines sehr gro├čen Medienkonzerns hier in der Region diese Fotos zur Verf├╝gung gestellt und die abgebildete Person hat uns wegen der Nutzung abgemahnt. Ob das zul├Ąssig ist, m├╝ssen wir nun vor Gericht kl├Ąren. Bei vollem Prozesskostenrisiko in H├Âhe von mehreren tausend Euro. Da dies zur Zeit ein schwebendes Verfahren ist, ├Ąu├čern wir uns aktuell nicht, werden Sie aber informieren, wenn der Prozess abgeschlossen ist.

Um es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die Gefahr lauert ├╝berall. Beispielsweise bei Ihrem Verein. Der hat ganz korrekt einen Bilderdienst abonniert und bezahlt diesen f├╝r die Nutzung von Fotos. Oder kauft Fotos von einem Sportfotografen zur Verwendung auf der eigenen Website. Soweit ist alles korrekt. Der Verein hat die Nutzungsrechte erworben. Was aber steht im “Kleingedruckten”? Hat der Vorstand das gepr├╝ft oder verlassen Sie sich darauf, “dass das alles schon in Ordnung ist”? D├╝rfen Vereinsmitglieder oder andere Personen die Vereinsmeldungen inklusive Vorschaufoto “teilen”? Das kann sein, das kann aber auch nicht sein. Und wenn diese Rechte nicht genehmigt worden sind, begeht jeder, der ein Vorschaubild oder ein anderes teilt, einen potenziellen Rechtsversto├č, der abmahnf├Ąhig ist. Wenn Sie dann behaupten, Sie h├Ątten das nicht gewusst, hilft Ihnen das im Zweifel erstmal nichts.

Ein anderes aktuelles Beispiel: In den vergangenen Wochen ist das Foto eines vermissten Jugendlichen aus Mannheim in Facebook geteilt worden. Der Junge wurde mittlerweile tot aufgefunden. Mit dem Tod verfallen die Pers├Ânlichkeitsrechte nicht und die Nutzungsrechte erst nach dem Tod des Urhebers, also der Person, die das Foto gemacht hat. Sie halten das f├╝r ein makabres Beispiel? Das interessiert die Gerichtsbarkeit nicht: Wer dieses Foto verwendet hat, k├Ânnte das Pers├Ânlichkeitsrecht der Person verletzt haben. Und ganz sicher liegt ein Urheber- und Nutzungsrechtsversto├č vor.

Und wenn Sie sich bereits mit der Problematik befasst haben und denken: Google darf doch auch Vorschaubilder anzeigen, dann liegen Sie richtig, aber die Schlussfolgerung, Ihnen w├Ąre das auch erlaubt, ist falsch. Suchmaschinen verwenden daf├╝r eine technische Funktion ohne die eine Suchmaschine wenig Sinn machen w├╝rde. Rechteinhaber, die das nicht wollen, m├╝ssen ihre Inhalte sch├╝tzen und k├Ânnen durch technische Einstellungen eine automatisierte Erfassung verhindern. Sie als “Teiler” von Inhalten sind aber kein Automat, sondern eine willentlich handelnde Person.

Thomas Schwenke bringt die aktuelle Rechtssituation auf den Punkt:

Es ist fast unm├Âglich, keinen Rechtsversto├č zu begehen.

Au├čer, man l├Ąsst die Finger von Facebook und anderen Diensten.

Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dringend Abhilfe zu schaffen. Sprechen Sie Ihre Abgeordneten an. Teilen Sie unseren Artikel und helfen Sie, das Thema bekannt zu machen. Es betrifft tats├Ąchlich jeden, der Informationen im Internet teilt – abh├Ąngig vom Einzelfall. Und warnen Sie andere vor Rechteinhabern, die darauf aus sind, andere mit teuren Abmahnungen zu ├╝berziehen.

Links:

Zeit online: Abmahnung wegen eines Bildchens auf Facebook

hr: Vorsicht bei Facebook-Vorschaubildern

http://rechtsanwalt-schwenke.de

RA Schwenke zum Abmahnfall

Praxistipps von RA Schwenke

Hinweis: Wir werden in Zukunft immer wieder darauf aufmerksam machen, welche Leistung wir Ihnen anbieten. Die Zitate von Rechtsanwalt Schwenke entstammen einem Interview f├╝r das lokaljournalistische Netzwerk istlokal.de. F├╝r dieses Interview wurden inklusive Vorrecherche, Gespr├Ąch und Produktion rund f├╝nf Stunden Arbeit aufgewendet. F├╝r diesen Text wurden inklusive Recherche rund acht Stunden Arbeit aufgewendet. Wir bieten unseren Leser/innen diese Leistung kostenfrei an. Wenn Sie unsere Arbeit mit einer freiwilligen Zahlung unterst├╝tzen wollen, weil Sie diese unterst├╝tzen wollen oder selbst Nutzen daraus gezogen haben, sind wir daf├╝r sehr dankbar. Ebenso, wenn Sie uns bei den Kosten f├╝r den Rechtsstreit unterst├╝tzen wollen. Schreiben Sie uns bitte eine email an redaktion (at) rheinneckarblog.de, wir teilen Ihnen dann gerne unsere Bankverbindung mit. Eine Spendenquittung k├Ânnen wir nicht ausstellen.

Akkreditierungsbedingungen schr├Ąnken Pressefreiheit ein

“Im Arsch” – kein Bericht zu Jan Delay

“Im Arsch” – feat. Udo Lindenberg.

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 02. Juli 2012. (red/pro) Jan Delay ist aus unserer Sicht der Top-Star der deutschen Musikszene. Trotzdem ver├Âffentlichen wir keine Konzertkritik zum Auftritt in Ladenburg. Der Grund ist eine unerfreuliche Auseindersetzung mit dem Veranstalter Demi Promotion und der pressefeindliche Umgang mit unabh├Ąngigen Journalisten.

Von Hardy Prothmann

Nach dem Jan-Delay-Konzert stehe ich noch auf dem Platz. Pl├Âtzlich kommt ein Mann, will mich sprechen. Wie ich dazu k├Ąme, mich “nicht an die Regeln zu halten”. Ich h├Ątte mir “unrechtm├Ą├čig” Zugang verschafft. Mein Verhalten sei “asozial” gegen├╝ber anderen Journalisten. Ich solle sofort alle Bilder auf meiner Kamera l├Âschen. Es gebe “klare Regeln” und an die habe sich jeder zu halten. Der Mann hat sich nicht vorgestellt, ich frage deshalb, wer er eigentlich ist: “Gissel, ich bin der Veranstalter.” Der Wutausbruch von Dennis Gissel dauert gute zehn Minuten, er hei├čt mich dies und jenes, zum Ende l├Ąuft er weiter und macht eine wegwerfende Handbewegung.

Indiskutable Einschr├Ąnkung der Pressefreiheit

Der Grund f├╝r die Aufregung: Ich habe w├Ąhrend des Konzerts ein paar Fotos gemacht – so wie die meisten anderen G├Ąste auch. Weil ich aber “professionell” bin, ist das mir nur w├Ąhrend der ersten drei Lieder erlaubt. Wer das vorschreibt, ob der K├╝nstler, dessen Management oder der Veranstalter, ist relativ egal. Es handelt sich dabei um eine leider mittlerweile fast “normale” Einschr├Ąnkung der Pressefreiheit. Eigentlich vollkommen indiskutabel – weil viele Medien sich diesen unzumutbaren Diktaten aber beugen, kommen viele Management-Firmen und Veranstalter damit durch.

Der Hintergrund f├╝r das Verfahren: Das Interesse f├╝r den K├╝nstler “d├╝rfen” Medien schon haben. Und ├╝ber Pressemitteilungen versucht man gezielt und gesteuert Werbung durch Aufmerksamkeit f├╝r den K├╝nstler zu machen. Aber die Vermarktung oder Imagesteuerung soll voll im Griff des Managements und der Veranstalter bleiben – ebenso die eigene k├╝nstlerische Arbeit der Journalisten.

Wer kritisch berichtet, wird auch schon mal nicht mehr “zugelassen”. Wer sich auf Unabh├Ąngigkeit beruft, wird in Kenntnis gesetzt, dass eine Veranstaltung privat ist und damit der “Hausherr” bestimmt, was er zul├Ąsst und was nicht.

Eine paradoxe Situation: Ohne ├ľffentlichkeit ist alle Kunst nichts – aber die ├Âffentliche Meinung soll sich nur so bilden, wie es den K├╝nstlern und/oder deren Vermarktungsfirmen passt. Wer eine solche Haltung vertritt, hat das hohe Gut der Pressefreiheit nicht verstanden.

Unabh├Ąngige Journalisten “nehmen anderen K├╝nstlern” nichts weg, sondern erarbeiten hart eigene Inhalte und bereichern damit die ├Âffentliche Meinung und durch positive Berichte auch das Ansehen der K├╝nstler. Negative Berichte k├Ânnen K├╝nstler als “Warnzeichen” sehen, dass etwas schief l├Ąuft, und wenn sie klug sind dazu nutzen, um sich und ihre Kunst zu verbessern.

Urheber beschneiden Urheber

In der Konsequenz beschneiden damit Urheber andere Urheber: Musikgruppen sind K├╝nstler, Pressefotografen ebenfalls. Die erhalten f├╝r ein Foto, das in der Tagespresse ver├Âffentlicht wird ein Honorar, das sich nach der Auflage richtet. Bei einer Zeitung wie dem Mannheimer Morgen rund 40 bis 50 Euro. Die von der Hirschberger Agentur “Demi Promotion” an die Fotografen ├╝bermittelten “Regeln” besagen, dass der Fotograf nur in dem Medium ver├Âffentlichen darf, f├╝r das er “akkreditiert”, also angemeldet und “zugelassen” ist. Mithin hat der Fotograf keine Chance mehr, das mickrige Honorar durch weitere Verk├Ąufe zu einem einigerma├čen anst├Ąndigen Honorar zu machen.

Manche K├╝nstler zeigen dann gewisse Kost├╝me oder Show-Einlagen erst, wenn die Runde f├╝r die Pressefotografen vorbei ist. Jetzt ├╝bernehmen Fotografen, die vom Management oder Veranstalter gebucht sind. Deren Bilder sind “exklusiv” und werden f├╝r sehr viel mehr Geld als Pressefotografen f├╝r ihre Arbeit erhalten, an Medien verkauft. Die machen das Spiel mit, weil sie keinen Fotografen vor Ort haben oder eben das “exklusivere” Bild bringen wollen.

In der Vergangenheit ist dieses Vermarktungssystem teils vollends pervertiert. K├╝nstler oder deren Management gingen sogar so weit, jedes zu ver├Âffentlichende Bild erst genehmigen und alle Bilder f├╝r sich selbst honorarfrei (!) verwenden zu wollen.

Knebelvertr├Ąge

Ob Robbie Williams, Coldplay, Bon Jovi, DestinyÔÇÖs Child, Fleetwood Mac, Bob Dylan und B├Âhse Onkelz oder Silbermond – nach Informationen der Journalistengewerkschaft DJV legen diese und andere “Knebelvertr├Ąge” vor nach dem Motto: Fri├č oder stirb. Das hei├čt f├╝r Pressefotografen: Du h├Ąlst die an die “Regeln” oder bist drau├čen.

F├╝r wirklich journalistische Pressefotografen, also nicht die Eventknipser, die unkritisch alles mitmahcen, kommt diese “Regelung” einer beruflichen Kastration gleich. Denn deren “Sprache” ist das Bild – will ein Fotojournalist ein Geschehen, also das Konzert “beschreiben”, muss er die M├Âglichkeit haben, vom Anfang bis zum Ende zu – um damit “seinen Blick” zu dokumentieren. Wenn er das nicht kann, w├Ąre das so, als w├╝rde man auch schreibenden Journalisten “Regeln diktieren”, sie d├╝rfen nur ├╝ber die ersten drei Lieder schreiben oder die ersten drei Kapitel eines Buches besprechen oder das erste Drittel eines Kunstwerks. Das w├Ąre absurd – aber f├╝r Fotografen ist das in der Veranstaltungsbranche die “Normalit├Ąt”.

Dagegen gab es schon fr├╝her Proteste: Beispielsweise blieben Agenturfotografen Konzerten fern. Der Druck wirkte – sie wurden wieder f├╝r die volle L├Ąnge zugelassen. Aber nur sie – andere Fotografen nicht. “Solidarit├Ąt” ist unter Journalisten oft ein Fremdwort.

Sch├Ądliche Vermarktungsgier

Aus Sicht der K├╝nstler oder auch Sportler (gerade beim Fu├čball geht es noch heftiger zu) mag die Vermarktungsgier zun├Ąchst in Ordnung sein – doch langfristig schadet man sich selbst, fehlt doch eine unabh├Ąngige und kritische Berichterstattung in Wort, Ton, Bild und Video. Der “scherzende” L├Âw bei der EM ist ein gutes Beispiel, wie Manipulationen T├╝r und Tor ge├Âffnet sind.

Gerade beim Sport entwickeln sich daraus mafi├Âse Systeme (aktuell in Italien, Tour de France, Boxsport usw.) und ausgerechnet die K├╝nstler, die freie Systeme nutzen, um durch Gesten, Kleidung, Verhalten und ihre Musik auch Freiheit zu provozieren, wollen die Freiheit anderer K├╝nstler einschr├Ąnken? Das ist pervers. Und dumm.

In L├Ąndern, wo es keine freie Presse gibt, h├Ątten diese K├╝nstler keine Chance, die meisten von ihnen w├╝rden unterdr├╝ckt und bis zum Tode bedroht (Salman Rushdie, Shahin Najafi). Die aufgestellten “Regeln” bedrohen in unserer “freien” Welt gerade kleine Medien oder freie Journalisten ebenfalls existenziell.

Wir haben das Management von Jan Delay angeschrieben und uns erkundigt, ob es wirklich der Wille des K├╝nstlers ist, dass diese “Regeln” durchgesetzt werden – vielleicht behauptet das ja nur der Veranstalter Demi Promotion um ein wenig “gro├čer Veranstalter” zu spielen? Wenn nicht, bin ich absolut entt├Ąuscht von Jan Delay, dessen Musik und Performance ich als “Fan” sehr sch├Ątze. Er ist ein ganz gro├čartiger K├╝nstler. Aber ich w├Ąre sehr entt├Ąuscht von ihm, wenn er tats├Ąchlich die Pressefreiheit so gering achtet.

F├╝r Jan Delay m├╝ssen aber “nur 2.500 G├Ąste” ebenfalls entt├Ąuschend gewesen sein – der Mann bekommt mit seiner tollen Band woanders weit mehr Zuschauer zusammen – ob hier die “Vermarktung” des Veranstalters Demi Promotion nicht funktioniert hat? Wer wei├č.

Demi Promotion haben wir ├╝brigens schon mehrfach angeboten, bei uns Werbung f├╝r ihre kommerziellen Veranstaltungen zu schalten. Es gab nie eine Reaktion, daf├╝r aber immer eifrig die Zusendung von “Presseinformationen”, die die Veranstaltungen kostenlos bewerben sollen.

Einerseits tut man also so, als sei man Veranstalter eines f├╝r die ├ľffentlichkeit interessanten Events, dann aber ist man wieder “privat-kommerziell” – eine seltsame “Auffassung”. Es geht bei solchen Konzerten sicher nicht ums Gemeinwohl, sondern klar ums Gesch├Ąft.

Unabh├Ąngiger Journalismus vs. “Partnerunwesen”

Vielleicht war Herr Dennis Gissel auch deswegen so ungehalten – weil wir als einzige Redaktion nicht nach seiner Marketing-Pfeife tanzen. Ob verwandtschaftliche Beziehungen von anderen Lokaljournalisten in Ladenburg und Mitarbeitern bei Demi Promotion oder die Medienpartnerschaften von Demi Promotion mit dem Mannheimer Morgen, “Lokalmatador” und der Rhein-Neckar-Zeitung, die wir h├Ąufig f├╝r miese journalistische Leistungen kritisiert haben, auch eine Rolle spielen, dar├╝ber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen.

Wir werden sehen, ob wir nach dieser Kritik k├╝nftig noch von Demi Promotion zu Veranstaltungen eingeladen oder zugelassen werden – auch dar├╝ber halten wir unsere Leserinnen und Leser auf dem Laufenden. F├╝r die n├Ąchste Zeit ist uns aber erstmal die Lust vergangen und wenn die “Regeln” so bleiben, werden wir vermutlich weiter verzichten – klar, dass ist schade f├╝r die Fans und f├╝r alle, die unsere unabh├Ąngige Berichterstattung sch├Ątzen.

W├╝rden alle Medien im Raum mitziehen, w├╝rden sich die “Regeln” schnell ├Ąndern – nur leider ist es mit der eigenen Achtung der Pressefreiheit, mit der Solidarit├Ąt gegen├╝ber einem unabh├Ąngigen Journalismus und dem eigenen Selbstverst├Ąndnis einer unabh├Ąngigen Berichterstattung bei vielen Medien nicht besonders weit her.

Die Geschichte nach dem Jan-Delay-Konzert ging ├╝brigens noch weiter: Kurz vor dem Ausgang passten mich zwei muskelbepackte Ordner drohend ab und verlangten, dass ich sofort alle Bilder meiner Kamera l├Âschen sollte. Ich habe das verweigert und die Polizei hinzugezogen. Die kl├Ąrte die nicht sehr hellen Ordner auf, dass man mich des Platzes verweisen, sicher aber keine L├Âschung der Bilder verlangen k├Ânne. Wegen des Vorgangs wurden meine Personalien “f├Ârmlich” aufgenommen (die Polizisten kannten mich zwar, aber das nimmt dann seinen beh├Ârdlichen Lauf). Ich konnte das Gel├Ąnde ohne Platzverweis dann nach weiteren 20 Minuten unseliger Diskussion verlassen.

Fotografen-Vereinigung Freelens zu “Silbermond”

Der Tagesspiegel: “Abgeblitzt” – ├╝ber uns├Ągliche Arbeitsbedingungen f├╝r Pressefotografen

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) ├╝ber Knebelvertr├Ąge

Aus gegebenem Anlass sieht die Fotostrecke so aus:

Anm. d. Red.: Zu Dieter Thomas Kuhn, ebenfalls von Demi Promotion veranstaltet, haben wir letztmalig eine Fotostrecke gezeigt. Darauf m├╝ssen die K├╝nstler, die Knebelbedingungen diktieren, zumindest bei uns k├╝nftig verzichten.

