Freitag, 29. August 2014

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Pfarrer Heiner Gladbach ĂĽber sein neues Leben

Mit dem Herzen bei den Menschen sein

Heddesheim/Ladenburg, 30. März 2012. (red) Ende 2010 hat Heiner Gladbach die katholische Seelsorgeeinheit Ladenburg-Heddesheim verlassen – er hatte gegen den Zölibat verstoĂźen und musste sich zwischen Partner und Kirchendienst entscheiden. Erstmals äuĂźert sich Herr Gladbach öffentlich ĂĽber die damalige Zeit und sein neues Leben in der Nähe von Dresden. Das Interview ist auf Initiative mehrerer Leserinnen und Leser zustande gekommen, die nachgefragt haben, ob wir herausfinden können, wie es “ihrem” Pfarrer wohl geht.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Gladbach, wie geht’s Ihnen?

Heiner Gladbach: Sehr gut, danke.

Unsere Leser interessieren sich, was aus Ihnen geworden ist. Wo leben Sie jetzt?

Gladbach: In einem kleinen Ort mit 100 Seelen in der Nähe von Dresden.

Heiner Gladbach lebt heute in der Nähe von Dresden. Bild: privat

Seit Sie Heddesheim verlassen haben?

Gladbach: Ja, ich habe mir direkt eine Wohnung gesucht und eine gefunden, die mir sehr gefällt. Hier fühle ich mich sehr wohl.

Aber Sie sind kein Pfarrer mehr?

Gladbach: Ich bin als Pfarrer vom Dienst suspendiert.

Ich darf mein Amt nicht mehr ausĂĽben.

Das heiĂźt?

Gladbach: Ich bin immer noch katholischer Priester, darf aber dieses Amt nicht mehr ausĂĽben. Mir ist jede priesterliche Amtshandlung, beispielsweise eine Messe zu halten, untersagt worden.

Ă„rgert Sie das?

Gladbach: Nein – im privaten Bereich aus meinem Umfeld, nicht aus den Gemeinden Heddesheim und Ladenburg, gab es ärgerliche Dinge, auf die mein Bischof reagieren musste. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Ihm blieb keine Wahl, allerdings mir und ich habe mich entschieden.

Entscheidung fĂĽr den Partner

Sie leben in einer Beziehung?

Gladbach: Ja, ich lebe hier mit meinem Partner zusammen.

DarĂĽber wurde spekuliert.

Gladbach: Ja, ich weiĂź. In meinem jetzigen Leben kann ich das frei heraus sagen, dass ich homosexuell orientiert bin. Ăśbrigens weiĂź ich das, seit ich achtzehn Jahre alt bin.

Ein schwieriges Leben fĂĽr einen katholischen Priester.

Gladbach: Ach so schwer war das nicht. Ich habe, so gut es ging, beide Leben nebeneinander gefĂĽhrt. Dann wurde das auf sehr aggressive Weise angezeigt und hatte nach der katholischen Rechtsauffassung Konsequenzen. FĂĽr mich auch die, mich nicht mehr erpressbar zu fĂĽhlen.

Gute Gespräche

Uns wird allgemein zugetragen, dass man Ihre Arbeit hier sehr geschätzt hat. Ist es nicht sehr ärgerlich, dass Sie wegen des Zölibats nach so langer Zeit aufhören mussten?

Gladbach: Ich möchte der Kirche und anderen keine Vorwürfe machen. Das sind die geltenden Kirchengesetze, auch wenn ich persönlich den Zölibat für absolut überholt halte. Ich habe gegen diese Gesetz verstoßen und muss mit den Konsequenzen leben.

Wovon leben Sie heute?

Gladbach: Ich habe mich als „freier Redner“ selbstständig gemacht, begleite Trauernde und kümmere mich um Asylbewerber. Es gab zudem eine Einigung mit der Kirche und der Rentenausgleich wurde gemacht. Hier möchte ich betonen, dass die Gespräche, sowohl mit dem Personalreferenten, wie auch mit meinem Bischof, sehr gut und freundlich waren.

