Guten Tag!
Ladenburg, 08. September 2010. Wer gestern nicht bei Mo’Roots dabei war, hat sie verpasst: Special Guest Steffi Nerpel. Sympathisch, dynamisch, natürlich, humorvoll und mit einer unglaublichen Stimme gesegnet, die mitreißt, unter die Haut geht und dort bleibt wie ein Tatoo: In einem großen Herz steht “Soul forever”.
Von Hardy Prothmann
Nach dem ersten Set steht Steffi Nerpel plötzlich neben mir und braucht Feuer: “Du rauchst?”, frage ich. Die Frage ist berechtigt und irgendwie auch nicht. Gerade hatte mir Willy Koch, der Fody’s-Chef, gesagt, ihn erinnere ihre Stimme an Janis Joplin in den Anfangszeiten. Und Koch ist ein großer Fan von Joplin und folglich auch spontan ein großer Fan von Steffi Nerpel.

Steffi Nerpel: Frech, sympathisch und mit einer grandiosen Stimme gesegnet. Im Hintergrund: Ray Mahumane. Bild: ladenburgblog.de
“Nur manchmal und wenn ich nervös bin”, sagt Steffi Nerpel, zieht an der Zigarette. Dann fängt sie an zu erzählen. Sie kommt aus Waibstadt bei Sinsheim, hat eine achtjährige Tochter. Im Internet habe ich über sie gelesen, was sie macht, wenn sie Lampenfieber hat: “„Tief durchatmen und ganz viel reden…“
Rockige Stimme und Soul im Geist.
Steffi Nerpel hat den Rock in der Stimme. Den frechen, den herausfordernden. Den persönlichen. Das, was Willy Koch an Joplin erinnert.
Aber ihre Stimme ist nicht kaputt, morbid. Sondern frisch, aber eben auch frech. Und sie rockt. Sie hat ein großes Register und kann den Ton länger halten, als man denken kann: “Jetzt muss ihr doch mal die Luft wegbleiben.”
So nervös sie auch in der Pause sein mag – vorn auf der Bühne unterhält sie das Publikum, sucht Kontakt, ist absolut präsent. Sie wirkt so ehrlich, so natürlich.
Auch ihre Nervosität ist echt. Das merkt man im zweiten Set. Das Lampenfieber ist weniger geworden, sie fängt an zu jammen und rockt, obwohl sie eigentlich dem Soul anhängt und ganz eigentlich total begeistert von Mike Oldfield ist und den Beatles. Und dann singt sie “Stop”. Einen Hit, den Sam Brown 1989 hatte und das nächste Tatoo wird unter die Haut getrieben.

Session: Mo'Roots ist live, unplugged und ein Erlebnis. Bild: ladenburgblog.de
Vorher hat sie erzählt, dass viele sie unter “Rock” einordnen. Damit haben viele recht. Ich habe sie sofort unter “Soul” eingeordnet, da fühlt sie sich sehr wohl. Und als sie einen eigenen Song präsentiert, merkt man, dass sie am besten im Singer-Songwriter-Milieu aufgehoben ist und dringend ihren Weg weiterverfolgen sollte.
Kurzfristig hatte auch Fabienne Bender sich für den Abend angesagt. Die 14 Jahre alte Gewinnerin von “Ladenburg sucht den Superstar” war bei ihrem ersten Auftritt sehr nervös und kam nicht richtig rein. Beim zweiten Song “Blue velvet” überzeugte sie aber sehr und tätowierte sich auch unter die Haut der Gäste: “Fabienne ist erst vierzehn Jahre alt, ich bin gespannt, was sie uns bietet, wenn sie noch ein paar Jahre mehr Erfahrung hat. Unglaublich”, lobte Steffi Nerpel die Kollegin.
Live, unplugged, echt.

14 Jahre alt, eine grandiose Stimme und hoffentlich eine erfolgreiche Zukunft als Musikerin: Fabienne Bender singt "Blue Velvet". Bild: ladenburgblog.de
Bei Mo’Roots treten im Fody’s jeden ersten Dienstag im Monat sehr erfahrene Musiker auf.
Allen voran Jason Wright am Keyboard. Oft dezent im Hintergrund und doch so wertvoll wie ein britisches Pfund.
Ray Mahumane ist ein verspielter Gitarrist, der sich sehr gefühlvoll im Hintergrund halten kann, aber jederzeit bereit ist, vom Begleiter zum Solisten zu werden.
David Anlauff, der dritte Instrumentalist bei “Mo’Roots” ist, wie soll man das sagen, “intakt”. Ob am Schlagzeug oder wie an diesem Abend mit “Percussion”-Intrumenten – er treibt den Rhythmus mit einer ganz besonderen Mischung voran, niemals aufdringlich, aber immer präsent und immer einen Hingucker ob seiner Leidenschaft wert.
Susan Horn hat an diesem Abend ihren Schauspieler-Kollegen Rino Galiano wieder mal mit dabei, den ich als Schauspieler noch nicht gesehen habe, aber mittlerweile mehrfach als Sänger. Die einzigartige Kopfstimme von Galiano ist auch ein Tätowierintstrument, das unter die Haut geht. Seine großen Stärken sind die gefühlvollen Balladen, der Herzschmerz.
Mo’Roots. Susan Horn. Event.
Susan Horn hat an diesem Abend ganz viel richtig gemacht. Sie hat selbst sehr überzeugend gesungen, sie hat aber vor allem den anderen die Bühne überlassen. Zuallererst Steffi Nerpel, die seit zwanzig Jahren auftritt, aber zum ersten Mal in Ladenburg gesungen hat. Fabienne Bender, ein junges Mädchen mit einer enormen Stimme und Rino Galiano, auf den sie zählen kann.
Wer Mo’Roots öfter erlebt hat, weiß, dass es mittlerweile ein Stammpublikum gibt. Ü30. Das bekommt, was es liebt. Musik aus den 70-er, 80-er und auch 90-er Jahren und manchmal auch aktuelle Songs. Es gibt viel Soul, Blues, natürlich Rock.
Das Beste an Mo’Roots aber ist das Event an sich. Es ist Clubbing, “Handmade-Music”, Session. Es ist live. Es ist Leben. Fürs Herz. Für die Gefühle.
Wie im echten Leben müssen sich die Musiker hier immer wieder zusammenfinden. Es gibt keine Probe, sondern nur die Bühne. Dann geht es los, auch mal was daneben, was mit dem nächsten Einsatz schon vergessen ist. Mo’Roots ist heiß, überraschend, nicht kalkulierbar, obwohl natürlich ein Konzept dahinter steckt: Tolle Musiker für einzigartige Abende auf die Bühne zu bringen.
Ganz besonders gefällt dabei, dass das “kleine” Eintrittsgeld von drei Euro einem guten Zweck zugute kommt: Dem Kinderhospiz Sterntaler.
















Hallo lieber Hardy,
Vielen Dank für die tollen Fotos, den tollen Bericht und deinen Support!
Es hat mich sehr gefreut, dass dir die Show gestern gefallen hat und hoffe, wir sehen uns recht bald mal wieder!
Es war mir ein Fest!
Liebe Grüße
Stayfunny
Hallo,
tolle Kritik und echt klasse Bilder.
Steffi war genial. Ich bin immer bei Mo’Roots, wenn ichs zeitlich schaffe. Viele Grüße an die Band – ihr seid spitze.
Bis Oktober, freue mich schon sehr.
S.Schuster