"Ent"t├Ąuschende "Berichterstattung"

Geprothmannt: Bagatell- vs. Kollateralschaden

Bleiben am Ende nur noch Tr├╝mmer? Journalismus war mal ein angesehener Beruf - heute ist das Image besch├Ądigt. Archivbild

 

Mannheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 18. Juni 2012. (red) Es gibt einen Brand, die Feuerwehr l├Âscht diesen schnell. Der Schaden bleibt eigentlich ├╝berschaubar und doch nicht. Das “Opfer” ist das “Scheck In-Center” in Viernheim. Aber es kommt noch ein weiteres hinzu, dass mit allem gar nichts zu tun hat: Die Bev├Âlkerung. Der Schadensverursacher: Journalisten. Der Schaden: Glaubw├╝rdigkeitsverlust in unbekanntem Ausma├č.

Von Hardy Prothmann

Der Ruf von Journalisten ist nicht der beste. Vollkommen zurecht. Sie fragen sich jetzt, wieso ein Journalist dem eigenen Berufsstand ein schlechts Zeugnis ausstellt? Die Antwort ist ganz einfach: Nur wenn man sich nach vorne verteidigt, kann man hoffen, weitere Sch├Ąden zu verhindern. Das ist durchaus egoistisch gedacht. Denn ich und meine Mitarbeiter achten sehr auf bestm├Âgliche Qualit├Ąt unserer Informationen – egal, ob wir ├╝ber leichte Themen wie Feste und Aktivit├Ąten berichten oder ├╝ber anspruchsvolle wie Kultur und Wirtschaft oder Politik und Sport.

Ganz klar machen auch seri├Âse Journalisten Fehler. Wenn diese passieren, sollten die Leserinnen und Leser aber dar├╝ber informiert werden. Doch das tun die meisten Medien nicht. Auch klar: Wenn wir einen Rechtschreibfehler entdecken oder auf Fehler hingewiesen werden, verbessern wir den auch ohne eine Korrekturmeldung, wenn es sich um eine Bagatelle handelt. Berichte mit kapitalen Fehlern legen wir in der Kategorie “Korrektur” ab, damit Leserinnen und Leser sofort und ohne lange Suche eine zun├Ąchst fehlerhafte Berichterstattung sowie die Korrektur finden k├Ânnen. Auf dem Heddesheimblog sind dort seit dem Start vor drei Jahren “nur” acht von ├╝ber 2.500 Berichten als fehlerhaft gekennzeichnet. Wir ├Ąrgern uns ├╝ber jeden Fehler und haben diese korrigiert.

Falscher Eindruck vermittelt

Der Mannheimer Morgen hat aktuell ├╝ber einen Brand im Viernheimer Scheck In-Center “berichtet”. Der “Bericht” ist mit dem K├╝rzel “bhr” gekennzeichnet. Der unbedarfte Leser denkt jetzt: “Ok, jemand, dessen Namen mit bhr abgek├╝rzt wird, war vor Ort oder nach sich zumindest telefonisch oder auf anderem Weg die Informationen besorgt, gepr├╝ft und dann seinen Bericht verfasst.” Doch dieser naheliegende Gedanke ist in diesem Fall und leider viel zu oft ein Fehler. Denn kein Journalist des MM war vor Ort und es wurde auch sonst nichts recherchiert.

Tats├Ąchlich wurde also keine “journalistische Leistung” erbracht. Durch das geschickte Setzen von An- und Abf├╝hrungszeichen liest sich der Text, als habe “bhr” mit dem Pressesprecher der Feuerwehr Viernheim gesprochen, denn er zitiert ihn ja “w├Ârtlich”. Tats├Ąchlich ist dieser Eindruck aber eine T├Ąuschung. Auf Nachfrage best├Ątigte uns der Pressesprecher Andreas Schmidt, dass er mit niemandem vom MM in dieser Sache gesprochen hat:

Die haben automatisch eine email mit dem Pressetext bekommen, wie alle Redaktionen, die das wollen.

Ist die Nachricht aber falsch? Ja und nein. Sie erweckt den falschen Eindruck, als habe der Journalist mit dem Pressesprecher gesprochen. Und sie erweckt den Eindruck, der Journalist habe selbst├Ąndig recherchiert und den Bericht selbst verfasst. Die Fakten sind aus Sicht der Feuerwehr sicher zutreffend. Die Mutma├čung ├╝ber die Schadensh├Âhe ist es nicht.

Die Originalmeldung der Feuerwehr. Quelle: FFW Viernheim

 

Die geguttenbergte Version im Mannheimer Morgen. Quelle: SHM


Geguttenbergter Journalismus ist Betrug am Leser

Diese Form “journalistischer” Arbeit ist g├Ąngig in vielen Redaktionen: Bei Zeitungen, Magazinen, im Radio und Fernsehen und im Internet. Man nimmt frei zug├Ąngliche Informationen, “etikettiert” sie ein wenig um und schon hat man einen “eigenen” redaktionellen Bericht. Das ist und bleibt Betrug am Leser.

Sie fragen sich, warum das passiert? Warum andere Redaktionen so verfahren? Warum es nicht alle ehrlich und transparent wie wir mit unseren Blogs berichten? Fragen Sie die Redaktion Ihres Vertrauens. Ich versichere Ihnen, man wird Sie nicht sonderlich ernst nehmen. Erst, wenn Sie das Abo k├╝ndigen wollen.

Wir tun das, was eigentlich eigentlich selbstverst├Ąndlich sein sollte. Wir benennen n├Ąmlich immer deutlich die Quelle, wie auch in diesem Fall ist der Text mit “Information der Feuerwehr Viernheim” klar gekennzeichnet worden. Das hat mehrere Gr├╝nde. Der wichtigste: Wir respektieren die Arbeit von anderen. Wir schm├╝cken uns nicht mit “fremden Federn”. Der n├Ąchste Grund ist: Wo bei uns “Redaktion” draufsteht, ist auch Redaktion drin. Daf├╝r sind wir verantwortlich. Und ein ebenfalls sehr wichtiger Grund ist: Wir k├Ânnen nur daf├╝r einstehen, was wir selbst recherchiert haben. Wir wollen uns weder fremde Inhalte aneignen, noch darin enthaltene Fehler.

Der Einsatzbericht der Feuerwehr beispielsweise ist ├╝berwiegend korrekt – hat aber den Eindruck eines gro├čen Schadens hinterlassen. Viele Kunden blieben heute deswegen dem Markt fern. Wir haben die Meldung ebenso gebracht, waren aber bis 14:00 Uhr das einzige Medium, das einen Reporter vor Ort hatte, um sich ein Bild zu machen und haben danach umgehend berichtet, dass es f├╝r Kunden keine Einschr├Ąnkungen gibt und der Schaden eher ├╝berschaubar ist.

Au├čerdem konnten wir recherchieren, dass in diesem Fall wohl eine “Klarstellung” in der morgigen Ausgabe der Zeitung folgen soll – man darf gespannt sein. Denn die Scheck In-L├Ąden geh├Âren zur Edeka-Gruppe. Und dort ist man “not amused” ├╝ber den scheinbar redaktionellen Bericht im Mannheimer Morgen. Die Edeka selbst ist ein sehr gro├čer Kunde der Zeitung und d├╝rfte pro Jahr Anzeigen im Wert von einigen Millionen Euro bei der Zeitung schalten. Ich versichere Ihnen, dass man bei der Zeitung in diesem Fall den ├ärger sehr ernst nimmt. Aber nicht, weil man “journalistisch” besser oder wenigstens “korrekt” arbeiten will, sondern um den Umsatz nicht zu gef├Ąhrden.

Bagatell- vs. Kollateralschaden

Nach dem Brand ist im Scheck In – anders als im Feuerwehrbericht gemutma├čt – nur ein “Bagatellschaden” entstanden. Dieser Schaden wurde unn├Âtig durch Umsatzausf├Ąlle f├╝r das Unternehmen vergr├Â├čert. Der gro├če Kollateralschaden entsteht aber durch den allt├Ąglichen Guttenberg-Journalismus, bei dem nach Lust und Laune geklaut und abgekupfert, umetikettiert und abgeschrieben wird. Sie halten diesen “Fall” f├╝r eine Bagatelle? Ist er nicht, weil er nur ein Beispiel f├╝r eine systematische T├Ąuschung vieler Mediennutzer ist. (Haben Sie die “Jogi”-F├Ąlschung bei der EM mitbekommen? Das ZDF zeigte eine “Live-Berichterstattung”, in die Aufnahmen hineingeschnitten wurden, die vor dem Spiel, also nicht “live” entstanden sind. Das hat zu heftiger Kritik gef├╝hrt. FAZ: “Die Regie spielt falsch“)

Einen Brandschaden kann man beseitigen – eine besch├Ądigte Glaubw├╝rdigkeit ist nur schwer wieder zu bereinigen.

Darunter leiden aber nicht nur die Schummler, sondern auch alle, die sich gr├Â├čte M├╝he geben, einen herausragende oder zumindest ehrlichen Journalismus zu bieten. Leider tun das immer weniger und der f├╝r die Gesellschaft und Demokratie so wichtige Journalismus verliert weiter an Ansehen. Da k├Ânnen sich Politiker und Journalisten die Hand geben – aber es gibt auch in der Politik “anst├Ąndige” Leute.

Die Leserinnen und Leser k├Ânnen ebenso wie Unternehmen aber deutlich machen, ob sie Qualit├Ąt wollen oder nicht.

Bei einer Wahl macht macht das mit einer Stimme. Im Markt hat man auch Macht: Minderwertige Produkte kann man abbestellen oder muss sie nicht kaufen. Und Werbung kann man im glaubw├╝rdigen Umfeld schalten, wo sie auch am besten wirkt.

Weitere Informationen:

Wie aus einer gemeindlichen Pressemitteilung ein Redakteursbericht wird, lesen Sie hier: “Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?

Wie die RNZ einen PR-Text eines Politikers zu einem Redakteursbericht macht, lesen Sie hier: “Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

In Sachen Guttenberg war die mediale Emp├Ârung gro├č. Dabei sind viele Medien selbst sehr erfahren in Plagiaten. “Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist ÔÇô wie Tageszeitungen tagt├Ąglich ÔÇťbeschei├čenÔÇŁ

Ein unabh├Ąngiger Reporter berichtet ├╝ber eine SPD-Hauptversammlung. Weit gefehlt. Der Reporter ist selbst Mitglied im Ortsverein. “Was von der Berichterstattung der RNZ unter dem K├╝rzel ÔÇťstuÔÇŁ zu halten ist

Auch wir machen Fehler – und reagieren angemessen: “Urheberrecht vermutlich missachtet

 

Anm. d. Red.: Um Missverst├Ąndnissen vorzubeugen: Die Freiwillige Feuerwehr wird ausdr├╝cklich nicht kritisiert. Die hat wie so oft ihren Job gemacht und einen gr├Â├čeren Schaden verhindert.

Alice und ihre Welt - Kolumne von Gesina St├Ąrz

Mein Smartphone und ich gehen einen Kaffee trinken

Ist ein Smartphone ein guter Ersatz f├╝r einen

Rhein-Neckar, 04. Juni 2012. Ist ein Smartphone ein guter Ersatz f├╝r einen “echten” Begleiter? Geht der Trend zum Secondhand-Leben? Dar├╝ber macht sich Gesina so ihre Gedanken.

Gerhard Polt wurde vor kurzem 70 Jahre alt. Er wird halt ├Ąlter, wie er selbst sagt, was keineswegs mit dem Wort ÔÇ×altÔÇť und seiner Bedeutung zu verwechseln ist. Denn alt ist, wer nicht mehr aktiv am Leben teilnimmt, vorm Fernseher herumh├Ąngt und das Leben aus zweiter Hand aus den Medien erf├Ąhrt.

Nach der Definition k├Ânnen auch junge Menschen als alt bezeichnet werden, so sagt es der am Schliersee lebende Kabarettist. Und nach seinen Beobachtungen gibt es dar├╝ber hinaus einen Trend zum Secondhand-Leben.

Heute tauschen sich die Menschen sehr h├Ąufig ├╝ber das aus, was sie vermittelt durch Medien erlebt haben: also im Fernsehen gesehen, im Internet entdeckt oder in den Zeitungen gelesen. Ja, so ist das. Und das ist noch nicht alles.

Real oder virtuell?

Wir Menschen sind uns dank der Medien so nah und dabei gleichzeitig so fern, dass man meinen k├Ânnte, ein und derselbe Mensch wandere zwischen Parallelwelten hin und her, und nur gelegentlich befinden wir uns in der Welt, die wir real nennen, in der es Ger├╝che gibt, etwas zu essen und das nat├╝rliche Bed├╝rfnisse, das Gegessene in verarbeiteter Form wieder loszuwerden.

Ach ja, das Atmen nicht zu vergessen, und das Trinken. Einen Cappuccino zum Beispiel oder einen Latte Macchiato. Das geht nur real, nicht virtuell, aber nat├╝rlich mit virtueller Begleitung. W├Ąhrend ich dies schreibe, sitze ich in einem Caf├ę in Mannheim und mir gegen├╝ber an einem Tisch eine junge Frau, vielleicht Anfang 20, die Konturen um die Augen schwarz nachgezogen, die Haut blass, der Blick gelangweilt, vor einer Jumbotasse Milchkaffee.

Es ist ├╝brigens ein Caf├ę mit einem wunderbaren Blick auf den Rhein. Sitzt man in erster Reihe, dann ist man dem Wasser so nah, dass man das Gef├╝hl hat, man gleite knapp ├╝ber der Wasseroberfl├Ąche dahin.

Begleiter, die nicht da sind ÔÇô eigentlich

Zur├╝ck zur jungen Frau. Sie sitzt zwar allein am Tisch, aber sie ist dennoch nicht allein. Neben der Jumbotasse Milchkaffee liegt ihr virtueller Begleiter, ein Smartphone. Gelegentlich gibt ihr virtueller Begleiter T├Âne von sich, dann liest sie von seinem Display etwas ab, l├Ąchelt, tippt auf ihm herum und nimmt einen Schluck Kaffee.

Manchmal spricht sie in ihren virtuellen Begleiter hinein, gibt ihre Position durch, fragt nach seiner Position, erkl├Ąrt, dass sie nichts macht und auch noch nicht wei├č, was sie sp├Ąter machen wird. Dann legt sie auf und surft offensichtlich via Smartphone im Internet. Vielleicht brauchte sie neue Erlebnisse, neue Informationen, neue Nachrichten aus der virtuellen Welt, um etwas zum Erz├Ąhlen zu haben.

Vielleicht waren es Kaffeehausg├Ąste wie diese junge Frau und ihre virtuellen Begleiter, die Gerhard Polt beobachtete und die ihn zu seiner Secondhand-Erlebnisweltthese brachten.

Gehirnkapazit├Ąt outsourcen

Aber nicht nur Kabarettisten machen sich Gedanken ├╝ber die Auswirkungen der medialen Welt auf unser Leben, auch Philosophen. David Chalmers, einer der bedeutendsten Philosophen unserer Zeit, kauft sich nicht einfach nur ein iPhone, er denkt auch ├╝ber ein solches nach.

Ebenso Andy Clark, auch Philosoph. Ihre Thesen lauten: Wir erweitern unseren Geist, das Mentale ist ├╝berall in der Welt. In Google zum Beispiel und in anderen Suchmaschinen zu denen wir via Hardware Zugang haben. Unsere Gehirne outsourcen sozusagen Ged├Ąchtnisfunktionen und haben dann freie Kapazit├Ąten f├╝r andere Leistungen.

Offensichtlich ist uns das noch gar nicht bewusst. Wir stecken in den Kinderschuhen gro├čer Entwicklungen. Wir haben die M├Âglichkeit, kognitive Leistungen zu outsourcen. Damit erschlie├čen sich freie Geisteskapazit├Ąten. Ist das nicht so, als w├╝rden sich uns v├Âllig neue Ressourcen erschlie├čen, wie einst zu Beginn der Industrialisierung die Rohstoffvorkommen unserer Erde?

Jetzt haben wir Unmengen von freien Denkkapazit├Ąten zur Verf├╝gung. Nur, wozu nutzen wir diese? Sollten nicht schon unsere Kinder in Kinderg├Ąrten und Schulen darauf vorbereitet werden?

Die junge Frau mir gegen├╝ber schlie├čt Kopfh├Ârer an ihr Smartphone an und st├Âpselt sie ins Ohr. Sie h├Ârt vermutlich Musik. Ich studiere ihren Gesichtsausdruck in der Hoffnung, herauszufinden, was sie h├Ârt. Sie ist blass und schaut ein wenig gelangweilt ÔÇô alles unver├Ąndert. Vielleicht sollte ich sie anrufen oder ihr eine SMS schicken?

Geprothmannt: Die Bundespr├Ąsidenten und die Meinungsfrage

Die Medien, die Macht und die Moral

Joachim Gauck soll der 11. Bundespr├Ąsident werden. Es gibt Kritik an ihm, aber auch Hoffnung. Jeder entscheidet sich selbst ├╝ber seine Meinung aufgrund von Informationen. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

 

Rhein-Neckar, 23. Februar 2012. (red) Neben der Debatte um Wulff und Gauck wird auch eine ├╝ber die Rolle der Medien gef├╝hrt. Wie viel Macht haben sie? Wie viel Moral? Was d├╝rfen Medien, was nicht? Diese Fragen und das Suchen von Antworten begleiten die Debatte um “den” Bundespr├Ąsidenten und das ist gut so. Medien sollen kontrollieren und meinungsf├Ârdernd sein – aber sie m├╝ssen auch kontrolliert werden: Man darf sich durch sie eine Meinung bilden und eine Meinung zu ihnen haben.

Von Hardy Prothmann

Was rauschte der Bl├Ątterwalt, was wurde nicht alles gepostet – zu Wulff und Gauck? Zum zur├╝ckgetretenen 10. und zum designierten 11. Bundespr├Ąsidenten.

Und parallel zum unw├╝rdigen Verhalten des Vorteilspr├Ąsidenten Wulff wurde das Verhalten der Medien diskutiert. Gut oder schlecht? M├Ąchtig oder ├╝bersch├Ątzt?

Und mit der Entscheidung f├╝r Gauck kam der angebliche “shitstorm” in den sozialen Netzwerken, falsche oder verf├Ąlschte Quellen und Zitate bei elektronischen Medien. Behaupten vor allem “traditionelle” Medien.

Kritik vs. Kritik

Kritik folgte auf Kritik. Aber nicht vorurteilsfrei, sondern verurteilungsfreudig. Meinungsmache vs. “Meinung haben”. Standpunkt vs. Polemik – je nachdem, aus welcher Perspektive man die Debatten ├╝ber den zur├╝ckgetretenen und vermutlich k├╝nftigen Bundespr├Ąsidenten eben hat, haben kann, haben will.

