Mittwoch, 19. Juni 2013

« »
Diskussion zur "unechten Einbahnstraße"

“Hier prallen Meinungen aufeinander”

Meinugsaustausch im Domhof zur "unechten Einbahnstraße". Foto: Ladenburgblog.

Ladenburg, 26. Juli 2012. (red/sap) Knapp 90 Bürgerinnen und Bürger hatten sich gestern im Domhof eingefunden, um mit der Ladenburger Stadtverwaltung über die “unechte Einbahnstraße” zu diskutieren. Viele Argumente der Gegner und Fürsprecher waren verständlich, eine Lösung sollte und konnte nicht gefunden werden.

Von Sabine Prothmann

Die Verkehrssituation in der Ladenburger Altstadt ist ein hochbrisantes kommunalpolitisches Dauerthema, sagte gestern Bürgermeister Rainer Ziegler bei der Bürgeranhörung zu der “Unechten Einbahnstraße”.

Die Ladenburger Verwaltung habe die Gemeinderäte, die Mitglieder des BdS, des Tourismus- und Gastrovereins, die Anwohner der Altsstadt sowie interessierte Bürger eingeladen, um deren Meinungen kennen zu lernen:

Hier prallen Meinungen aufeinander.

Am 25. Mai 2011 hatte der Ladenburger Gememeinderat den Beschluss gefasst, für ein Jahr auf Probe in der Altstadt das Sytem einer “unechten Einbahnstraße” einzuführen.

Das Jahr ist jetzt vorbei und nun sollen die Bürger über ihre Erfahrungen berichten. “Wir wollen offen sein”, sagte der Bürgermeister. Das “Für und Wider” soll dargestellt und eine Bilanz soll jetzt gezogen werden, wobei, wie Ziegler einräumte:

Jeder zieht seine eigene, sujektive Bilanz, und das ist nicht wertend zu verstehen.

Objektiv wurden Verkehrszählungen und -erhebungen durchgeführt.

Ein Jahr auf Probe: Die “unechte Einbahnstraße”

Die permanente “unechte Einbahnstraße” – ein Unwort, wie der Bürgermeister betonte – regelt den Verkehr in der Hauptstraße und in der Kirchenstraße.

Es gibt ein Einfahrtsverbot in alle Straßen der Altstadt von Samstag 14:00 Uhr bis Montag 7:00 Uhr sowie an Feiertagen, mit Ausnahme der Anlieger.

Zudem gibt es ein Einfahrtsverbot und ein “Anlieger frei” von der Kirchenstraße in die Neugasse sowie ein Einfahrtshindernis in Form von Pollern am Neckartorplatz und am Schrießheimer Tor.

“Unecht” sei die Einbahnstraße, da man an manchen Stellen auch in die Gegenrichtung fahren kann, denn anders sei es für viele Anwohner der Altstadt nicht möglich in ihre Einfahrten zu kommen, erklärte Ziegler. An drei Stellen gibt es in der Altstadt Einfahrtsverbote und ansonsten “muss man nur den Verkehrsschildern folgen”.

Eine Verkehrszählung im Mai diesen Jahres hat ergeben, dass an mehren Stellen der Altstadt, am Alten (1995: 1900 KFZ / 2012: 780) und am Neuen Rathaus (1995: 2600 KFZ / 2012: 1467) und an der Tränke, der Verkehr deultich abgenommen habe, nur am Kirchenvorplatz (1995: 800 / 2011: 396 / 2012: 552) habe der Verkehr wieder sehr deutlich, und zwar um 37 Prozent innerhalb eines Jahres, zugenommen.

Falschfahrer gab es am Tag der Verkehrserhebung 2012 in der Altstadt 6 bis 8 und in die Neugasse seien 148 KFZ eingefahren, wobei nicht erhoben wurde, ob es sich dabei um Anlieger oder Fahrer, die eine Abkürzung genommen haben, handelte.

Es wurde festgestellt, dass viele Fahrzeuge aus der Altstadt raus über die Kirchstraße und dann über die Heidelberger Straße in die Trajanstraße fahren.

Insgesamt, so Ziegler, sind es alles keine dramatischen Zahlen und das Konfliktpotential sei geringer geworden.

“Unser Ziel”, sagte der Bürgermeister, ” ist eine lebendige Altstadt, eine floriende Geschäftswelt und weniger Verkehrsbelastung.” Und eröffnete damit die Diskussion.

“Bei mir ging’s leicht zurück vom Umsatz”, sagte ein Geschäftsmann aus der Altstadt. Ob das an der “unechten Einbahnstraße” liege, sei nicht klar.

Es gibt Regeln, aber keine Strafen?

“Die Verbote müssen kontrolliert werden”, sagte ein Einwohner und bemängelte die fehlende Kontrolle der Verkehrsteilnehmer in der Altstadt durch die Polizei.

“Das muss bestraft werden”, forderte ein Ladenburger.

“Die Regeln sind da, man muss sie nur erwischen”, sagte Ziegler. “Die Ahndung ist ein Problem, aber wir müssen reagieren auf das Fehlverhalten der Menschen”, bestätigte der Bürgermeister.

