Freitag, 25. April 2014

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Pfarrer Heiner Gladbach ĂŒber sein neues Leben

Mit dem Herzen bei den Menschen sein

Heddesheim/Ladenburg, 30. MĂ€rz 2012. (red) Ende 2010 hat Heiner Gladbach die katholische Seelsorgeeinheit Ladenburg-Heddesheim verlassen – er hatte gegen den Zölibat verstoßen und musste sich zwischen Partner und Kirchendienst entscheiden. Erstmals Ă€ußert sich Herr Gladbach öffentlich ĂŒber die damalige Zeit und sein neues Leben in der NĂ€he von Dresden. Das Interview ist auf Initiative mehrerer Leserinnen und Leser zustande gekommen, die nachgefragt haben, ob wir herausfinden können, wie es “ihrem” Pfarrer wohl geht.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Gladbach, wie geht’s Ihnen?

Heiner Gladbach: Sehr gut, danke.

Unsere Leser interessieren sich, was aus Ihnen geworden ist. Wo leben Sie jetzt?

Gladbach: In einem kleinen Ort mit 100 Seelen in der NĂ€he von Dresden.

Heiner Gladbach lebt heute in der NĂ€he von Dresden. Bild: privat

Seit Sie Heddesheim verlassen haben?

Gladbach: Ja, ich habe mir direkt eine Wohnung gesucht und eine gefunden, die mir sehr gefĂ€llt. Hier fĂŒhle ich mich sehr wohl.

Aber Sie sind kein Pfarrer mehr?

Gladbach: Ich bin als Pfarrer vom Dienst suspendiert.

Ich darf mein Amt nicht mehr ausĂŒben.

Das heißt?

Gladbach: Ich bin immer noch katholischer Priester, darf aber dieses Amt nicht mehr ausĂŒben. Mir ist jede priesterliche Amtshandlung, beispielsweise eine Messe zu halten, untersagt worden.

Ärgert Sie das?

Gladbach: Nein – im privaten Bereich aus meinem Umfeld, nicht aus den Gemeinden Heddesheim und Ladenburg, gab es Ă€rgerliche Dinge, auf die mein Bischof reagieren musste. DafĂŒr habe ich vollstes VerstĂ€ndnis. Ihm blieb keine Wahl, allerdings mir und ich habe mich entschieden.

Entscheidung fĂŒr den Partner

Sie leben in einer Beziehung?

Gladbach: Ja, ich lebe hier mit meinem Partner zusammen.

DarĂŒber wurde spekuliert.

Gladbach: Ja, ich weiß. In meinem jetzigen Leben kann ich das frei heraus sagen, dass ich homosexuell orientiert bin. Übrigens weiß ich das, seit ich achtzehn Jahre alt bin.

Ein schwieriges Leben fĂŒr einen katholischen Priester.

Gladbach: Ach so schwer war das nicht. Ich habe, so gut es ging, beide Leben nebeneinander gefĂŒhrt. Dann wurde das auf sehr aggressive Weise angezeigt und hatte nach der katholischen Rechtsauffassung Konsequenzen. FĂŒr mich auch die, mich nicht mehr erpressbar zu fĂŒhlen.

Gute GesprÀche

Uns wird allgemein zugetragen, dass man Ihre Arbeit hier sehr geschÀtzt hat. Ist es nicht sehr Àrgerlich, dass Sie wegen des Zölibats nach so langer Zeit aufhören mussten?

Gladbach: Ich möchte der Kirche und anderen keine VorwĂŒrfe machen. Das sind die geltenden Kirchengesetze, auch wenn ich persönlich den Zölibat fĂŒr absolut ĂŒberholt halte. Ich habe gegen diese Gesetz verstoßen und muss mit den Konsequenzen leben.

Wovon leben Sie heute?

Gladbach: Ich habe mich als „freier Redner“ selbststĂ€ndig gemacht, begleite Trauernde und kĂŒmmere mich um Asylbewerber. Es gab zudem eine Einigung mit der Kirche und der Rentenausgleich wurde gemacht. Hier möchte ich betonen, dass die GesprĂ€che, sowohl mit dem Personalreferenten, wie auch mit meinem Bischof, sehr gut und freundlich waren.