Hardy Prothmann, verantwortlich f├╝r dieses Blog, tritt f├╝r subjektiv-objektiven Journalismus ein: Seine Meinung auf Basis von Fakten finden und ├Ąu├čern.

Diese Debatten sind sehr erstaunlich: W├Ąhrend viele B├╝rger die Macht der Meinungsmacher, also der (traditionellen) Medien thematisieren, thematisieren (traditionelle) Medien die ├äu├čerungen von B├╝rgerinnen und B├╝rgern als unzul├Ąssig, unprofessionell und als “shitstorm”.

Und “schuld” daran ist dieses Internet: Ein Medium ohne zentrale Struktur, ohne Redaktionsschluss, ohne Redaktionslinie, ohne Seilschaften, ohne Parteibuch, ohne jede Abh├Ąngigkeit, bis auf die, ob man einen Online-Zugang hat oder nicht.

Informationsfreiheit

Ohne auf Einzelheiten zu Wulff oder Gauck eingehen zu wollen: Jeder hat die M├Âglichkeit, sich ungehindert ├╝ber das Internet zu informieren und zu kommentieren. Jeder hat die M├Âglichkeit, eine Information, die er hier findet, mit anderen Informationen zu vergleichen.

Und zwar auch unabh├Ąngig von ├ľffnungszeiten von Kiosken, Zustellzeiten von Zeitungen, Sendungszeiten von H├Ârfunk oder Fernsehen.

Das Internet erm├Âglicht allen B├╝rgerinnen und B├╝rgern, sich ungehinderter denn je ihre Meinungen zu bilden und ebenso ungehinderter denn je, ihre Meinungen zu ├Ąu├čern. Nicht nur zu ├Ąu├čern, sondern sogar zu verbreiten.

Irritationen

Das irritiert die “Torw├Ąchter” (Gatekeeper), die traditionelle Medien lange waren. Die Politiker, die mit traditionellen Medien lange gemeinsame Sache gemacht haben wie auch alle anderen, die “die Medien” als das genutzt haben, was “die Medien” aus sich selbst gemacht haben – eine Meinungsverkaufstheke.

Bei den konservativen Medien gabs Schwarzbrot, bei den linken Medien Habssattbrot und bei der Bild gibts seit jeher Brot und Spiele.

Kein anderes Medium beherrscht den Kosmos von Blut und Sperma, Moral und Emp├Ârung, Star und gefallener Engel, Teufel und Hoffnungstr├Ąger so gut, wie das Springerblatt.

Tiere – Titten – Tote

Die einfache Formel TTT – Tiere, Titten, Tote – zieht seit Jahrzehnten.

Mit der Bild nach oben und dann ab in den Keller: Das Ehepaar Wulff. Bild: Franz Richter, BY-SA CC 3.0, Wikipedia

Die Bild-Zeitung ist ein Drecksblatt, skrupellos und habgierig. Es bem├Ąchtigt sich allem und jedem, womit man Aufmerksamkeit erzielen und diese verkaufen kann.

Und jeder, der sich auf die Bild einl├Ąsst, muss wissen, dass man mit ihr “nach oben f├Ąhrt, aber auch nach unten” (Anm. d. Red.: Es gibt einen “Pater noster” im Axel-Springer-Hochhaus”, der unaufh├Ârlich nach oben und nach unten wandert.)

Aber die Bild-Zeitung ist das professionellste Blatt in ganz Europa. Sie besch├Ąftigt sich mit Schmutz und wenn keiner da ist, dann erfindet sie welchen. Die Rechtsabteilung ist gro├č, Schadensersatz ins Produkt “Bild” mit einkalkuliert.

Leidmedium Bild

Und die meisten anderen Medien folgen der Bild – die wird im Kanzleramt wie auf der Schicht wie in den Redaktionen zuallerst gelesen.

Hat sie deshalb Macht? Missbraucht sie diese? Sind alle Personen, die in Bild auftauchen nur Opfer?

Keineswegs und ganz klar ja.

Der Skandalbundespr├Ąsident Christan Wulff wurde von der Bild nicht gezwungen, sich von einem befreundeten Unternehmer einen Kredit geben zu lassen. Auch nicht, von anderen Unternehmern Vorteile zu erlangen.

Er wurde nicht Home-Stories gezwungen, zu Urlaubsstories und was sonst noch privat alles so interessant am Gl├╝ck der Wulffs war.

S├╝ndenf├Ąlle

Die Bild zwingt niemanden ins Bett mit Sekret├Ąrinnen und Geliebten. Sie veranstaltet keine Drogen- und/oder Prostituiertenparties, sie stiftet nicht zur Steuerflucht an, sie ist nicht verantwortlich f├╝r Gammelfleisch, einen “Wir sind Papst”, f├╝r Korruption und Vorteilsnahme und schon gar nicht f├╝r Mord und Totschlag, der immer gerne genommen wird.

Und die Bild hat die Staatsanwaltschaft Hannover nicht gezwungen, um Aufhebung der Immunit├Ąt von Wulff zu bitten, um zu Verdachtsmomenten ermitteln zu k├Ânnen.

Die “Macht der Medien” basiert auf Artikel 5 Grundgesetz:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu ├Ąu├čern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug├Ąnglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gew├Ąhrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der pers├Ânlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Die Bild nutzt dieses B├╝rgerrecht gnadenlos aus. Das muss man ihr genauso vorwerfen, wie jedem, der nur “Schei├če” loswerden will bei einem Shitstorm im Internet.

Haltung

Jede journalistische Redaktion muss pr├╝fen, welche Linie sie vertreten will, was wichtig und was nicht wichtig ist. Worauf man Wert legt und worauf nicht. Das ist eine Stilfrage – aber auch eine, die ├╝ber Aufmerksamkeit entscheidet.

Wird Jochim Gauck ein "guter" Bundespr├Ąsident werden? Dar├╝ber darf und sollte man sich seine eigene Meinung bilden. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

Die Nutzer dieses Produkts “Meinungsbildung”, haben das Recht und die Pflicht, sich ebenso verantwortlich zu verhalten. Dreck als Dreck zu identifizieren und ihre Macht durch ihre Aufmerksamkeit und was sie daf├╝r “bezahlen” auszuspielen.

Christian Wulff hat durch sein Verhalten das Amt des Bundespr├Ąsidenten besch├Ądigt – diese Meinung teilen viele, aber nicht alle.

Joachim Gauck wird kein einfacher Bundespr├Ąsident werden und ob er geeignet ist, wird die Zukunft zeigen.

Der “shitstorm” ist gut, denn Herr Gauck wird ├╝ber- und gepr├╝ft. Das ist ein gro├čer Vorteil, denn alles, was er vor der Amts├╝bernahme gesagt hat, kann er nun selbst pr├╝fen, sich eine neue Meinung bilden und dann als Bundespr├Ąsident daf├╝r einstehen, was er im Amt tut oder sagt.

Meinungsfreiheit

Dar├╝ber urteilen werden alle die, die interessieren und sich interessieren – mit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit.

Die Menschen, die Medien und die Moral der daraus resultierenden Gesellschaft.

Acht von zehn Gemeindeergebnissen gegen Stuttgart 21

Stuttgart 21: Gemeinden im Wahlkreis Weinheim stimmen f├╝r den Ausstieg

Rhein-Neckar, 27. November 2011. Die zehn Gemeinden im Wahlkreis 39 (Weinheim) haben überwiegend für das Ausstiegsgesetz und damit gegen Stuttgart 21 gestimmt. In acht von zehn Gemeinden waren die Menschen mehrheitlich gegen das Milliardenprojekt. Auch die Wahlbeteiligung (42,6 Prozent)  lag mit rund 3,7 Prozentpunkten über dem Durchschnitt des Rhein-Neckar-Kreises von 38,92 Prozent, aber unter dem Landesdurchschnitt von 48,8 Prozent. Der Wahlkreis Weinheim liegt zwar weitab von Stuttgart, trotzdem war die Ablehnung des Bahnhofsprojekt deutlich. Dafür gibt es Gründe.

Von Hardy Prothmann

“Die Mehrheit der B├╝rgerinnen und B├╝rger im Wahlkreis ist f├╝r den Ausstieg”, sagte der Gr├╝ne Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl kurz nach dem vorl├Ąufigen amtlichen Endergebnis auf unsere Anfrage: “Wir konnten die B├╝rger mit unseren Argumenten mehrheitlich ├╝berzeugen.”

Das ist f├╝r seinen Wahlkreis zutreffend. Auch bei der Landtagswahl hatte Sckerl hier deutlich hinzu gewonnen, w├Ąhrend sein Kontrahent Georg Wacker in dem bislang eher “schwarzen” Wahlkreis verloren hat, ebenso der SPD-Abgeordnete Gerhard Kleinb├Âck.

Uli Sckerl sieht daf├╝r eindeutige Gr├╝nde: “Der Verkehr ist bei uns ein gro├čes Thema und die Leute wissen, dass die Kassen knapp sind und das Geld, was in Prestige-Objekte wie Stuttgart 21 gesteckt wird, hier bei uns fehlt. Das ist ein absolut regionales Abstimmungsergebnis bei uns.”

Hinzu kommen aktuelle Projekte, viele Versprechungen und wenig L├Âsungen, die die fr├╝her herrschenden CDU-Mehrheit “besorgt” hat. “Die Menschen sind kritischer, informieren sich im Internet und sicher haben die “Prothmann-Blogs” ihren Anteil durch kritische Berichterstattung.”

Das h├Âren wir gerne und teilen – wenig ├╝berraschend – diese Auffassung. Nat├╝rlich ist es aber nicht unser Angebot allein, ├╝ber das sich die Menschen im Wahlkreis zunehmend informieren.

Denn die Stuttgart 21-Bewegung insgesamt ist ohne Internet und Mobilfunk nicht vorstellbar. ├ťber Jahrzehnte unterst├╝tzte die gesammelte konservativ-publizistische Macht, oft in heillose Abh├Ąngigkeiten verstrickt, die CDU-Politik. Obwohl diese einseitige “Stimmungsmache” bis heute viele Menschen pr├Ągt, verliert sie deutlich und zusehends ihren Einfluss.

Angebote wie fluegel.tv kann man auch in Weinheim oder Ladenburg sehen. Der Schriesheimer findet au├čerhalb der Zeitungswelt gerade im Internet andere Informationen, als die, die oft “gefiltert” in der Zeitung landen. Zudem tauschen sich die Menschen per email, Chat oder in Foren aus. Und bilden sich ihre eigene, umfangreiche Meinung.

“F├╝r die erste Volksabstimmung in Baden-W├╝rttemberg ist eine Wahlbeteiligung um die 40 Prozent (Wahlkreis Weinheim) auch sehr ordentlich”, ├Ąu├čerst sich Uli Sckerl gemeinsam mit dem “Bergstr├Ą├čer B├╝ndnis “Ja zum Ausstieg aus Stuttgart 21″ in einer Pressemitteilung unmittelbar nach der Wahl.

Stimmt das? Jein ist die richtige Antwort. Sicherlich tr├Ągt dazu bei, dass Stuttgart weit weg ist – trotzdem ist die Beteiligung h├Âher als im Rhein-Neckar-Kreis insgesamt. Das Verkehrsthema ist omnipr├Ąsent – Probleme beim S-Bahn-Ausbau, die Unsicherheit ├╝ber die ICE-Neubaustrecke und teils miserable Busanbindungen sind Thema bei den Menschen. Man h├Ątte sich trotzdem eine h├Âhere Abstimmung gew├╝nscht – andererseits ist der Wahlkreis eher konservativ und die klare Positionierung hat gezeigt, dass “Hinterzimmer-Politik” auf Kosten des Steuerzahlers l├Ąngst nicht mehr gewinnt.

Hinzu kommen die neuen Informationsm├Âglichkeiten und nat├╝rlich auch unser kritischer Journalismus, der zum Beispiel das Gemauschel von CDU und RNZ aufgedeckt hat und immer wieder eine fehlende oder fehlerhafte Berichterstattung in anderen Zeitungen thematisiert, Aussagen von Politikern nachrecherchiert, kritisch pr├╝ft und meinungsstark ver├Âffentlicht.

Ehemals glorreiche Projekte wie das “100-Millionen-Euro-Projekt” “Pfenning” kommen nicht mehr so einfach durch wie fr├╝her. Denn es gibt kritische Nachfragen und fundierte Recherchen f├╝hren zu Zweifel, ob diese Projekte alle so gut sind, wie sie verkauft werden. In Hirschberg war es der Sterzwinkel in Weinheim ist der Konflikt um die Breitwiesen entfacht. In Ladenburg haben die Menschen gelernt, dass gro├če Industrien gro├če Gewerbesteuerbeitr├Ąge zahlen und dann pl├Âtzlich nichts mehr, mit massiv-negativen Folgen f├╝r den kommunalen Haushalt.

58,8 Prozent f├╝r Stuttgart 21 gegen├╝ber 41,2 Prozent f├╝r den Ausstieg sind ein klares Ergebnis. Die Mehrheit hat sich f├╝r den Weiterbau ausgesprochen. Aber: Die Mehrheit ist weit von der Realit├Ąt entfernt – zumindest der im Landtag.

Die Gr├╝nen haben dort nur 26 Prozent – 74 Prozent vereinigen CDU, SPD und FDP auf sich. Allesamt Unterst├╝tzer von Stuttgart 21. Vergleicht man das mit dem Abstimmungsergebnis habe die Gr├╝nen sogar enorm viele Anh├Ąnger in der S21-Frage hinzugewonnen.

Man darf gespannt sein, wie die Opposition und die SPD dazu steht, ob sie erkennen, wie eng es um deren politische Unterst├╝tzung wird.

Wenn Sie in den kommenden Tage S├Ątze lesen wie: “Stuttgart 21 wird doch gebaut”, dann wissen Sie, woher der “Redaktionswind” weht. Erste Meldungen dieser Art sind schon verbreitet worden, als seien sie richtig. Richtig ist, dass das Projekt tot ist, wenn die Kosten ├╝ber 4,5 Milliarden Euro hinaus wachsen.

Link:
Hier k├Ânnen Sie die Einzelergebnisse der Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises abrufen.

Das Medienblog pushthebutton.de rangiert unter den 50 Top-Blogs

Heddesheim, 18. September 2011. (red) Der Dienst Virato.de hat die Top-50-Blogs in Deutschland nach dem SMQ-Index ver├Âffentlicht. SMQ-┬á(Social-Media-Quotient) ist die durchschnittliche Social-Media-Verbreitung (Facebook, Twitter) pro Artikel/Blogbeitrag einer Quelle.

“Diese Top 50 zeigen somit deutsche Blogs (oder blog├Ąhnliche Websites) an, die sehr beliebt sind und deren Content sehr oft von Usern ├╝ber soziale Netzwerke geshared wird. Andere bekannte Blogs, die man evtl. auch unter diesen Top 50 erwarten k├Ânnte, haben wahrscheinlich einen niedrigeren SMQ, da sie auch Artikel publizieren, die nicht so oft geshared werden und somit den Durchschnitt f├╝r die jeweilige Quelle herunterziehen”, schreibt Virato.de.

Das Blog pushthebutton.de des Journalisten Hardy Prothmann liegt deutschlandweit auf Platz 32, eingebettet zwischen dem lawblog.de von Udo Vetter, der dieses Jahr den Grimmepreis gewonnen hat und Ulrike Langer mit medialdigital.de, einer der renommiertesten Medienjournalistinnen in Deutschland. Auf Platz eins liegt der-postillon.com, Platz zwei belegt der Blog von Extra3 (NDR) und Platz drei das Nachrichtenportal gulli.com.

Hardy Prothmann betreibt sein Medienblog seit 2010, fr├╝her bei posterous.com, seit Fr├╝hjahr 2011 als eigenst├Ąndiges Blog. Die eingesetzte Software ist WordPress, das angepasste Theme “Magazine Premium” des kanadischen Entwicklers C. Bavota.

Vor allem die medienkritischen Beitr├Ąge in Bezug auf Zeitungen werden in der Branche intensiv diskutiert und sich mehrfach von bildblog.de empfohlen worden. Zuletzt sorgte ein Artikel ├╝ber Leichenbilder des Regionalsenders Rhein-Neckar-Fernsehen f├╝r gro├čes Aufsehen.

Hardy Prothmann betreibt in Nordbaden und S├╝dhessen insgesamt sechs Lokalblogs f├╝r St├Ądte und Gemeinden sowie das Regionalblog rheinneckarblog.de. Bundesweit findet sein Projekt gro├če Beachtung und ist schon dutzendfach nachgeahmt worden. Im Dezember 2009 wurde er von der gr├Â├čten unabh├Ąngigen Fachzeitschrift f├╝r Journalisten unter die Top 100 auf Platz 3 in der Kategorie “Regionales” gew├Ąhlt.

Zusammen mit dem Gmunder Kollegen Peter Posztos (tegernseerstimme.de) gr├╝ndet er zur Zeit das Unternehmen istlokal.de, das Lokaljournalisten bei ihrer Arbeit unterst├╝tzen wird. Die Beratungsgebiete sind Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Im Netzwerk von istlokal.de befinden sich zur Zeit rund 70 lokale und regionale Internetzeitungen und Blogs, darunter die prenzlauerberg-nachrichten.de, regensburg-digital.de, ruhrbarone.de und pottblog.de.

Auszug aus der Top-50-Liste des Social Media Quotient (SMQ) bei virato.de

 

Faktencheck: RNF zeigte nicht nur einmal Leichenbilder als “Rohmaterial”


Mannheim/Rhein-Neckar, 12. September 2011. (red) Am Freitag haben wir das Rhein-Neckar-Fernsehen kritisiert, weil der-┬áRegionalsender unbearbeitete Aufnahmen von einer Leichenbergung nach einem Unfall auf der A5 im Online-Portal rnf.de ver├Âffentlicht hat. RNF-Projektleiter Ralph K├╝hnl hat sich umfassend durch Kommentare dazu ge├Ąu├čert und behauptet, es handle sich um einen Fehler. Unsere Recherche zeigt, dass es wohl kein Fehler war. Die Ver├Âffentlichung wurde sogar angek├╝ndigt. Und es ist kein Einzelfall.

Von Hardy Prothmann

Am Donnerstag hat der Regionalsender Rhein-Neckar-Fernsehen “Rohmaterial” von fast 12 Minuten L├Ąnge im Internet ver├Âffentlicht. Also die Bilder, die ein Kameramann vor Ort nach einem Unfall auf der A5 aufgenommen hat.