Ein Radargerät in der Altstadt auf zu stellen, sei fast unmöglich, dafür benötige man eine gerade Strecke von rund 100 Metern, damit bleibe nur die Laserpistole und die sei wiederum personalintensiv.

Es sind eher Anlüger als Anlieger in der Neugasse,

beschwerte sich eine Ladenburgerin.Verkehr und Geschwindigkeit in der Kirchenstraße hätten eindeutig zugenommen,  kritisierte ein Altstadtbewohner. Der innere Ring solle komplett für den Verkehr gesperrt werden, schlug er vor und erntete dafür Applaus. Viele kürzten über die Altstadt ab, fuhren in die Kirchenstraße rein und über die Heidelberger Straße wieder raus.

Ein weiterer Anwohner der Kirchenstraße gab ihm da Recht: “Die “Unechte Einbahnstraße” “hat uns nur zusätzliche Belastungen gebracht, das ist kein Zustand, den man lassen kann”. Er hoffe, dass diese Regelung wieder zurückgenommen werde.

Aber auch die Befürworter der “Unechten Einbahnstraße” kamen zu Wort. Eine Ladenburgerin, die zwar nicht in der Altstadt wohnt, hier aber fast täglich zu Fuß unterwegs ist, sprach davon, dass sich der Verkehr vor allem am Marktplatz deutlich entkrampft habe und durch den Wegfall des Gegenverkehrs “kann ich jetzt wenigstens in die Lücken springen, wenn ein Auto kommt”.

Eine Bewohnerin der Neugasse stellte fest, dass sowohl der Rückstau als auch die Kreuzungsprobleme durch die Einbahnstraßenregelung behoben seien, insgesamt sei der Verkehr flüssiger geworden.

Dies bestätigte auch ein anderer Altstadtbewohner, der Verkehr sei entkrampft und nicht so abgebremst: “Ich bin ein Verfechter der Fußgängerzone, der Verkehr sollte raus”. Aber immerhin sei die Situation schon besser geworden und jeder Verkehr, der wegfalle, sei auch schon was.

“Dann haben wir eine ganz ruhige Stadt”

“Ich habe auch gerne Ruhe, aber unsere Existenz steht auf dem Spiel”, sagte ein Ladenbesitzer:

Ein Laden nach dem anderen macht zu, dann haben wir eine ganz ruhige Stadt.

Die Leute wollten gerne eine Fußgängerzone, aber sie kommen dann nicht in die Stadt zum Einkaufen.

“Ich möchte eine lebendige Altstadt, einen blühenden Einzelhandel und eine verträgliche Verkehrssituation – wo ist die genau richtige Lösung?”, fragte Bürgermeister Ziegler.

Gutachten hätten festgestellt, dass Fußgängerzone bei einer Größe wie Ladenburg nicht funktionieren, erklärte Ziegler:

Ich habe Angst, diesen radikalen Schritt zu gehen – und dann haben wir keinen Einzelhandel mehr.

Kritisiert wurde auch die Parksituation in der Altstadt, die Parkplätze mit Kurzparkzone seien Maßnahmen für die Geschäftsleute gewesen. Für die Anwohner fehle es vor allem abends und an Wochenenden an Parkplätzen.

Ziegler appellierte an die Altstadtbewohner, ihre Garagen und den Parkraum auf ihren Grundstücken zu nutzen.

Aus der Bürgerschaft kam der Wunsch nach einem autofreien Samstag und auch der Vorschlag, die Einfahrt am Wochenende nicht für Anlieger, sondern nur für Anwohner zu erlauben.

Bei seiner nächsten Sitzung im September wird sich der Ladenburger Gemeinderat sicher nicht leicht tun, für alle Ladenburger Bürger eine gute Lösung zu finden. Wenn es die überhaupt gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

Über sabine
  • Dr. Gitta Reuner

    War interessant zu hören, wie selbstverständlich Regeln dazu da sind, missachtet zu werden. Besonders irritierend fand ich die Argumentation hinsichtlich der eingeschränkten Überwachungsmöglichkeiten: Was ist Personal-intensiver? Zwei Stunden Streife laufen/fahren oder 2 Stunden mit der Laser-Pistole auf einer Bank sitzen und den Verkehr kontrollieren? Wir sind bereit für eine Spendenaktion für die Kosten einer solchen Laser-Pistole – falls dies einer gezielten Verkehrsüberwachung dienlich sein könnte.

    Nach wie vor unverständlich blieb mir jedoch, wie die “Verflüssigung des Verkehrs” durch die falsche Einbahnstraße zu einer Belebung des Einzelhandels beitragen könnte, ohne dass sich an der Parksituation etwas ändert.

  • Verkehrsteilnehmer

    Eine Laserpistole ist in Ladenburg bereits vorhanden. Diese gelangt jedoch ab und an in der Bahnhofstraße in Höhe der Volksbank Kurpfalz zum Einsatz und “überwacht” den Verkehr, der aus Richtung Ilvesheim kommt.