Sie arbeiten also immer noch mit Menschen.

Gladbach: Das ist mir auch sehr wichtig – das ist mein Beruf und Teil meines Lebens, der intensive, vertrauensvolle Umgang mit Menschen. Ich mochte schon immer bei den Menschen sein oder wie ich in meiner ersten Predigt in Heddesheim sagte: Ich möchte mein Herz bei den Herzen der Menschen haben.

Neuer Lebensabschnitt nach 24 Jahren

Vermissen Sie Heddesheim, Ladenburg und den Gottesdienst? Immerhin haben Sie hier 24 Jahre lang als Priester gewirkt.

Gladbach: Ich habe eine neue Heimat gefunden und eine Gemeinde, wo ich selbst regelmäßig am Gottesdienst teilnehme. Der Pfarrer kennt übrigens meine Geschichte. Mit Heddesheim fühle ich natürlich verbunden und habe nach wie vor gute und innige Kontakte. Meist telefonisch, aber ab und an bin ich auch vor Ort und treffe dann liebe Menschen. Es war eine intensive und gute Zeit in Heddesheim – aber dieser Lebensabschnitt ist vorbei. Wobei ich mich auch regelmäßig über das Heddesheimblog informiere, um zu wissen, was in Heddesheim gerade Thema ist.

Wie haben die Menschen reagiert, als herauskam, dass Sie einen Partner haben?

Gladbach: Einige wussten das und haben das verstanden. Ich denke, vielen ist das nicht so wichtig und es gab einige wenige, die mir im Nachhinein deswegen nicht gut waren. Wichtig sind mir der innere Friede und über alle die, von denen ich Zuneigung oder Verständnis erfahren habe, bin ich sehr froh. Hier möchte ich mich besonders bei dem PGR-Vorsitzenden Petrus van Nunen bedanken, der mir in dieser schweren Zeit sehr zur Seite gestanden ist. Der Frühjahr und Sommer 2010 war sicherlich für viele bewegend, ist aber nun vergleichsweise lange vorbei.

Schaut nach vorne!

Gibt es etwas, dass Sie an die Heddesheimer ĂĽbermitteln wollen, die sich bei uns nach Ihnen erkundigt haben?

Gladbach: Ja, ich möchte allen danken, die meinen Schritt nicht verstehen können oder konnten, aber akzeptiert haben. Heddesheim und die Seelsorgeeinheit Ladenburg-Heddesheim werden immer ein wichtiger und schöner Teil meines Lebens bleiben. Und den Katholiken in Heddesheim und Ladenburg möchte ich sagen: Schaut nach vorne. Jede Veränderung birgt auch Chancen, auch wenn man sie nicht direkt sieht. Wenn ich eines sicher weiß: Gott geht jeden Weg, und sei er noch so schwer, mit. Aber gehen müssen wir ihn selber.

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Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Martin Wilhelm Leidig

    […] hatte nach der katholischen Rechtsauffassung Konsequenzen

    Wie kann es eigentlich angehen, dass eine religiöse Gruppierung sich auf ein Privatrecht berufen darf, das den grundlegenden Gesetzen des Staates, der diese Gruppierung beherbergt und finanziert, grob zuwiderläuft? Wie kann es sein, dass so eine Sekte Nächstenliebe, Vergebung und was für Tugenden auch immer predigt, aber gegenüber ihren eigenen unteren Rängen das Gegenteil praktiziert? Wie kann es sein, dass die Bundesrepublik Deutschland eine derartige Gruppierung mit ca. 9 Milliarden Euro pro Jahr finanziert?

  • Martin Wilhelm Leidig

    Nebenbei bermerkt, werter Admin des Ladenburgblogs: Eure Rechneruhr geht eine Stunde nach: es ist jetzt genau piep piep pieeeeep 2.20 Uhr.