In einer Szene, die fast zwei Minuten dauert, sieht man, wie die Bestatter die Leiche eines Unfallopfers in einen Sarg hieven. Der nachrichtliche Aussagegehalt ist gleich Null – kein seri├Âser Sender w├╝rde eine solche Szene in dieser L├Ąnge ausstrahlen, wenn ├╝berhaupt nur ein “Schnittbild” von ein paar Sekunden L├Ąnge.

Wir haben daraufhin einen kritischen Kommentar geschrieben und diesen Vorgang als eine Art Trash-TV bezeichnet – weil es gegen jeden journalistischen Standard verst├Â├čt, unbearbeitetes Material, egal, ob Ton, Text oder (Bewegt-)Bild zu ver├Âffentlichen.

Erhebliche Zweifel an der Glaubw├╝rdigkeit der Darstellung

F├╝r den Sender hat Projektleiter Ralph K├╝hnl den Vorgang umfangreich kommentiert (siehe Kommentare hier am Ende des Artikels) und hat uns wiederum vorgeworfen, wir h├Ątten unzureichend journalistisch gearbeitet – eine einfache R├╝ckfrage h├Ątte die Vermutung entkr├Ąftet, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen das “rohe” Material absichtlich ins Netz gestellt h├Ątte. Es liege ein Fehler vor. Ein nicht-redaktioneller Mitarbeiter habe eine “Nummer” vertauscht, dadurch sei das Material ohne Absicht ver├Âffentlicht worden und zudem nur f├╝r rund 2,5 Stunden sichtbar gewesen.

Wir haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, denn die von uns recherchierten Fakten ergeben ein anderes Bild.

Rekonstruktion des Ablaufs:

Wir schildern den Ablauf, soweit wir diesen rekonstruieren k├Ânnen:

Am 08. September kommt es gegen 05:00 Uhr auf der A5 zu einem Unfall (siehe Bericht auf unserem Rheinneckarblog.de). Irgendwann sp├Ąter treffen Reporter ein. Auch das RNF ist vor Ort und macht Aufnahmen. Der Kameramann kehrt in den Sender nach Mannheim zur├╝ck und ├╝berspielt die Aufnahmen von der Kamera ins Redaktionssystem.

Am 08. September 2011 “sendet” RNF eine erste Meldung auf Facebook:

Erste Hinweis auf das "Rohmaterial" auf der Facebook-Seite vom RNF.

Ein knappe Stunde sp├Ąter schreibt Ralph K├╝hnl selbst, erkennbar am K├╝rzel ^rk, einen Beitrag, mit dem Hinweis:

“Die Fakten vom Unfall-┬á auf der A5 haben wir bereits auf rnf.de gestellt.”

"Fakten zum Unfall"?

Die “Fakten” zum Unfall also. Was meint er damit wohl? Hat er nichts von den “ersten Bildern bei rnf.de” gewusst? Soll man ihm das glauben?

Hatte die Redaktion keine Kenntnis von dem Rohmaterial?

Um 12:46 Uhr schreibt Andreas Etzold, wie K├╝hnl “Projektleiter” und zudem Jugendschutzbeauftragter (sic!) einen Hinweis auf den “Sendebeitrag”, der in der Abendsendung ausgestrahlt werden soll. Hat auch er ├╝bersehen, dass das Rohmaterial online auch f├╝r Kinder und Jugendliche (es ist Ferienzeit) einsehbar ist?

Ralph K├╝hnel kommentiert sp├Ąter unseren Bericht, am 10. September 2011 um 00:30 Uhr:

“Das Material, das im obigen Artikel beschrieben ist, stand am Donnerstag Morgen f├╝r ca. zweieinhalb Stunden auf der Startseite von rnf.de. Das h├Ątte nicht passieren d├╝rfen.”

Diese Information konnten wir nicht ├╝berpr├╝fen. Denn wir erfahren erst am Abend des 08. September 2011 durch einen Hinweis vom “Rohmaterial”, klicken auf den Link und sehen uns das Material an.

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Redaktionell unbearbeitetes Material wird uns gezeigt – wir sehen die Leichenszenen, pr├╝fen die Erreichbarkeit und gehen von der Homepage auf das Videoportal bei rnf.de und k├Ânnen den Beitrag dort aufrufen. Wir leeren den Cache unseres Computer und machen den Versuch an einem zweiten Computer – tats├Ąchlich l├Ąsst sich der Beitrag hier wie dort abrufen.

Stellt sich eine Recherchefrage wie Herr K├╝hnl das einfordert? Und ob wir gegen 21:00 Uhr abends noch jemandem im Sender erreicht h├Ątten, wissen wir nicht. Wir meinen nicht, dass eine “Recherche” notwendig ist – der Vorgang ist eindeutig, wir stellen diesen dar und ordnen ihn als das ein, was er ist, skandal├Âs. Am 9. September 2011, um 00:21 Uhr geht unser Text online.

Unser Artikel zu den “Leichenbildern” bei RNF findet immer mehr Interesse

Am folgenden Tag wird unser Beitrag von Bildblog.de verlinkt - die Zugriffe steigen rasant an. Bundesweit lesen medieninteressierte Menschen unseren Artikel. Am Vormittag ist das “Rohmaterial” immer noch bei rnf.de zu finden, auch am Nachmittag. Wir wundern uns ├╝ber die Kaltbl├╝tigkeit des Senders. Sp├Ąter best├Ątigen uns Leserinnen und Leser, dass der Film auch noch am fr├╝hen Freitagabend an diesem 09. September zu sehen war, ein Leser sah ihn auf seinem Handy.

Am 10. September, um 12:02 Uhr kommentiert Herr K├╝hnl: “H├Ątten wir, wie uns in dem Hauptartikel vorgeworfen wird, mit dem langen Video einen Effekt erzielen wollen, dann h├Ątten wir es entsprechend promoted und es nicht im Video-Portal versteckt. Dann h├Ątten wir vielleicht in Hauptsendung ÔÇťRNF Life-ÔéČ┬Ł in der Moderation gesagt: ÔÇťWenn Sie mehr spektakul├Ąre Bilder von dem Unfall bei Heppenheim sehen wollen, dann klicken Sie jetzt ins Video-Portal auf rnf.de. Dort haben wir den gesamten Rohschnitt f├╝r Sie hinterlegt.-ÔéČ┬Ł Das haben wir aber nicht.”

RNF weist Sensationslust zur├╝ck

Anscheinend wei├č Herr K├╝hnl nicht mehr, was er selbst noch vor Fertigstellung des “Sendebeitrags” in Facebook gepostet hat: “Die Fakten zum Unfall haben wir bereits auf rnf.de gestellt. ^rk”

Herr K├╝hnl erkl├Ąrt weiter irgendwas von “im Cache-Speicher” und anderes Zeugs. Tatsache ist, dass wir und alle unsere Kontakte den Film nicht bei youtube oder ├╝ber Google gesehen haben, sondern direkt ├╝ber die rnf.de-Seite.

Es entwickelt sich eine lange Debatte mit vielen Kommentaren zu unserem Artikel.

Behauptungen werden aufgestellt

Darin behauptet Ralph K├╝hnl erst einen technischen Fehler, dann soll ein “nicht-redaktioneller Mitarbeiter” im ├ťbereifer das “Rohmaterial” online gestellt haben. Sehr schnell versucht sich Herr K├╝hnl darin, unsere Arbeit zu kritisieren, um vom eigentlichen Thema, dem skandal├Âsen Zur-Schau-Stellung eines Unfalltoten abzulenken.

Auch auf direkten Weg nimmt er Kontakt zu uns auf und teilt uns mit, dass ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat. Die sehr lange email, in der es auch um andere Dinge geht, sollen wir aber “vertraulich” behandeln.

Wir sichern keine Vertraulichkeit zu, beantworten die email und damit war der Fall f├╝r uns erledigt.

Am folgenden Tag, den 11. September 2011, erhebt Herr K├╝hnl wieder massive Vorw├╝rfe gegen unsere Arbeit. Wir antworten entsprechend.

Rohes Material: Beitr├Ąge mit “(no comment)” sind Originalaufnahmen

Dann surfen wir nochmals auf der Seite von rnf.de, um eine Information zu ├╝berpr├╝fen.

Wir trauen unseren Augen nicht. Im Videoportal von rnf.de stehen zwei weitere Beitr├Ąge direkt untereinander, wieder ist einer mit “(no comment)” gekennzeichnet. Der erste Beitrag ist ein Sendebeitrag vom 07. September 2011, wenn auch durch Amateurvideoaufnahmen von schlechter Qualit├Ąt.

F├╝r jeden Geschmack etwas: Sendebeitrag und "Rohmaterial" stehen untereinander.

Der zweite Film zeigt wiederum in der L├Ąnge von 01:34 Minuten nichts anderes als Bestatter, die in ein Haus gehen, mit der Leiche wieder herauskommen, diese verfrachten und davonfahren. Man h├Ârt vermutlich den Kameramann, der vermutlich telefoniert, als die Leiche aus dem Haus getragen wird: “Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.”

“Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.”

Angeblich dient dieses “Rohmaterial” als Angebot an andere Sender, die dem Rhein-Neckar-Fernsehen die Bilder abkaufen k├Ânnen. Tats├Ąchlich verwendet das RNF im Beitrag zu dem t├Âdlichen Schusswechsel im Mannheimer Stadtteil Neckarau selbst gerade mal zehn Sekunden. Und auch diese wohl entweder in Ermangelung anderen Bildmaterials oder eben in vollem Bewusstsein, so etwas der ├ľffentlichkeit zeigen zu wollen. Beides ist journalistisch eine Bankrotterkl├Ąrung.

(Siehe unseren Beitrag dazu hier.)

Klicken Sie auf das Bild, um den Film zu sehen.

Angeblich kann man dieses “Rohmaterial” nicht sehen – vermutlich, folgt man Herrn K├╝hnl, hat der “nicht-redaktionelle Mitarbeiter” auch hier eine “Zahl verwechselt”. Eventuell hat sich auch dieser Beitrag in irgendeinem “Cache” (Zwischenspeicher) verfangen und ist nun in den unendlichen Untiefen des Internet noch erreichbar. Ob Herrn K├╝hnl wohl noch eine andere Erkl├Ąrung einf├Ąllt?

F├╝r unseren Geschmack ist das ein wenig viel “angeblich, vermutlich, eventuell”.

“Das versendet sich.” – Aber nicht mehr in Zeiten des Internet

Fr├╝her, also vor dem Internet, sagten TV- und Radio-Journalisten bei solchen “Fehlern”: “Das versendet sich.” Man rechnete damit, dass nur wenige Menschen einen Beitrag speichern konnten, am n├Ąchsten Tag neue Themen das Interesse bestimmten und man somit fein raus war, weil die fehlerbehaftete Arbeit vergessen wurde.

Das Internet bietet aber gute Kontrollm├Âglichkeiten. Und die werden Herrn K├╝hnl und seinen Aussagen nun zum Verh├Ąngnis – denn durch unsere Recherche gibt es begr├╝ndete Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen.

Mal untertellt, dass der Sender diese Beitr├Ąge nicht absichtlich ver├Âffentlicht, dann ist es ein Schlamperladen, dem zu viele Fehler passieren. Tats├Ąchlich muss man davon ausgehen, dass es absichtlich “passiert” – wieso sonst w├╝rden die Redakteure “Bilder und Fakten” anpreisen, bevor der Sendebeitrag fertig ist?

Wir werden den Sender wiederum nicht dazu befragen – wir sparen uns die M├╝he, denn wir gehen davon aus, dass wir keine vertrauensw├╝rdigen Antworten erhalten.

Die Verwendung der Leichenbilder im Beitrag ├╝ber die Schie├čerei in Neckarau zeigt, dass der Sender selbst keine Skrupel hat, solches “Material” zu verwenden und auch im Fernsehen in ungeb├╝hrlicher L├Ąnge ├╝ber die absolut notwendige “Dokumentation” hinaus zu zeigen. Einen Nachrichtenwert haben solche Bilder nicht. In der l├Ąnge auch keinen dokumentarischen. Sie dienen einzig und allein dazu, die Sensationsgier zu stillen.

Bedauerlich ist, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen vermutlich davon ausgeht, dass dessen Zuschauerinnen und Zuschauer solche Bilder sehen wollen.

Was das Rhein-Neckar-Fernsehen vom eigenen Publikum denkt – dar├╝ber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

 

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin


Hardy Prothmann ist seit 20 Jahren Journalist und hat f├╝r viele gro├če Tageszeitungen, Magazine sowie H├Ârfunk und Fernsehen von ARD und ZDF gearbeitet. Seit 2009 berichtet er wieder als Lokaljournalist in Nordbaden. Bildquelle: ARD-Morgenmagazin/SWR

Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Heute hat das ARD-Morgenmagazin einen Beitrag ausgestrahlt, in dem Hardy Prothmann als verantwortlicher Redakteur f├╝r heddesheimblog.de im Interview zu sehen war. Im Bericht geht es um den Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Verlegern. Gestern wurde in Lampertheim demonstriert. Ein ARD-Team hat uns dazu befragt. Herzlichen Dank f├╝r die (trotz Ferien) bundesweiten Reaktionen per email, Chat oder Telefon. Wir fassen unsere Antworten zusammen.

Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin vom 02. August 2011, nachzuschauen bei tagesschau.de

Warum seid Ihr so kritisch mit der Zeitung?

Weil die Berichterstattung oft ungen├╝gend ist. Die meisten Mitarbeiter haben fr├╝her selbst f├╝r Zeitungen gearbeitet – es tut weh, wenn man sieht, wie das Produkt verkommt. Statt zu lamentieren, haben wir uns entschlossen, selbst eine Redaktion aufzubauen. Und wir stellen uns jeder inhaltlichen Kritik – was man von den Zeitungen leider nicht erwarten kann.

Bedroht das Internet “die Zeitung”?

Nein. Journalistische Angebote im Internet zeigen nur, dass es “Alternativen” zur Zeitung gibt. “Alternative” hat dabei nichts mit “gr├╝n”, “links”, “Apo” oder dergleichen zu tun. Journalistische Internetseiten bewegen sich wie die Zeitungen, das Radio, das Fernsehen auf dem Markt der Aufmerksamkeit ├╝ber angebotene Informationen.

Die Zeitungen m├╝ssen sich wie andere Medien vergleichen lassen. Der Vergleich f├Ąllt leider immer h├Ąufiger nicht gut aus. Teure Abos bei gleichzeitig mangelhaftem Inhalt sind vermutlich kein “Zukunftsmodell”. Deswegen werden alle Lokalzeitungen, die nicht an der Qualit├Ąt arbeiten, mittel- bis langfristig gro├če Probleme bekommen. Zeitungen mit guter Qualit├Ąt haben auch eine Zukunft.

K├Ânnen Blogs eine Zeitung ersetzen?

Warum nicht? Es geht um zutreffende Informationen, kritische Berichterstattung, einordnende Kommentierung, “Enth├╝llungen”, Unterhaltung. All das k├Ânnen Blogs oder “Internet-Zeitungen” bieten. Aktueller und umfangreicher als eine aufs Medium Papier begrenzte Zeitung.

Wir empfehlen gerne auch sehr gute Angebote, beispielsweise das DeutschlandRadio, Arte oder 3Sat, um elektronische Medien zu nennen. Das sind ganz hervorragende Angebote. Das Problem: Es sind keine “Lokalmedien”. Wenn man wissen will, was um einen herum “los” ist, dann braucht man sehr gute Lokalmedien. Zeitungen hatten bis vor kurzem hier ein Monopol – das br├Âkelt zunehmend.

Die meisten neuen journalistischen Internetportale sind noch sehr “jung” – leisten aber wie das heddesheimblog.de enorm viel f├╝r die Leserinnen und Leser und decken teils schon mehr Themen ab, als in der Zeitung stehen. Da es so gut wie keine “Verfilzung” gibt und keine m├╝den Monopolstrukturen sind die Angebote meist frischer und meinungsfreudiger. Sie bedienen sich zudem einer Technik, die ├╝berall verf├╝gbar und zunehmend “selbstverst├Ąndlicher” auch f├╝r ├Ąltere Generationen wird. Die junge Generation liest sowieso so gut wie keine Zeitung mehr.

Wie steht es um die objektive Berichterstattung?

Dazu muss man erstmal definieren, was “objektiv” ist und ob dies erstrebenswert ist. Die Fakten m├╝ssen stimmen. Das allein reicht aber nicht, sie m├╝ssen interpretiert und eingeordnet werden. Viele Dinge kann man so oder so sehen.

Ein klassisches Beispiel: War Che Guevara ein Terrorist oder ein Freiheitsk├Ąmpfer? Ein aktuelles Beispiel: Ist Anders Breivik ein “Amokl├Ąufer” oder ein rechtsextremer Terrorist?

Und lokal geht es um Fragen wie: “K├Ânnen oder wollen wir uns das Hallenbad noch leisten?” “Wie viel Betreuung muss, kann, soll, will eine Gemeinde f├╝r Kinder anbieten?” Dazu lassen sich Fakten zusammentragen, aber auch sehr viele Meinungen.

Unsere Redaktion bietet bewusst einen “subjektiven” Journalismus an. Unsere Inhalte werden nicht von Maschinen gemacht, sondern von Menschen, die sind nunmal “Subjekte” und keine Objekte.

Wir arbeiten mit professionellen, journalistisch-handwerklichen Methoden. Wir hinterfragen kritisch und genau und dokumentieren den gr├Â├čten Teil unserer Quellen – bis auf die, die wir wegen vermuteter Nachteile sch├╝tzen. Unsere Leserinnen und Leser k├Ânnen unsere Informationen ├╝berpr├╝fen, wir helfen sogar dabei, weil wir das f├Ârderlich f├╝r die “subjektive” Meinungsbildung halten.

Objektiv hei├čt f├╝r uns, transparent und ehrlich zu berichten. Die Leserinnen und Leser erweitern das mit Kommentaren und Links. Artikel 5 spricht nicht von einer “objektiven” Meinungsfreiheit, sondern von der Freiheit, sich auch ├Âffentlich zug├Ąnglichen Quellen eine Meinung bilden und diese ├Ąu├čern zu d├╝rfen. Daran wirken wir mit.

Sehen Sie eine L├Âsung f├╝r die Zeitungen?