Sie arbeiten also immer noch mit Menschen.

Gladbach: Das ist mir auch sehr wichtig – das ist mein Beruf und Teil meines Lebens, der intensive, vertrauensvolle Umgang mit Menschen. Ich mochte schon immer bei den Menschen sein oder wie ich in meiner ersten Predigt in Heddesheim sagte: Ich möchte mein Herz bei den Herzen der Menschen haben.

Neuer Lebensabschnitt nach 24 Jahren

Vermissen Sie Heddesheim, Ladenburg und den Gottesdienst? Immerhin haben Sie hier 24 Jahre lang als Priester gewirkt.

Gladbach: Ich habe eine neue Heimat gefunden und eine Gemeinde, wo ich selbst regelmĂ€ĂŸig am Gottesdienst teilnehme. Der Pfarrer kennt ĂŒbrigens meine Geschichte. Mit Heddesheim fĂŒhle ich natĂŒrlich verbunden und habe nach wie vor gute und innige Kontakte. Meist telefonisch, aber ab und an bin ich auch vor Ort und treffe dann liebe Menschen. Es war eine intensive und gute Zeit in Heddesheim – aber dieser Lebensabschnitt ist vorbei. Wobei ich mich auch regelmĂ€ĂŸig ĂŒber das Heddesheimblog informiere, um zu wissen, was in Heddesheim gerade Thema ist.

Wie haben die Menschen reagiert, als herauskam, dass Sie einen Partner haben?

Gladbach: Einige wussten das und haben das verstanden. Ich denke, vielen ist das nicht so wichtig und es gab einige wenige, die mir im Nachhinein deswegen nicht gut waren. Wichtig sind mir der innere Friede und ĂŒber alle die, von denen ich Zuneigung oder VerstĂ€ndnis erfahren habe, bin ich sehr froh. Hier möchte ich mich besonders bei dem PGR-Vorsitzenden Petrus van Nunen bedanken, der mir in dieser schweren Zeit sehr zur Seite gestanden ist. Der FrĂŒhjahr und Sommer 2010 war sicherlich fĂŒr viele bewegend, ist aber nun vergleichsweise lange vorbei.

Schaut nach vorne!

Gibt es etwas, dass Sie an die Heddesheimer ĂŒbermitteln wollen, die sich bei uns nach Ihnen erkundigt haben?

Gladbach: Ja, ich möchte allen danken, die meinen Schritt nicht verstehen können oder konnten, aber akzeptiert haben. Heddesheim und die Seelsorgeeinheit Ladenburg-Heddesheim werden immer ein wichtiger und schöner Teil meines Lebens bleiben. Und den Katholiken in Heddesheim und Ladenburg möchte ich sagen: Schaut nach vorne. Jede VerĂ€nderung birgt auch Chancen, auch wenn man sie nicht direkt sieht. Wenn ich eines sicher weiß: Gott geht jeden Weg, und sei er noch so schwer, mit. Aber gehen mĂŒssen wir ihn selber.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • Martin Wilhelm Leidig

    [
] hatte nach der katholischen Rechtsauffassung Konsequenzen

    Wie kann es eigentlich angehen, dass eine religiöse Gruppierung sich auf ein Privatrecht berufen darf, das den grundlegenden Gesetzen des Staates, der diese Gruppierung beherbergt und finanziert, grob zuwiderlĂ€uft? Wie kann es sein, dass so eine Sekte NĂ€chstenliebe, Vergebung und was fĂŒr Tugenden auch immer predigt, aber gegenĂŒber ihren eigenen unteren RĂ€ngen das Gegenteil praktiziert? Wie kann es sein, dass die Bundesrepublik Deutschland eine derartige Gruppierung mit ca. 9 Milliarden Euro pro Jahr finanziert?

  • Martin Wilhelm Leidig

    Nebenbei bermerkt, werter Admin des Ladenburgblogs: Eure Rechneruhr geht eine Stunde nach: es ist jetzt genau piep piep pieeeeep 2.20 Uhr.