F├╝r die allermeisten leider nicht. Das Produkt Zeitung muss mit einem exklusiven Inhalt ├╝berzeugen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird die Zeitung beliebig und hat keinen Nutzen mehr. Da die Entwicklung seit gut zwei Jahrzehnten negativ ist und das Internet viele neue M├Âglichkeiten bietet, hat die Zeitung nur eine Chance – wenn sie sich auf guten Journalismus, exklusive Inhalte und Respekt vor der Leserschaft besinnt.

Nat├╝rlich m├╝ssen Zeitungen auch die Bed├╝rfnisse ihrer Werbekunden m├Âglichst gut bedienen. Da Zeitungen heute aber wie Konservenfabriken von Betriebswirten ohne journalistischen Ehrgeiz gef├╝hrt werden, ist eine L├Âsung nicht in Sicht. Der Einfluss der Werbewirtschaft auf die redaktionelle Berichterstattung besch├Ądigt zudem die Glaubw├╝rdigkeit der redaktionellen Inhalte und der werbenden Unternehmen. Ein Verst├Ąndnis dieser Wechselwirkungen ist heute leider in Zeitungsh├Ąusern kaum noch anzutreffen.

Warum argumentieren Sie f├╝r die Kollegen bei der Zeitung?

Aus Solidarit├Ąt. Das “Angebot” der Verleger ist sittenwidrig. Die Verlagsh├Ąuser haben ├╝ber Jahre hinweg Geld gescheffelt. Renditen von ├╝ber 20 Prozent waren keine Seltenheit. Auf das neue Medium Internet wurde arrogant reagiert und deshalb hat man heute gro├če Probleme.

Bei vielen Zeitungen gibt es nach wie vor gute Leute und es gibt junge Menschen mit viel Enthusiusmus, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen wollen. Wenn man, um sich Renditen zu erhalten, die eigenen Leute kaputt spart, ist das der falsche Weg. Zudem nehmen immer mehr ├Âkonomische Interessen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Am Beispiel der Fehl- oder Nichtleistungen der Stuttgarter Zeitung in Sachen Stuttgart21 kann man gut erkennen, wie wenig von der “vierten Gewalt” ├╝brig geblieben ist. H├Ąufig sind die Zeitungen nur nur Steigb├╝gelhalter f├╝r Lobbyisten, Interessenverb├Ąnde, Werbekunden oder die jeweils herrschenden Klassen. Mit kritischer Kontrolle hat das wenig zu tun und das ist sch├Ądlich f├╝r die Demokratie.

Nicht jeder Journalist ist ein Revolution├Ąr und packt seine Sachen, wenn er nicht so berichten darf, wie er sollte. “Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing” gilt auch f├╝r diesen Beruf. In der Verantwortungskette stehen die Verleger, Chefredakteure und Redaktionsleiter ganz vorne.

Eine Demokratie braucht aber eine kritische ├ľffentlichkeit und es ist sicher von Vorteil, wenn viele Leser an die Verlage schreiben und mehr Journalismus fordern. Verleger sind Kaufleute – und wenn die Kunden rebellieren, ├╝berlegen die sich sicher sehr genau, wie sie sich besser nicht verhalten sollten.

Warum sind Radio und Fernsehen nicht so sehr betroffen?

Sind sie. Sowohl Radio als auch Fernsehen sind bereits vom Internet umschlungen worden. In einigen Jahren werden viele Menschen ein Ger├Ąt an der Stelle haben, an der der “Fernseher” stand. Dar├╝ber kann genauso Radio geh├Ârt werden. Das Radio kann aber ├╝ber sehr einfache Ger├Ąte ├╝berall, vor allem im Auto, als “Nebenbei-Medium”, empfangen werden. Diese Einfachheit wird das Radio als Radio ├╝berleben lassen. Das Fernsehen als Inhaltelieferant f├╝rs Internet(fernsehen) bleibt auch erhalten. Ob man Fernsehen auf einem Fernsehger├Ąt oder einem Computerbild schaut, ist mehr oder weniger dasselbe.

Die Papierzeitung hat aber ein Problem: Es ist teuer, sie herzustellen, man muss sie teuer transportieren und bis sie beim Leser ist, vergeht zu viel Zeit. Zudem ist sie im Umfang begrenzt. Man kann sie schlecht archivieren und schon gar nicht verlinken. Die Zeitung ist ein Einbahnstra├čenmedium. Das sind echte Nachteile, die zu einer deutlichen Reduzierung der Zeitungswelt in der Zukunft f├╝hren werden. Nur wirklich exklusive, sehr gute Inhalte werden das abwenden k├Ânnen.

K├Ânnen Blogs nur von Journalisten gemacht werden?

Gut gemachte Informationsportale sind irgendwann von selbst “journalistisch”. Nat├╝rlich k├Ânnen auch B├╝rger oder Interessengruppen publizistisch t├Ątig werden – es ist aber eine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit und wenn man eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen m├Âchte, muss man am Ball bleiben. Es sind zudem sehr viele “rechtliche” Dinge zu beachten.

Insofern sind hauptberufliche Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, eher in der Lage, ein solches Angebot aufzubauen. Das gilt sowohl f├╝r gro├če Nachrichtenportale wie f├╝r kleine lokale Angebote. Die Qualit├Ąt muss ├╝berzeugen. Ob die von “Journalisten” oder “Bloggern” kommt, ist egal. In Amerika hei├čen Redakteure “editors”, in der Schweiz Redaktoren – das sind Begrifflichkeiten. Die Inhalte sind entscheidend.

Unterst├╝tzen Sie uns, wenn wir etwas ├Ąhnliches planen?

Vielen Dank f├╝r das viele Lob, das wir von vielen bekommen haben, nachdem Sie sich auf unseren Seiten umgesehen haben. Wir helfen gerne, wo wir k├Ânnen, haben nat├╝rlich aber unsere eigene Arbeit zu machen. Fragen kostet nichts ;-) .

Weil wir aber davon ├╝berzeugt sind, dass sich Kooperationen lohnen, haben wir mit Kollegen das Netzwerk http://istlokal.de gegr├╝ndet. Der Verein wird in K├╝rze angemeldet und hat zum Ziel lokal- und regionaljournalistische Internetangebote zu f├Ârdern. Die deutschlandweit rund 50 Mitglieder und Interessenten tauschen sich schon heute zu den Themenfeldern Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht auf der Basis von Solidarit├Ąt aus. Man hilft sich gegenseitig, um das eigene Angebot und das anderer zu verbessern.

Wenn Sie also selbst ein Angebot planen oder als Initiative ein Angebot von jemandem aufbauen lassen wollen, finden Sie hier Ansprechpartner. Wir bieten auch technische, inhaltliche und organisatorische Beratung gegen Honorar an und machen Ihnen gerne ein Angebot.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Die Redaktion von heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de, viernheimblog.de, weinheimblog.de, rheinneckarblog.de

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Berichte ├╝ber unsere Blogs finden Sie hier.

Es sieht b├Âse aus mit dem “Journalismus”


Journalismus? Haha. Quelle: Kontext

Rhein-Neckar/Stuttgart, 08. Juni 2011 (red) In Stuttgart erscheint seit ein paar Wochen die kostenlose Zeitung “Kontext“. 200.000 Euro haben private Spender bereit gestellt, um das Projekt mindestens ein Jahr zu finanzieren. Einer der Spender ist Edzard Reuter. F├╝r Kontext arbeiten “altgediente” Zeitungsjournalisten. Aktuell rechnet Bruno Bienzle, bis 2007 Lokalchef der Stuttgarter Nachrichten, mit dem “Pressewesen” ab.

Der Artikel im “Kontext” ist eigentlich weit weg – in Stuttgart. Aber er ist f├╝r unsere Region sehr wichtig, weil er ein systematisches Problem beschreibt.

Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt werden ├╝ber Medien transportiert. Soweit die Theorie.

In den klassischen Medien findet zur Zeit ein radikaler Umbruch statt – als Leserin und Leser, als Abonnentin und Abonnent einer Tageszeitung sollten Sie wissen, wie “pannenanf├Ąllig” das Produkt ist, dass Sie teuer bezahlen.

Journalismus ist nicht “gottgegeben”, sondern basiert auf unserem Grundgesetz. Auf Artikel 5 ├╝ber die Meinungsfreiheit. Professionell betriebener Journalismus ist aber auch ein Gesch├Ąft. Der Journalismus liefert “interessante” Inhalte – die Werbung nutzt das f├╝r sich.

Jeder, der ein Zeitungsabo f├╝r rund 30 Euro im Monat hat, muss das eigentlich wissen. Nachrichten bekommt man ├╝ber die Zeitung nicht “umsonst”. Man zahlt das Abo und wird mit Werbung “zugeballert” – ganz kostenlos. Scheinbar. Die Verlage halten daf├╝r aber die Hand auf.

Im Internet sind viele Nachrichten “kostenlos” – die Frage ist, wie viel diese Nachrichten wert sind. Die Frage ist, wieviel die Menschen bereit sind, f├╝r solche Nachrichten zu zahlen. S├Ąmtliche Modelle f├╝r “beliebige” Nachrichten konnten sich nicht “durchsetzen”.

Die “Nachrichten”, also das lokale Zeitungswesen, sind per Lizenz vor rund 60 Jahren vergeben worden. Die Lizenzverlage haben daraus Traumrenditen erwirtschaften k├Ânnen.

Das Internet bedroht dieses “Gesch├Ąftsmodell”. Denn was fr├╝her nur im “Abo” erh├Ąltlich war, gibt es jetzt “for free”.

Unsere Angebote f├╝r Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rhein-Neckar sind frei zug├Ąnglich – mit hohem Einsatz aller Mitarbeiter und zun├Ąchst geringer Erwartung von Einnahmen. Ganz in der Tradition der Marktwirtschaft – wir bieten ein Produkt an und hoffen, dass es gef├Ąllt.

Ob wir es verkaufen k├Ânnen, muss der Markt zeigen. Wie wir es verkaufen k├Ânnen, wissen wir noch nicht. Aber wir hoffen darauf, dass es genug Menschen gibt, die unsere Leistung “honorieren”. Dazu werden wir bald ein Angebot machen.

Der alte Markt ger├Ąt zunehmend unter Druck – die gewohnten Gewinnerwartungen und keineswegs das Ideal eines guten Journalismus geraten unter Druck.

Dar├╝ber schreiben “alte Hasen” in Kontext – und die erfahrenen Journalisten wissen, dass es ernst ist. Mit dem Gesch├Ąft und mit der Meinungsfreiheit.

Wir empfehlen deshalb gerne und dringlich diesen Text.

Herren im Haus

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das rheinneckarblog.de

Geprothmannt: Ich lass mir das Essen nicht vermiesen


Esst Gurken - sie sind lecker und gesund. Seit 2009 darf man in Deutschland auch solch krumme Gurken kaufen. Bild: Garitzko/wikipedia

Rhein-Neckar/Deutschland, 06. Juni 2011 (red) Die EHEC-Angst geht um. Warum? Weil ein Haufen verantwortungsloser Medien Panik bei den Menschen sch├╝rt. Und jede Menge falsche Informationen unters Volk bringt. Wer klug ist, durchschaut die Berichte ├╝ber die angebliche Seuche – die wahre Seuche ist die Sensationsgier vieler Medien.

Von Hardy Prothmann

Am Anfang waren es ein paar EHEC-F├Ąlle. Dann waren es ein paar mehr. Dann sollen spanische Gurken schuld gewesen sein, dann Gem├╝se aus Norddeutschland – die Deutsche Presse Agentur (dpa) hatte aus einem “in Norddeutschland” ein “aus Norddeutschland” gemacht. Die Folge: Massive ├Âkonomische Sch├Ąden f├╝r Gem├╝seproduzenten, sprich Landwirte. In Spanien. In Norddeutschland.

Jetzt sollten es “Killerkeime” – Spr├Â├člinge gewesen sein.

├ťberall im Land bleiben die Gurken und Tomaten und jetzt Spr├Â├člinge liegen. Die meisten Kantinen bieten eher Krautsalate an, denn frische Kost.

Niemand muss vor dem Verzehr von Gem├╝se Angst haben – denn das Bakterium sitzt wenn, auf dem Gem├╝se und nicht drin. Wer Gem├╝se vor dem Verzehr ordentlich reinigt, w├Ąscht die Erreger ab.

Noch besser sind die dran, die ihr Gem├╝se im eigenen Garten ziehen – die wissen, wie es behandelt und gezogen wurde.

Die Erwartung der ├ťberallverf├╝gbarkeit ist das Problem.

Tats├Ąchlich erwartet unsere Gesellschaft eine ├ťberallverf├╝gbarkeit von allem zu jeder Zeit. Deswegen reist Gem├╝se um die Welt und Erreger und Verschmutzungen mit.

Sicher, die Spanier, Belgier, Niederl├Ąnder sind in diesem Fall offensichtlich nicht schuld an EHEC. Sie sind aber sehr wohl schuld an einer Verzerrung des Marktes mit minderwertigen Produkten. Die EU mag bis 2009 eine Gurkenkr├╝mmungsverordnung gehabt haben – ob die Gurken aber auch schmecken, ist nicht verordnet worden.

So gibt es jede Menge Gurken, Tomaten und anderes Gem├╝se, dass auf Glanz gez├╝chtet ist, alles in Reih und Glied gleich “attraktiv” aussieht, aber doch nach nichts schmeckt. Aber der Preis, der stimmt. Sch├Ân billig eben.

Und vermutlich wird herauskommen, dass wegen des Preises irgendwo in der Nahrungsproduktionskette geschlampt worden ist. Ob dioxinverseuchte Industriefette, die dem Tierfutter beigemischt werden, ekelerregende Massentierhaltung, BSE – nichts davon ist “nat├╝rlich”, alles ist industriell systembedingt “erzeugt” worden.

EHEC ist der eine Erreger – Panik der andere.

Hinzu kommt die Erzeugung von Panik. Denn so wie die Gem├╝seproduktion industriell gesteigert wird und zwar gut aussehende, aber geschmacklose Ware erzeugt wird, so erzeugen Medien scheinbar wichtige Nachrichten, die aber “kernlos” gez├╝chtet werden. Das Ziel ist wie beim Billig-Gem├╝se die Steigerung des Absatzes.

Es geht hier l├Ąngst nicht mehr um Angebot und Nachfrage. Fr├╝her war ausverkauft, wenn ausverkauft war – heute soll immer weiter nachgeliefert werden. Auch die Kunden sind mit schuld, wenn sie selbstverst├Ąndlich immer alles zu erhalten erwarten. Deswegen wird produziert, was das Zeug h├Ąlt. Wird diese “Kette” unterbrochen, ist das Geheule gro├č. Besonders bei gewissen Medien, ob erwartungsgem├Ą├č bei Bild oder auch bei scheinbar seri├Âseren Auftritten wie Spiegel online. Sitzt der “Erreger” erstmal auf der Nachricht, verbreitet er sich ebenso rasend schnell.

Auch das erzeugt “D├╝nnpfiff” – der aber macht den Kopf und das Herz der Menschen krank, die nur noch Gefahren sehen, obwohl sie in einem Land leben, dass ebenso massenhafte Kontrollverordnungen hat und diese auch weitestgehend umsetzt. Wenn man sich erregen will, dann ├╝ber die dilletantische ├ľffentlichkeitsarbeit der verantwortlichen Politiker.

EHEC und die m├Âglicherweise daraus resultiernde HUS-Erkrankung sind schlimm f├╝r alle Betroffenen – keine Frage. Aber es gibt f├╝r mich auch nicht im Ansatz einen Grund, keine Gurken zu essen. Ganz besonders freue ich mich auf die eigenen – die Pfl├Ąnzchen sind gerade erst geschl├╝pft, es wird also noch ein wenig dauern, bis die leckeren Gurken auf den Tisch kommen.

Und nein – ich werde nichts davon exportieren. Die Erzeugnisse auf dem kleinen Beet sind f├╝r den Eigenbedarf bestimmt. Gute Freunde und Nachbarn bekommen auch was davon ab. Und bislang hat sich noch nie jemand ├╝ber die Qualit├Ąt beschwert.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit – der Fall Kachelmann ist beispielhaft f├╝r den “Fall” des Mannheimer Morgens


Journalistisch nur verloren und nichts gewonnen hat vor allem der MM. Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar/Deutschland, 31. Mai 2011 (red) ├ťberall in Deutschland wurde gestern schon ├╝ber den Freispruch von J├Ârg Kachelmann berichtet. Der Prozess um eine mutma├čliche Vergewaltigung hat seit gut einem Jahr deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Bunte, Focus, Bild und Spiegel haben die Berichterstattung “vorangetrieben”. Ein wenig auch die Agenturen. Mit Sicherheit auch “das Internet”. Keine Rolle hingegen spielte der Mannheimer Morgen.

Von Hardy Prothmann

Um eines klipp und klar festzustellen: Die meisten gro├čen Medien haben im “Fall Kachelmann” nicht nur versagt, sondern deutlich gemacht, wie erb├Ąrmlich es um den “Journalismus” in Deutschland bestellt ist. Allen voran Alice Schwarzer, die sich f├╝r sich f├╝r Bild ins Zeug gelegt hat und Gisela Friedrichsen f├╝r den Spiegel.

Schl├╝pfriger Journalismus

Scheckbuch-Journalismus ├â┬í la Bunte, 50.000 Euro f├╝r ein Interview mit einer Ex-Geliebten, die schl├╝pfrige Details erz├Ąhlt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Prozess an sich zu tun haben, ist nur Blick in den pornografischen Abgrund des “Unterhaltungsjournalismus” gewesen.

Bis heute fehlt eine Distanzierung durch den “allseits geachteten” Dr. Hubert Burda ├╝ber die Verfehlungen in und durch seine Medien in diesem “spektakul├Ąren” Prozess.

Verlierer-Journalismus

Der Mannheimer Morgen kommentiert heute: “Nur Verlierer.” Und urteilt wahr und richtig. Der angebliche Vergewaltiger Kachelmann ist ein Verlierer. Das angebliche Vergewaltigungsopfer, eine Radiomoderatorin, ist eine Verliererin. Das Mannheimer Landgericht ist ein Verlierer. Die Staatsanwaltschaft ist eine Verliererin.

Und der Mannheimer Morgen hat auf ganzer Linie versagt und verloren. Der lokale Platzhirsch spielte journalistisch auch nicht den Hauch ein Rolle in diesem Drama. Kennen Sie eine exklusive Meldung der Zeitung in dem Fall? Eine Nachricht von Bedeutung? Die eine Rolle gespielt h├Ątte? Die etwas oder jemanden bewegt h├Ątte? Nein? Ich auch nicht.

Die Presseerkl├Ąrung des Landgerichts besch├Ąftigt sich fast nur am Rande mit dem Prozess und dem Urteil. Zentraler Inhalt ist ein Frontalangriff auf “die Medien”.

Frontalangriff auf die Medien

Und dieser Angriff aus der Verteidigungsposition heraus ist sogar nachvollziehbar. Die Richter waren in ungekanntem Ausma├č Teil der Berichterstattung. Vor allem negativer. Wie fatal unprofessionell die Richter sich verhalten haben, reflektieren sie dabei nicht. Sonst m├╝ssten sie sich ja nicht in diesem unerwarteten Ma├č beschweren und rechtfertigen.

Dieser Frontalangriff galt mit Sicherheit nicht dem Mannheimer Morgen. Der hat sich weder durch schl├╝prige Details noch durch andere Informationen hervorgetan, sondern alle anderen Medien in seinem Vorgarten spielen und eine riesige Verw├╝stung anrichten lassen.

Journalistischer Ehrgeiz? Kein Funke

Nicht einmal war der Funke eines journalistischen Ehrgeizes erkennbar. Der Wille, mit solider Recherche oder starker Meinung oder Lokalkompetenz so exklusiv und ├╝berzeugend zu sein, dass andere “gen├Âtigt” werden zu schreiben: “Wie der Mannheimer Morgen berichtet…”

(Falls es doch einmal in einem Jahr gelungen sein sollte, erkenne ich das nach in Kenntnissetzung an und bitte um Hinweis auf Korrektur bevor eine mit Kosten verbundene Abmahnung geschrieben werden sollte.)

Heute morgen werden die Menschen in den Spiegel schauen und sich vielleicht die ein oder andere Frage dabei stellen.

Der Strafverteidiger Johann Schwenn wird vermutlich denken: Guter Job!

J├Ârg Kachelmann wird denken: Nein, danke.

Alice Schwarzer wird denken: Doch!

Gisela Friedrichsen wird denken: Wie ungerecht!

Die Radiomoderatorin wird denken: (Nicht-├Âffentlich)

Stefan Eisner (unbekannter MM-Redakteur, der den Kommentar geschrieben hat.) denkt: Nur Verlierer.

Horst Roth, der MM-Chefredakteur wird denken…

Keine Ahnung, was Herr Roth denkt.

Vermutlich denkt er. Irgendwas. Dass er auch nur im Ansatz dar├╝ber nachgedacht hat, wie man diesen Prozess journalistisch “top” begleitet, darf man getrost in Frage stellen. Und wenn das so gewesen sein sollte, war er leider nicht erfolgreich.

Lordsiegelbewahrer der gepflegten Bratwurstberichterstattung

Herr Roth darf sich gerne aber als “Lordsiegelbewahrer” f├╝hlen, denn er f├╝hrt eine lange Tradition fort. Ob “K├Ânigsmord der SPD“, Peter Graf-Prozess, Flowtex-Skandal, aktuell Bilfinger & Berger und die Nigeria-Connection – seit nunmehr fast 15 Jahren ist der Mannheimer Morgen kaum mehr in der Lage, eine “Nachrichtenquelle” f├╝r andere Medien zu sein.

Terminberichterstattung, Fasnacht, Vereine, Bratwurstjournalismus und “desh├Ąmmerschunimmersogemacht” bestimmen die journalistische Minderleistung dieser ehemals geachteten Zeitung.

Dabei ist Mannheim ein deutsche Metropole. Eine Top-Stadt, in der “was geht” – immer wieder. Mit 300.000 Einwohnern ist die Stadt nicht sehr gro├č, aber sie hat gro├čes Potenzial. Politisch, kulturell, wirtschaftlich und sportlich.

Der Mannheimer Morgen bildet das leider so gut wir gar nicht ab. Er bedient die lokalen Zirkel und vor allem seinen Terminkalender, schaut dabei hilflos der sinkenden Auflage zu und feiert sich selbst daf├╝r… Wof├╝r? Vermutlich, dass es ihn ├╝berhaupt noch gibt.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit ist kaum an einer anderen Zeitung so “dokumentierbar” wie am Mannheimer Morgen.

 

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by “Qualit├Ątsjournalismus”


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung ├╝ber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein Qualit├Ątsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein Qualit├Ątsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. W├Ąhrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: “Dem R├╝cken die Stirn bieten” (├ľffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), “Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker” (Kleinanzeige Rheinpfalz), “Senioren sind mit 35 noch sehr r├╝stig” (Rhein-Zeitung) und andere Kuriosit├Ąten gibt es im “Hohlspiegel” zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich am├╝sant bis saukomisch.

Gar nicht am├╝siert sind die Verbraucher ├╝ber kontaminiertes Gem├╝se, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim f├╝hren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches h├Ąmolytisch-ur├Ąmischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht am├╝siert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles ├╝ber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten ├╝berwiegend Journalisten, die von der Kaninchenz├╝chterschau bis zur Kommunalpolitik ├╝ber alle m├Âglichen Themen berichten m├╝ssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen Kaninchenz├╝chter oder Kommunalpolitiker.

Das m├╝ssen sie auch nicht sein. Die einfache L├Âsung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle ├╝berpr├╝fen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere L├Âsung und die f├╝hrt zum Dauerd├╝nnpfiff vieler Redaktionen: Man l├Ąsst das mit dem ├╝berpr├╝fen weg und verl├Ąsst sich lieber auf andere. Im “gro├čen” Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungepr├╝ft ├╝bernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine ├ťberpr├╝fungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am n├Ąchsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

“Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.”

Tats├Ąchlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von Gem├╝se “aus Norddeutschland”, sondern vor dem Verzehr “in Norddeutschland” wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR ├╝ber die ├╝blichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gem├╝se hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "D├╝nnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor Gem├╝se "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte “in” und “aus” sind klein. Man k├Ânnte jetzt sagen: “Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.” Tats├Ąchlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven ├Âkonomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion ver├Âffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne Qualit├Ątskontrolle. Dabei w├Ąre die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut f├╝hrt direkt zur Quelle.

Doch daf├╝r muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam “verarbeiten”. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er “rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland” liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses Gem├╝se wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich Gem├╝se nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht “woher” dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das “geistige Nahrungsmittel” Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie w├╝rden dann n├Ąmlich viel h├Ąufiger fragen, “woher” die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen l├Ąngst, dass gro├če Teile im “gro├čen Teil” der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenst├Ąndig verfasste Artikel sind, gibt es h├Ąufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls h├Ąufig auch noch tendenzi├Âs.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das K├╝rzel “zg” beispielsweise steht f├╝r “zugeschickt”.

Zeitungsartikel als “C”-Ware

Was die Zeitungen gerne als “1A-Ware” verkaufen, ist in wirklich nur “B”- oder “C”-Ware, ein wenig umverpackt und aufgeh├╝bscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen k├Ânnen diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren lie├čen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen ver├Âffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte “PR-“Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite “Bildblog” berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort “aus” durch die korrekte Zitierung “in” ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im “Fehler unterstellen” sind deutsche Medien f├╝hrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. Qualit├Ąt geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man sp├╝rt die Geschw├╝re und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vor├╝bergehen, der mediale D├╝nnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag sp├Ąter hei├čt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

Lassen Sie sich nicht “kirre” machen – der Klau der Kreditkartendaten bei Sony und die Medienhysterie


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 27. April 2011 (red/pm). Am 17. April 2011 haben Hacker das Unternehmen Sony Network Entertainment angegriffen und sind ersten Meldungen zufolge in den Besitz von eventuell 77 Millionen Kundendatens├Ątzen gelangt. Sehr viele Medien berichten nun, dass Playstation-Kunden einen Missbrauch ihrer Kreditkartendaten bef├╝rchten m├╝ssen. Dabei scheint die Lage mehr oder weniger undramatisch – mal abgesehen vom Image-Gau f├╝r Sony. Tats├Ąchlich sind die Adressdaten der Kunden viel wertvoller und gut zu verkaufen.

Von Hardy Prothmann

Fest steht: Sony Network Entertainment wurde angegriffen. Von Computer-Verbrechern, die sich illegal Zugang zu den Kundendaten des japanischen Unternehmens verschafft haben. Betroffen sind Kunden, die die internetf├Ąhige Spielkonsole Playstation 3 benutzen und K├Ąufe ├╝ber Kreditkarten vorgenommen haben. Die Konsolen Playstation 1 und 2 sind, weil nicht internetf├Ąhig, nicht betroffen.

Fest steht: Das ist ein enormer Image-Verlust f├╝r das Unternehmen, weil Kundendaten absolut sensible Daten sind und offenbar kein ausreichender Schutz vorhanden war. Vor allem die Zahl ├╝berrascht. Denn die Hacker scheinen Zugriff auf eine zentrale Datenbank gehabt zu haben.

Fest steht auch: Es ist eine Schande, dass sich Sony ganze zehn Tage lang nicht ge├Ąu├čert hat. Gutes Krisen-Management geht anders. Aber sp├Ątestens seit Fukushima wei├č man, dass von japanischen Unternehmen Transparenz nicht erwartet werden kann.

Hysterische Medienberichte

Die Medien ├╝berschlagen sich mit Berichten ├╝ber den Skandal und die “m├Âglichen” Folgen f├╝r die Kreditkartenkunden, die nun “m├Âglicherweise” finanzielle Sch├Ąden zu bef├╝rchten “haben”.

Hysterische Berichterstattung: Die Chancen, dass Kreditkartenkunden betr├╝gerische Abbuchungen f├╝rchten m├╝ssen, sind eher gering.

Tatsache ist: Es gibt bis heute noch keine festgestellten Sch├Ąden, zumindest sagt das der Zentrale Kreditausschuss, ein Zusammenschluss aus f├╝nf Banken- und Sparkassenverb├Ąnden.

Mit gro├čer Wahrscheinlichkeit k├Ânnen die Hacker nichts mit den Kreditkartennummern anfangen, weil sie vermutlich nicht im Besitz der Pr├╝fziffern sind: “Die Kreditinstitute sind hier sehr wachsam. Uns liegen keine Informationen vor, dass es zu Missbr├Ąuchen in diesem Zusammenhang gekommen ist”, sagt Dr. Kerstin Altendorf auf unsere Nachfrage.

Der Zentrale Kreditausschuss hat gestern folgende Meldung an die Presse gegeben:

Sony Network Entertainment hat gestern bekannt gegeben, dass bestimmte Services des PlayStation Network sowie Qriocity mittels illegalen und unberechtigten Eingreifens angegriffen wurden. Dabei konnten sich die T├Ąter offenbar Zugriff auf pers├Ânlichen Daten von mehr als 70 Millionen Nutzern
verschaffen. Es ist unklar ob auch Kreditkartendaten ausgesp├Ąht wurden.

Sony Network Entertainment erkl├Ąrte, dass es daf├╝r derzeit zwar keine Anzeichen g├Ąbe, dass man diese M├Âglichkeit aber auch nicht g├Ąnzlich au├čer
Betracht lassen k├Ânne.

Position des Zentralen Kreditausschusses:
Derzeit steht noch nicht fest, ob Kreditkartendaten abhanden gekommen sind.
Kunden der betroffenen Services sollten ihre Kreditkartenrechnungen sorgf├Ąltig pr├╝fen und bei Unstimmigkeiten unmittelbar das kartenausgebende Institut informieren. F├╝r etwaige Sch├Ąden aus einer m├Âglichen Manipulation im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl m├╝ssen die Karteninhaber nicht haften.

Nach unseren Informationen gibt es eine Reihe von Banken, die auf Wunsch der Kunden Kreditkarten kostenfrei neu ausstellen. Wir haben die Sparkasse Rhein-Neckar-Nord und die VR Bank Rhein-Neckar ebenfalls angesprochen, um von dort Informationen zu erhalten. Beide Unternehmen war aber nicht in der Lage, innerhalb von drei bis vier Stunden zur├╝ckzurufen, was schwach ist. (Siehe Protokoll des Gespr├Ąchs mit der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord)

Immerhin. Am n├Ąchsten Tag hat der Sprecher der Sparkasse, Erich Rathgeber zur├╝ckgerufen: “Wir beobachten das. F├╝r die Kunden gibt es keinen Grund zur Sorge.” Missbrauchsf├Ąlle sind keine bekannt.

Kontrolle ja – Umtausch jein

Normalerweise werden daf├╝r im Mittel 15-20 Euro f├Ąllig. Wer sich sorgt, sollte mit seiner Bank reden und eine Neuausstellung beantragen.

Vermutlich ist dies aber nicht notwendig. Und die “genaue Kontrolle der Abrechnungen”, die nun von Medien empfohlen wird, ist eine absolute Selbstverst├Ąndlichkeit. Nat├╝rlich sollte man seine Bankbelege immer sorgf├Ąltig kontrollieren, weil es Fehlbuchen oder Zahlendreher undundund geben kann.

Der Zentrale Kreditausschuss verweist auf umfangreiche Pr├╝fmechanismen: “Die Kunden m├╝ssen sich nicht sorgen, dass sie auf einer betr├╝gerischen Abbuchung sitzenbleiben, die Kontrollsysteme funktionieren sehr gut und Kunden werden betr├╝gerische Buchungen ersetzt, falls diese vorkommen sollten.” Aber selbst nach der Aff├Ąre von gestohlenen Kreditkarteninformationen in Spanien Ende 2009 kam es nicht zu den angek├╝ndigten “Sch├Ąden” bei den Kunden - vielmehr waren die Banken gesch├Ądigt, die neue Kreditkarten ausgestellt haben, um ihr Image zu waren. Und man kann davon ausgehen, dass die Banken alles tun, um solche Sch├Ąden f├╝r sich zu vermeiden. Dabei d├╝rften sie sich n├Ąher sein als dem Kunden.

Vertrauen weg

Sorgen muss sich ├╝berwiegend Sony machen – das Vertrauen ist erstmal weg. Erstens wegen der fehlenden Sicherung und zweitens wegen der fehlenden sofortigen Information. Und je nachdem wie die Geschichte weitergeht und wie viele Kunden ihre Karten tauschen lassen wollen, ist eine Schadensersatzforderung der Banken an Sony abzuwarten.

Die illegal beschafften Daten k├Ânnen aber noch ganz andere Folgen haben – vor allem “nervige”. Je nach Qualit├Ąt der Daten sind diese Datens├Ątze viel eher bares Geld f├╝r den Adresshandel wert. Man wei├č, welche Spiele die Kunden spielen, welche Musik sie h├Âren und ├Ąhnliche Informationen. Dazu hat man die Adressen und vielleicht auch Ums├Ątze? Dazu hat sich Sony nicht ge├Ąu├čert.

Mega-Raubzug

Jedenfalls reicht der Wert von solchen Datens├Ątzen von wenigen Cent bis zu 100 Euro, die manche Firma bereit ist, f├╝r hochqualifizierte Kundendaten zu bezahlen. Denn dann kann man die Werbung und die Ansprache auf den Kunden verfeinern, um mit ihm “ins Gesch├Ąft” zu kommen. Vielleicht war das das Hauptziel der Hacker.

Rechnet man zehn Euro pro Datensatz, haben die Hacker also einen Wert in H├Âhe von 770 Millionen Euro gestohlen. Wenn sie nur einen Bruchteil davon verkaufen k├Ânnen, ist das ein Mega-Raubzug. Der von Medien hysterisch angek├╝ndigte “m├Âgliche” Raubzug auf den Konten der Kunden wird aber “vermutlich” ausfallen.

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagt├Ąglich “beschei├čen”


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen ├╝ber die Plagiatsaff├Ąren “zu Guttenberg” und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergr├Â├čte Zur├╝ckhaltung ├╝ben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren t├Ąglich in gro├čem Umfang. Das Schm├╝cken mit “fremden Federn” geh├Ârt zum Tagesgesch├Ąft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als “nicht-vorhanden” bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem Betr├╝ger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die Doktorw├╝rde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vors├Ątzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen “bedient” haben. Die Plattrom “Vroniblog Wiki” hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Sa├č, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die gr├Â├čten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach “skrupellosen Abkupferern” wird ├╝bersehen, dass t├Ąglich massenhaft Plagiate “unters Volk” gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben ├╝berhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gef├Ąllig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 ver├Âffentlicht: “Wer versiegelt, der zahlt k├╝nftig mehr.” Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur Verf├╝gung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas “mitgeteilt” hat und auch am Ende steht: “…hei├čt es abschlie├čend in der Pressemitteilung.”

Tagt├Ągliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten ├╝bernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese “Hinweise” aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverst├Ąndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr flei├čig und kompetent ├╝ber die Aktivit├Ąten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern st├Ąndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht “ehrenr├╝hrig”, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverst├Ąndlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen m├╝ssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion ver├Âffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: “Pressemitteilung der Stadt Weinheim”? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schlie├člich zahlt der Abonnent nicht f├╝r abgedruckte Pressemitteilungen, sondern f├╝r eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche “Kennzeichnung” vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, gr├╝ne Einf├╝gungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und ver├Âffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen hei├čt glaubw├╝rdig sein

Auch wir ver├Âffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverst├Ąndlich und t├Ąuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein K├╝rzel “pm” – das steht ausweislich unseres Impressums f├╝r “Pressemitteilung”. Weiter stellen wir ├ťbernahmen in voller L├Ąnge eine unmissverst├Ąndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht “Pressemitteilung von…” oder “Information von…” vor einem solchen Artikel.

Manchmal ver├Âffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. “Von Roland Kern”, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser dar├╝ber, wer der Autor ist. “Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim”, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund hei├čt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier ver├Âffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverst├Ąndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir ├╝bermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine T├Ąuschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-J├╝rgen Emmerich “arbeiten” viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein “Redakteursbericht”. Quelle: MM

“zg” ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden “umformulierte” Pressemitteilungen gerne mal als “Redakteursbericht” ver├Âffentlicht (siehe dazu: “Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?“)

Einer der flei├čigsten “Mitarbeiter” des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das K├╝rzel “zg” benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Autorenk├╝rzel, steht aber schlicht und ergreifend f├╝r “zugeschickt”. Das hei├čt, jeder dieser “zg”-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine Text├╝bernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter “zg” verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere K├╝rzel.

Patchwork-Journalismus – Copy&Paste ist Alltagsgesch├Ąft

Gerne werden auch “Agenturberichte” zusammengefasst. Das hei├čt, der Journalist bedient sich mehrerer “Quellen” von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen ├╝ber den Text. Als “ehrlich” kann schon gelten, wer wenigstens “Mit Material von…” ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem “Material” stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist f├╝r den Leser nicht erkennbar. H├Ąufig wird die Nennung des “Materials” auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis k├Ânnen Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso h├Âher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seri├Âse Journalisten achten sehr sorgf├Ąltig darauf, die Quellen zu benennen.

“Beispiele f├╝r Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele”, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text “Ver├Âffentliche oder stirb” f├╝r die Medienfachzeitschrift “Message”:

“Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, f├╝hrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.”

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema “Textklau im Journalismus” gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man wei├č, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-Verb├Ąnden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer w├╝rde ein niederschmetterndes Ergebnis ver├Âffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der Glaubw├╝rdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schm├╝ckt. Und da eine Kr├Ąhe der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollst├Ąndig unversch├Ąmt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagt├Ąglich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von “Journalisten” gef├╝llt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit “verloren” haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um R├Ąuber, wie sich anhand der Definition von “Plagiat” bei Wikipedia nachlesen l├Ąsst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, ÔÇ×Menschenraub”, ÔÇ×Raub der SeeleÔÇť[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortw├Ârtliche ├ťbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
Zur├╝ck zur “Wissenschaft”: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 m├Âgliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. Und es gibt eine Meldung, dass nun auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg in der Sache ermittelt.;-)

Geprothmannt: Gr├╝n-Rot hat gewonnen – und zwar einen Haufen Probleme


Rhein-Neckar/Stuttgart, 28. M├Ąrz 2011. (red) Noch im Abgang haben verschiedene CDU- und FDP-Vertreter demonstriert, warum sie abgew├Ąhlt worden sind. Wer W├Ąhlerinnen und W├Ąhler als “emotionalisiert” verunglimpft, zeigt, dass er nicht mehr ganz bei Verstand ist und zu recht in eine f├╝nfj├Ąhrige Nachdenkpause geschickt wird.

Von Hardy Prothmann

Die Arroganz der Macht hat die Wahl entschieden.

Mit pauschalen Urteilen ist das immer so eine Sache – man tut garantiert jemandem Unrecht. Denn es gibt sie nicht, die homogene Gruppe, in der alle gleich sind. Genausowenig wie es “die” L├Âsung gibt, die alle Probleme beseitigt.

Wo Du auch hingehst, ist schon ein Schwarzer da

Doch das haben CDU und FDP den Menschen lange vorgegaukelt. Sie haben gelogen und betrogen, was das Zeug h├Ąlt. Heute gesagt, was morgen nicht mehr gilt. Interessen bedient, die selten die der ganz allgemeinen W├Ąhlerinnen und W├Ąhler waren, so wie Du und ich.

Sondern die von m├Ąchtigen Konzernen. Und nat├╝rlich die des einzigartigen Netzwerkes, das sie gestrickt haben. “Wo Du auch hingehst, ist schon ein Schwarzer da”, hei├čt ein gefl├╝geltes Wort.

Wichtige ├ämter und Posten sind mit strategischen Parteibuchinhabern besetzt, “damit’s l├Ąuft in Baden-W├╝rttemberg”. Nat├╝rlich gibt es nur ein richtiges Parteibauch, naja und eins, das man auch akzeptiert. Rot oder gr├╝n durfte es auf keinen Fall sein.

Parteibuch-Karrieren

So entschied oft nicht die Kompetenz, wer einen Job erh├Ąhlt, sondern die Parteifarbe und der Wille, sich in dieses System einzugliedern.

Mit der Zeit degeniert so ein System. Bis die Menschen das merken, dauert es. Aber irgendwann merken sie es. “Alles super im L├Ąndle”, hat schon l├Ąngst niemand mehr wirklich geglaubt.

Wem da der Glaube abhanden gekommen ist, der wurde mit der Angst bei der Stange gehalten. Die Kommunisten-Angstmache geht immer. Gleich darauf folgt die Verarmungs-Angstmache. Dann die Bedeutungs-Angstmache. Dann die Bedrohungs-Angstmache.

Diffamierungsbrauchtum

Als Argument war jedes Mittel recht. Noch der hohlste Vergleich wurde als Beweis herangezogen. Und die grundanst├Ąndigen CDU-ler waren sich niemals zu fein, um zu diffamieren, was das Zeug h├Ąlt.

Die Diffamierung der Gr├╝nen als “Dagegen-Partei” war so etwas wie die Quintessenz des Schmutzwerfens.

Und sicher glauben die “Anstandstr├Ąger” qua Parteibuch noch nach der Wahlschlappe, dass das irgendwas mit der “Unanst├Ąndigkeit” der anderen zu tun hat. Und wenn die es nicht waren, dann sind es eben die W├Ąhler.

Zu doof zum Denken

Und die waren angeblich “emotionalisiert” – sprich: Zu doof zum Denken und nur ihren tempor├Ąren Gef├╝hlswallungen unterworfen, hei├čt das. Wer so ├╝ber Menschen redet, die nicht mit dem einverstanden sind, was man tut, der will diese Menschen auch nicht regieren und geh├Ârt – richtig: abgew├Ąhlt.

Die Alternative hat Winfried Kretschmann geboten: Er hat sich dazu bekannt, wo gegen er ist. Und er hat den Spie├č einfach umgedreht und auch gesagt “wof├╝r er ist”. Und der Ausstieg aus der Kernkraft ist das, was die Mehrheit im Land will.

Geradezu ekelerregend ist das “Argument”, Fukushima sei den Gr├╝nen doch “gerade recht gekommen”: “Des hawwe die doch schamlos ausgenutzt”, hat man nicht von wenigen geh├Ârt. Wer so schamlos solch dumme Behauptungen aufstellt, hat l├Ąngst jedes Schamgef├╝hl verloren.

Gr├╝ner Glaubw├╝rdigkeitsvorteil

Die Gr├╝nen haben einen absoluten Glaubw├╝rdigkeitsvorteil – sie fordern den Ausstieg schon seit 30 Jahren. Jetzt sind sie gew├Ąhlt und m├╝ssen sich ihrer Verantwortung stellen.

Und das wird eine schwere Aufgabe. Denn sie m├╝ssen den Dreck wegr├Ąumen, den andere ihnen hinterlassen haben. Das wird dauern und derweil werden die, die den Dreck verursacht haben, wieder ihre H├Ąme aussch├╝tten, weil die, die den Dreck nicht haben wollten, ihn nicht schnell genug beseitigen k├Ânnen.

Ein Haufen Drecksprobleme

Da sind zum einen die Atomkraftwerke von EnBW, die Baden-W├╝rttemberg “geh├Âren”. Der EnBW-Aktienr├╝ckkauf ist ├╝ber Schulden finanziert, die Atomenergie ist eine Cash-Cow f├╝r EnBW. Werden sie abgeschaltet, fehlen gut 400 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das dr├╝ckt die Dividende empfindlich – mit der sollten aber die Schulden abgebaut werden. Wie man aus diesem Dilemma rauskommt, hat noch keiner nachvollziehbar erkl├Ąren k├Ânnen.

Die Gr├╝nen haben nun einen Haufen Probleme zu beseitigen, sagt Hardy Prothmann. Bild: sap

Da ist Stuttgart21. Die Gr├╝nen wollen das Volk entscheiden lassen. So paradox es klingt. Das k├Ânnte f├╝r die Gr├╝nen eine “saubere L├Âsung” sein. Sollte es stimmen, dass mittlerweile eine Mehrheit daf├╝r ist, machen die Gr├╝nen mit der SPD zusammen den Volksentscheid, das Volk sagt ja und man ist fein raus. B├╝rgerbeteiligung versprochen, gehalten, akzeptiert.

Doch was, wenn es anders kommt? Dann drohen wieder enorme Sch├Ąden, durch bereits ausgegebene Gelder und Prozesse. Dann gibt es das Projekt nicht, kosten wird es aber trotzdem.

Die Schulreform ist ein Murks – die Reform zu reformieren wird wieder Geld kosten. Und die schon arg strapazierten Nerven aller Beteiligten. Und die Kommunen m├╝ssen dringend entlastet werden – das wird ein ganz enorme Kraftanstrengung.

Und ob es mit der Wirtschaft in n├Ąchster Zeit gut l├Ąuft – wer wei├č? Fukushima hat Japan gel├Ąhmt, die Auswirkungen sind immer noch nicht ganz klar.

Und als w├Ąre das alles noch nicht genug, wird viel im gut geschmierten Baden-W├╝rttemberg nicht mehr “laufen” – denn ├╝berall, wo “Schwarze” sitzen, wird es Widerstand geben. Au├čer, man legt den Sumpf trocken. Auch das wird kosten.

Die gr├╝n-rote Regierung wird dabei enormen Gegenwind bekommen. Denn die vierte ├Âffentliche Macht, die Presse, ist eindeutig Teil des schwarzen Systems und muss Angst haben, als n├Ąchstes “dran zu sein”. N├Ąmlich dann, wenn die Menschen im Land erkennen, wie sie ├╝ber Jahrzehnte Informationen vorenthalten bekommen haben und an der Nase herumgef├╝hrt wurden.

Mehr Transparenz muss her

Deshalb muss nicht nur die Energieversorgung ver├Ąndert werden – auch die Infrastruktur der Meinungsbildung braucht einen Umbau. Hin zu mehr Transparenz und Ehrlichkeit. Und B├╝rgerbeteiligung.

Unsere Blogs bieten das. Aber nicht, um ein “gr├╝nes System” mit denselben Methoden zu st├╝tzen, wie das vorher “im schwarzen System” gelaufen ist. Wir bleiben kritisch, freuen uns aber auf eine Zusammenarbeit. Denn eigentlich kann es nur besser werden.

Unsere Redaktion wird den Gr├╝nen genauso auf die Finger schauen, wie wir das mit allen Parteien machen. Es gibt allerdings einen Vorteil – bislang haben die Gr├╝nen sich sehr transparent und gespr├Ąchsbereit gezeigt. Auch kritikbereit. Mal schauen, ob das so bleibt.

Denn die Arroganz der Macht kann jeden ├╝berw├Ąltigen, der nicht aufpasst.

Geprothmann: Gr├╝n-Rot hat gewonnen – und zwar einen Haufen Probleme


Rhein-Neckar/Stuttgart, 28. M├Ąrz 2011. (red) Noch im Abgang haben verschiedene CDU- und FDP-Vertreter demonstriert, warum sie abgew├Ąhlt worden sind. Wer W├Ąhlerinnen und W├Ąhler als “emotionalisiert” verunglimpft, zeigt, dass er nicht mehr ganz bei Verstand ist und zu recht in eine f├╝nfj├Ąhrige Nachdenkpause geschickt wird.

Von Hardy Prothmann

Die Arroganz der Macht hat die Wahl entschieden.

Mit pauschalen Urteilen ist das immer so eine Sache – man tut garantiert jemandem Unrecht. Denn es gibt sie nicht, die homogene Gruppe, in der alle gleich sind. Genausowenig wie es “die” L├Âsung gibt, die alle Probleme beseitigt.

Wo Du auch hingehst, ist schon ein Schwarzer da

Doch das haben CDU und FDP den Menschen lange vorgegaukelt. Sie haben gelogen und betrogen, was das Zeug h├Ąlt. Heute gesagt, was morgen nicht mehr gilt. Interessen bedient, die selten die der ganz allgemeinen W├Ąhlerinnen und W├Ąhler waren, so wie Du und ich.

Sondern die von m├Ąchtigen Konzernen. Und nat├╝rlich die des einzigartigen Netzwerkes, das sie gestrickt haben. “Wo Du auch hingehst, ist schon ein Schwarzer da”, hei├čt ein gefl├╝geltes Wort.

Wichtige ├ämter und Posten sind mit strategischen Parteibuchinhabern besetzt, “damit’s l├Ąuft in Baden-W├╝rttemberg”. Nat├╝rlich gibt es nur ein richtiges Parteibauch, naja und eins, das man auch akzeptiert. Rot oder gr├╝n durfte es auf keinen Fall sein.

Parteibuch-Karrieren

So entschied oft nicht die Kompetenz, wer einen Job erh├Ąhlt, sondern die Parteifarbe und der Wille, sich in dieses System einzugliedern.

Mit der Zeit degeniert so ein System. Bis die Menschen das merken, dauert es. Aber irgendwann merken sie es. “Alles super im L├Ąndle”, hat schon l├Ąngst niemand mehr wirklich geglaubt.

Wem da der Glaube abhanden gekommen ist, der wurde mit der Angst bei der Stange gehalten. Die Kommunisten-Angstmache geht immer. Gleich darauf folgt die Verarmungs-Angstmache. Dann die Bedeutungs-Angstmache. Dann die Bedrohungs-Angstmache.

Diffamierungsbrauchtum

Als Argument war jedes Mittel recht. Noch der hohlste Vergleich wurde als Beweis herangezogen. Und die grundanst├Ąndigen CDU-ler waren sich niemals zu fein, um zu diffamieren, was das Zeug h├Ąlt.

Die Diffamierung der Gr├╝nen als “Dagegen-Partei” war so etwas wie die Quinessenz des Schmutzwerfens.

Und sicher glauben die “Anstandstr├Ąger” qua Parteibuch noch nach der Wahlschlappe, dass das irgendwas mit der “Unanst├Ąndigkeit” der anderen zu tun hat. Und wenn die es nicht waren, dann sind es eben die W├Ąhler.

Zu doof zum Denken

Und die waren angeblich “emotionalisiert” – sprich: Zu doof zum Denken und nur ihren tempor├Ąren Gef├╝hlswallungen unterworfen, hei├čt das. Wer so ├╝ber Menschen redet, die nicht mit dem einverstanden sind, was man tut, der will diese Menschen auch nicht regieren und geh├Ârt – richtig: abgew├Ąhlt.

Die Alternative hat Winfried Kretschmann geboten: Er hat sich dazu bekannt, wo gegen er ist. Und er hat den Spie├č einfach umgedreht und auch gesagt “wof├╝r er ist”. Und der Ausstieg aus der Kernkraft ist das, was die Mehrheit im Land will.

Geradezu ekelerregend ist das “Argument”, Fukushima sei den Gr├╝nen doch “gerade recht gekommen”: “Des hawwe die doch schamlos ausgenutzt”, hat man nicht von wenigen geh├Ârt. Wer so schamlos solch dumme Behauptungen aufstellt, hat l├Ąngst jedes Schamgef├╝hl verloren.

Gr├╝ner Glaubw├╝rdigkeitsvorteil

Die Gr├╝nen haben einen absoluten Glaubw├╝rdigkeitsvorteil – sie fordern den Ausstieg schon seit 30 Jahren. Jetzt sind sie gew├Ąhlt und m├╝ssen sich ihrer Verantwortung stellen.

Und das wird eine schwere Aufgabe. Denn sie m├╝ssen den Dreck wegr├Ąumen, den andere ihnen hinterlassen haben. Das wird dauern und derweil werden die, die den Dreck verursacht haben, wieder ihre H├Ąme aussch├╝tten, weil die, die den Dreck nicht haben wollten, ihn nicht schnell genug beseitigen k├Ânnen.

Ein Haufen Drecksprobleme

Da sind zum einen die Atomkraftwerke von EnBW, die Baden-W├╝rttemberg “geh├Âren”. Der EnBW-Aktienr├╝ckkauf ist ├╝ber Schulden finanziert, die Atomenergie ist eine Cash-Cow f├╝r EnBW. Werden sie abgeschaltet, fehlen gut 400 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das dr├╝ckt die Dividende empfindlich – mit der sollten aber die Schulden abgebaut werden. Wie man aus diesem Dilemma rauskommt, hat noch keiner nachvollziehbar erkl├Ąren k├Ânnen.

Die Gr├╝nen haben nun einen Haufen Probleme zu beseitigen, sagt Hardy Prothmann. Bild: sap

Da ist Stuttgart21. Die Gr├╝nen wollen das Volk entscheiden lassen. So paradox es klingt. Das k├Ânnte f├╝r die Gr├╝nen eine “saubere L├Âsung” sein. Sollte es stimmen, dass mittlerweile eine Mehrheit daf├╝r ist, machen die Gr├╝nen mit der SPD zusammen den Volksentscheid, das Volk sagt ja und man ist fein raus. B├╝rgerbeteiligung versprochen, gehalten, akzeptiert.

Doch was, wenn es anders kommt? Dann drohen wieder enorme Sch├Ąden, durch bereits ausgegebene Gelder und Prozesse. Dann gibt es das Projekt nicht, kosten wird es aber trotzdem.

Die Schulreform ist ein Murks – die Reform zu reformieren wird wieder Geld kosten. Und die schon arg strapazierten Nerven aller Beteiligten. Und die Kommunen m├╝ssen dringend entlastet werden – das wird ein ganz enorme Kraftanstrengung.

Und ob es mit der Wirtschaft in n├Ąchster Zeit gut l├Ąuft – wer wei├č? Fukushima hat Japan gel├Ąhmt, die Auswirkungen sind immer noch nicht ganz klar.

Und als w├Ąre das alles noch nicht genug, wird viel im gut geschmierten Baden-W├╝rttemberg nicht mehr “laufen” – denn ├╝berall, wo “Schwarze” sitzen, wird es Widerstand geben. Au├čer, man legt den Sumpf trocken. Auch das wird kosten.

Die gr├╝n-rote Regierung wird dabei enormen Gegenwind bekommen. Denn die vierte ├Âffentliche Macht, die Presse, ist eindeutig Teil des schwarzen Systems und muss Angst haben, als n├Ąchstes “dran zu sein”. N├Ąmlich dann, wenn die Menschen im Land erkennen, wie sie ├╝ber Jahrzehnte Informationen vorenthalten bekommen haben und an der Nase herumgef├╝hrt wurden.

Mehr Transparenz muss her

Deshalb muss nicht nur die Energieversorgung ver├Ąndert werden – auch die Infrastruktur der Meinungsbildung braucht einen Umbau. Hin zu mehr Transparenz und Ehrlichkeit. Und B├╝rgerbeteiligung.

Unsere Blogs bieten das – neue Blogs entstehen. Aber nicht, um gr├╝ne Politik mit denselben Methoden zu st├╝tzen, wie das vorher “im schwarzen System” gelaufen ist.

Unsere Redaktion wird den Gr├╝nen genauso auf die Finger schauen, wie wir das mit allen Parteien machen. Es gibt allerdings einen Vorteil – bislang haben die Gr├╝nen sich sehr transparent und gespr├Ąchsbereit gezeigt. Auch kritikbereit. Mal schauen, ob das so bleibt.

Denn die Arroganz der Macht kann jeden ├╝berw├Ąltigen, der nicht aufpasst.

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. M├Ąrz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan ersch├╝ttert und enorme Zerst├Ârungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite “Ersch├╝tterungen” werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. W├Ąhrenddessen ist die Berichterstattung ├╝ber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" h├Ąlt einen Jungen", tr├Ągt ihn aus der Zone der chaotischen St├Ârung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerst├Ârung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und best├Ątigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen “glimpflichen Ausgang” der Tr├Ągodie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden sp├Ąter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein “enorm schwereres” Beben.

Einen Tag sp├Ąter ist es das “schwerste, je gemessene” Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen ersch├╝ttert hat und es sind “vermutlich” ├╝ber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden sp├Ąter sind es “m├Âglicherweise” mehr als 10.000 Tote – die K├╝stenstadt Minamisanriku sei “v├Âllig zerst├Ârt”.

Seit das Beben der St├Ąrke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. M├Ąrz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan ersch├╝ttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerst├Ârung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das ausl├Âsende gro├če Beben ist vorbei, Nachbeben ersch├╝ttern das Land.

Und die f├╝rchterlichste Katastrophe l├Ąuft langsam, aber “sicher” ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine “Kernschmelze”.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen “Probleme” haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst hei├čt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es g├Ąbe gr├Â├čere Sch├Ąden, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind nat├╝rlich “unvermutet”.

Alles, was nach “echten Schwierigkeiten” klingen k├Ânnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird best├Ątigt, dass Fukushima “m├Âglicherweise au├čer Kontrolle” sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bev├Âlkerung wird zur “Ruhe” aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubw├╝rdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, sp├Ąter auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen “in Sicherheit” gebracht, also vermutlich evakuiert w├╝rden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es “vermutlich” 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: “Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.”

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit f├╝r die Menschen in den betroffenen Gebieten.

├ťberall laufen Videobilder: Menschen werden auf “radioktive Konterminierung” gepr├╝ft und d├╝rfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten M├╝llw├╝sten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt “Durchhalteparolen” d├╝rfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan ersch├╝tterte, wird zun├Ąchst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare Sch├Ąden ausgel├Âst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerst├Ârerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine nat├╝rliche Zerst├Ârungsgewalt, die bar jeder “Ideologie” ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein “gut” oder “schlecht”, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitrei├čen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist besch├Ądigt. Die K├╝hlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der m├Âglichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht “sicher” sind.

Die Hoffnung ist zu sp├╝ren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der “aufgezeichneten” Geschichte Japans ist, aber die sich ank├╝ndigende technische Katastrophe noch “schlimmer” sein k├Ânnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine “Sicherheitszone” eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - ├╝berall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg daf├╝r herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen “in Sicherheit” gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das “logistisch” in einem Land m├Âglich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gest├Ârt wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen “aufzufangen”.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort “bearbeitet” und verl├Ąsst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann m├╝ssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die “neueste” Nachricht, die “letzte Meldung”.

Doch die Zeitverschiebung verst├Ąrkt das Chaos – Europa ist acht Stunden “hinter” Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: “Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand ├╝berpr├╝fen. Solange das nicht “gecheckt” ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.” Oder: “Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. ├ťber die Zuverl├Ąssigkeit k├Ânnen wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.”

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit f├╝r Nachrichten.

Nach und nach “verdichten” sich aber die Nachrichten und es wird immer “klarer”, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine G├╝ltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der H├Ârfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den “Flow”, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterf├╝hren.

Voranschreitendes Ungl├╝ck f├╝r Tageszeitungen.

F├╝r die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes Ungl├╝ck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon l├Ąngst “vergl├╝ht” und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind “doppelt getroffen” – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie k├Ânnen nur abschreiben, was “die Agenturen” berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller “Nachrichtenredaktionen”.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von “Stunden” 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind “in Sicherheit gebracht” und “schlucken Jod-Tabletten”, damit sich kein radioaktives Jog in deren Schilddr├╝se einlagert.

Die Bilder, wo diese “200.000 Menschen” untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

├ťber Gro├čveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen ├╝ber Monate im voraus berichtet, ├╝ber die Herausforderungen f├╝r den Verkehr, die Polizei, die Rettungskr├Ąfte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, w├Ąhrend die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand wei├č, was er tut. Es geht um einen “Halt” im Tsunami der sich ├╝berschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine “Turnhalle” und ein “Zeltunterstand” mit Bildern von “Kontrolleuren” in vermeintlichen Maler-Papieranz├╝gen gezeigt, mit der Bildaussage, das “alles unter Kontrolle” ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

Sp├Ątestens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr “unter Kontrolle” ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um “die besten Bilder” ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die “Nachrichten” der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch “unglaublicher als unglaublich” sein wird.

Die Informationen werden ersch├╝tternd sein – f├╝r Weltbilder, f├╝r die Wirtschaft, f├╝r die Politik, f├╝r den Glauben an die “Zukunft” – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

├ťber die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls “unglaublich” sein.

Bis man sie glauben muss.

In eigener Sache: Der Journalismus und die Werbung der Zukunft


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Berlin, 04. M├Ąrz 2011. Der Ausschuss -ÔéČ╦ťKultur und Medien-ÔéČÔäó des Bundestages hatte vergangene Woche zum Thema ÔÇťZukunft des Qualit├Ątsjournalismus-ÔéČ┬Ł geladen. Verschiedene Medienexperten stellten ihre These zum Thema vor. Darunter Wolfgang Blau, Chefredakteur von “Zeit online”. Wir dokumentieren seinen Vortrag.

Wolfgang Blau, Chefredakteur von zeit.de. Quelle: Bundestag via carta.info

Wolfgang Blau ist ein geachteter und gesch├Ątzter Kollege, der mit zeit.de ein sehr gutes journalistisches Qualit├Ątsangebot im Internet macht, dass auch von uns bei Recherchen immer wieder besucht wird – aber auch, um sich ganz allgemein als “Leser” zu informieren.

Vor dem Ausschuss Kultur und Medien des Bundestages hat Herr Blau sieben “Mythen” vorgestellt. Alles, was Herr Blau dort vortr├Ągt, unterst├╝tzen wir nicht nur, sondern erkennen darin unsere Arbeit wieder. Vor allem die Aussagen, mit denen Herr Blau die sieben Mythen enttarnt. Diese Aussagen sind zum gro├čen Teil Basis unserer Arbeit.

Herr Blau ist dabei sehr offen und damit ein Vorbild. Er wei├čt darauf hin, dass Blogs die Arbeit der klassischen Medien bereichern. Er wei├čt auch darauf hin, dass das Internet ein riesiger Wissenschaftsraum ist und dass es zwei Strategien gibt, dort als Medium aufzutreten: Boulevardisiert, um “Masse” zu machen oder hintergr├╝ndig, um eine f├╝r die Werbekunden ├Ąu├čerst interessante Klientel zu erreichen: die gut informierten B├╝rger.

Wenn Sie als LeserIn oder Unternehmer an Internetmedien und dem Medienmarkt interessiert sind, nehmen Sie sich die sieben Minuten Zeit f├╝r dieses Interview: Sie werden gute und richtige Informationen erhalten.

Herr Blau bezeichnet das alte Mediensystem als eines der Industrialisierung und k├╝ndigt an, dass dies die besten Tage hinter sich hat – der Journalismus und damit auch die Zukunft der Werbung wird ein anderes System sein.

Daran arbeiten wir mit. Und auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind Teil des neuen, entstehenden Systems. Weil Sie uns Ihre Aufmerksamkeit schenken, weil Sie sich mit Kommentaren und Informationen einbringen.

Das gilt auch f├╝r unsere Werbepartner, die verstanden haben, dass die Online-Welt zunehmend wichtiger wird, um wahrgenommen zu werden und dass sich die Menschen hier anders vernetzen, als das jemals zuvor m├Âglich war.

Wenn Sie Fragen an die Redaktion haben, schreiben Sie uns: redaktion (at) rheinneckarblog.de. Oder folgen Sie uns bei Twitter oder Facebook (siehe rechte Seitenspalte).

Wolgang Blau: Die sieben Branchenmythen zum Zustand des Journalismus from Carta on Vimeo.

Anmerkung: Besten Dank an carta.info, die die Aufzeichnung dokumentiert haben. Der Bericht bei carta.info (├╝brigens eine herausragende Politikseite) finden Sie hier.

Geprothmannt: Mit “klassischen Medien” werden Sie aus zweiter Hand informiert. Pr├Ądikat: “mangelhaft”.


Guten Tag!

07. Februar 2011. Haben Sie mitbekommen, dass in der arabischen Welt eine Revolution stattfindet? Ja? Wie haben Sie sich dar├╝ber informiert? ├ťber ARD und ZDF? In Ihrer lokalen Tageszeitung? Dann sind Sie leider vermutlich sehr schlecht informiert. Oder haben Sie sich online informiert? Dann k├Ânnten Sie besser informiert sein, wenn Sie die richtigen Quellen kennen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich in Deutschland ├╝ber die Revolution in den arabischen Staaten informieren m├Âchte, ist denkbar schlecht beraten, wenn er daf├╝r ARD und ZDF oder “seine Zeitung” benutzt und darauf vertraut, umfassend, hintergr├╝ndig und aktuell informiert zu werden.

Informationen? Klar – gibts im Ausland.

Tatsache ist: Man ist viel besser informiert, wenn man die Programme von Al Jazeera, CNN oder BBC einschaltet. Oder die Berichterstattung der amerikanischen New York Times, der spanischen El Pais, der franz├Âsischen Le Monde oder des britischen Guardian verfolgt.

Das Problem dabei ist: Man muss schon einigerma├čen gut Englisch k├Ânnen, um die Nachrichten der Sender und Zeitungen zu verfolgen. Oder ausreichend Spanisch oder Franz├Âsisch. Gute arabische Sprachkenntnisse w├Ąren noch mehr von Vorteil – denn dann k├Ânnte man viele Originalmeldungen verstehen.

Begrenzte Globalisierung.

Das gr├Â├čte Problem: Wenn man das nicht kann, ist man auf die Angebote von ARD und ZDF oder der Lokalzeitungen im wahrsten Sinne des Wortes “begrenzt” – und das in Zeiten der Globalisierung.

Sie k├Ânnen sicher davon ausgehen, dass weder der Mannheimer Morgen, noch die Rhein-Neckar-Zeitung und schon gar nicht die Weinheimer Nachrichten irgendeine eigene redaktionelle Leistung zur Lage anbieten wollen oder k├Ânnen. Was Sie auf den Titelseiten lesen, sind ganz ├╝berwiegend “Agenturmeldungen”.

Die erscheinen auch in Dutzenden anderen Zeitungen. 1:1. Das sind Berichte, die wie industriell gefertigte Tielk├╝hlpizzen vervielf├Ąltigt werden. Ohne “eigenes Rezpt”, ohne eigene “Experten”, ohne eine eigenst├Ąndige Leistung der jeweiligen Redaktion.

Vor Ort ist immer lokal.

Unser Anspruch ist die lokale und regionale Berichterstattung – aber immer, wenn die Nachrichtenlage es erfordert, bringen wir auch die “Weltnachrichten” zu unseren Leserinnen und Lesern. Denn wir alle leben vor Ort, interessieren uns aber auch daf├╝r, was woanders passiert.

Hardy Prothmann schreibt seine Meinung auf. Die ist "geprothmannt". Bild: sap

Unser Interview mit Christoph Maria Fr├Âhder, einem der erfahrensten und besten deutschen Krisenreporter der vergangenen Jahrzehnte auf dem Rheinneckarblog hat Wellen geschlagen. ARD und ZDF waren “not amused” ├╝ber die klaren Worte und die eindeutige Kritik. “Intern” haben wir erfahren, dass das ZDF “stinksauer” auf uns ist.

“So what”, sagen wir und sind ebenfalls “stinksauer” – ├╝ber die unzureichende und schlechte Berichterstattung der mit Milliarden an GEZ-Geb├╝hren “gepamperten” Sender, von denen wir und unsere Leserinnen und Leser zu Recht mehr als diese schwachen Leistungen erwarten.

├ťber das Interview mit Herrn Fr├Âhder hinaus haben wir uns um exklusive Nachrichten bem├╝ht und “berichten” anders, als das ├Âffentlich-rechtliche Sender und Zeitungen tun. Wir verlinken Quellen und kommentieren diese auf Facebook und Twitter. Zwei Internet-Dienste, die mit daf├╝r verantwortlich gemacht werden, dass die “arabische Revolution” gegen den Terror und die Diktaturen ├╝berhaupt m├Âglich geworden ist.

Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen den arabischen L├Ąndern und Deutschland. Wer sich hier wie dort auf die “klassischen Medien” verl├Ąsst, erh├Ąlt immer nur gefilterte Nachrichten.

Zweifel an der Qualit├Ąt m├╝ssen immer m├Âglich sein.

ARD und ZDF sind ebenso wie Lokalzeitungen sicherlich nicht mit der Rolle von staatlich gesteuerten Medien in Diktaturen zu vergleichen – aber man darf durchaus Zweifel an der Qualit├Ąt ihrer Produkte haben. Vor allem dann, wenn man vergleicht, was das Produkt, in diesem Fall Journalismus, leistet.

W├╝rde man den Journalismus vieler deutscher Medien mit der Autoindustrie vergleichen, st├Ąnde unumst├Â├člich fest, dass deutsche Medien deutlich weniger Komfort, Leistung, Innovation bieten als “ausl├Ąndische Anbieter”, dass das Preis-Leistungsverh├Ąltnis ebenso wie die “Pannenstatistik” und auch der “Service” katastrophal sind und unterm Strich einfach nur ein “mangelhaft” ├╝brig bleibt.

Das gilt selbst f├╝r den “gelben Faktor”, also die so genannte “Yellow-Press”. Alle interessanten “Nachrichten” und “Infos”, die man hierzu in Deutschland lesen kann, sind nur ein “Ab-“Klatsch internationaler Meldungen und werden in Deutschland “wiederverwertet”. Ausnahmen liefern ab und an Bild und Bunte, die “Promis” aus der vorletzten Reihe irgendwie “interessant” machen.

Die Umbr├╝che in der arabischen Gesellschaft zeigen einen desastr├Âsen Zustand des deutschen Journalismus. Wo lesen, h├Âren, sehen Sie die Berichte von vor Ort ├╝ber das, was Muslime hier erleben, wenn diese die Nachrichten in Tunesien und ├ägypten verfolgen? Wo sind die Berichte, wie Deutschland sich mit seiner weltweit einzigartigen “Erfindung” des Mauerfalls als Partner f├╝r europ├Ąische Nachbarl├Ąnder (und das sind alle Mittelmeer-Anreiner-Staaten) einsetzen k├Ânnte?

Geduld? hat die Welt nicht mehr.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel diskreditiert sich v├Âllig, wenn sie zur “Geduld” mit einem Diktator wie Husni Mubarak aufruft. ├ťbersetzt hei├čt das: “Habt Geduld mit mir, denn ich habe keine Ahnung, wie ich mit der Situation umgehen soll.”

Was haben Tunesien und Ägypten nun mit unserer lokalen und regionalen Berichterstattung zu tun?

Sehr viel mehr, als heute, hier und jetzt auf den ersten Blick klar sein mag.

Zuk├╝nftig werden Entscheidungen und Entwicklungen, die in Bayern oder Schleswig-Holstein fallen, auch in Nordbaden ein Rolle spielen.

Warum? Weil man hier vor Ort erfahren kann, was dort vor Ort passiert oder passiert ist.

Facebook und Twitter schaffen Demokratie. Absurd? Nein. Real.

Man kann diese Informationen verwenden, um den Schaden, der woanders entstanden ist, abzuwenden. Und noch viel besser: Man kann das, was woanders gut oder sehr gut “gelaufen ist” einfach ├╝bernehmen. Gut informiert – mit allen “problematischen” und allen “positiven” Erfahrungen.

Das ist ein Erfolg der “Facebook”-Generation, der freien Medien oder auch nur der “Handy-Revolution”, wie Beobachter ├ägypten einordnen. Man verbindet sich, man kommuniziert miteinander, man tauscht sich aus, man hat mehr als eine Quelle der Information.

Das ist die Basis f├╝r friedliche “Revolutionen” – die ├Ągyptischen Regime-Gegner sind nicht als Brandschatzer und Gewaltverbrecher aufgefallen, sondern durch ihren Willen zur Demokratie – sehr zur Verwirrung “gepr├Ągter” Meinungen, die sich schwer tun, eine Muslim-Bruderschaft als notwendige Organisation anzuerkennen.

Das ist neu, das ist einzigartig, das gibt Hoffnung.

Von den Medien darf man erwarten, dass sie Mubarak einen alten Mann sein lassen. Der 82-j├Ąhrige Diktator soll sich in Heidelberg behandeln lassen d├╝rfen. Egal, was das kostet. G├Ânnen wir ihm den “goldenen Abgang” – der Mann ist so reich und hat sein Volk so sehr betrogen. Bringt irgendein “Tribunal” eine Besserung f├╝r seine “Untaten”?

Eher nicht.

Tunesien und ├ägypten sind beliebte Reisel├Ąner der Deutschen – und mal ganz ehrlich? Lohnt es sich nicht, f├╝r einen entspannten Urlaub unter afrikanischer Sonne, ein wenig f├╝r Demokratie, gerechte L├Âhne und stabile Verh├Ąltnisse einzutreten?

Der “Service” w├╝rde sicher davon profitieren. Oder auch unserer aller Bekenntnis zur Demokratie.

Deswegen: Nutzen Sie die neue Medien. Verfolgen Sie, was passiert.

Schreiben Sie Ihre Meinung auf. Schreiben Sie an die Programmbeir├Ąte von ARD und ZDF. Stellen Sie Forderungen. Schreiben Sie an die Zeitungen und fordern Sie mehr Informationen.

Die Menschen in Ägypten und Tunesien und anderswo tun das auch. Weil sie gerne in einer freiheitlichen Ordnung leben würden.

Diese Menschen gehen dabei ein hohes Risiko ein – wir haben die M├Âglichkeit, ohne Risiko f├╝r Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einzutreten.

Tun wir das nicht, w├Ąchst das Risiko, dass wir das irgendwann nicht mehr ohne Risiko k├Ânnen.

Anmerkung der Reaktion:
Unsere “allererste” Aufgabe, die lokale Berichterstattung mag etwas “gelitten” haben – wir hoffen, Sie sehen uns das nach, angesichts der Belastung. Wir sind nur ein kleines Team. Sie k├Ânnen sicher sein, dass wir an den Themen vor Ort dranbleiben.

“Geprothmannt” erscheint im Wechsel mit anderen Kolumnen immer montags.