Freitag, 18. Mai 2012

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“Zusammen sind wir eins” – Einweihung der Martinsschule

Guten Tag!

Ladenburg/Region Rhein-Neckar, 25. Februar 2010. Der Schulbeginn war am Montag. Am Mittwoch, den 24. Februar 2010, wurde die Martinsschule in Ladenburg offiziell eingeweiht. In der Schule werden 235 behinderte und schwerst behinderte Kinder unterrichtet und betreut. Landrat Dr. Jürgen Schütz bezeichnete die neue Martinsschule als “Edelstein.” Gut 150 Gäste waren zur Einweihung gekommen.

Von Sabine Prothmann

Die Kinder der Martinsschule haben bei der internen Einweihungsfeier vor zwei Tagen die Parole „Zusammen sind wir eins“ auf ein Plakat über ihren Alltag und ihr Leben in der Schule geschrieben. Kürzer und besser kann man kaum beschreiben, was die heutige Einweihungsfeier des Neubaus in der Hirschberger Allee 2 vermittelt hat.

Kinder führen den "Umzugszug" auf. Bild: ladenburgblog

Die Kinder, die Eltern und die Lehrer haben schon sehr früh erfahren, dass sie zusammenhalten müssen, um stark zu sein. Dass sie gemeinsam kämpfen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Und dass sie sehr viel Hilfe brauchen, um sich eine Zukunft zu realisieren. Mühe-, aber hoffnungsvoll.

Die Martinsschule wurde 1978 schon einmal eröffnet. Doch die alte Schule ist im Laufe der Zeit zu klein geworden. Die Konzeption, die Planung und die Finanzierung haben viel Mühe und Zeit gekostet – sehr viele Menschen haben an diesem Projekt gearbeitet. Am Montag konnten 235 Schüler zusammen mit 105 Lehrern und 46 Kreisbediensteten in diesen wunderbaren Neubau einziehen. Die Mühe hat sich gelohnt.

Oberste Priorität.

Einer dieser Menschen ist der Landrat Dr. Jürgen Schütz. Und man glaubt ihm, wenn er in seiner Ansprache sagt: “Dies ist heute ist einer meiner schönsten Tage. Beinahe zehn Jahre lang hast dieses Projekt eines Neubaus unserer regionalen Schule für körper- und mehrfach behinderte Kinder mich in meiner Arbeit begleitet, ja, hatte sogar oberste Priorität.”

28,2 Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Das ist viel Geld, aber es ist gut investiert.

Schütz bezeichnete die neue Martinsschule als ein Bauwerk mit Symbolcharakter und zitierte den Bundespräsidenten a. D. Roman Herzog: „Über die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidet die Gegenwart unserer Kinder.”

Landrat Dr. Jürgen Schütz: "Einer meiner schönsten Tage." Bild: lblog

Der Neubau war durch die ständig steigende Zahl der hier unterrichteten Kinder notwendig geworden. Diese benötigen oft eine medizinische Behandlungspflege.

“Edelstein” in Ladenburg.

Mit ihrer anspruchsvolle Architektur und Umfeldgestaltung stelle die Martinsschule ein gelungenes städtebauliches Entrée zur alten Römerstadt dar – ein weiterer Mosaikstein der Schulstadt. “Ein Edelstein”, sagte Schütz. Die Einweihung sei damit auch ein großer Tag für die Stadt Ladenburg.

Das Architektenehepaar Maximilian Otto und Ursula Hüfftlein-Otto und ihr Team des Stuttgarter Architektenbüros „OHO“ haben beinahe eine kleine Stadt geschaffen, eingebunden in die Landschaft zwischen Ladenburg und Schriesheim.

Schütz hob das Modulkonzept des Neubaus besonders hervor. Dieses ermögliche mehr als nur eine Versorgung, bessere pädagogische Förderung sowie therapeutische Maßnahmen der schwerst mehrfach behinderten Kinder und Jugendlichen.

Enormer Einsatz.

Der Einsatz des Rektors Kurt Gredel, des Kollegiums, das seine Ferien für den Umzug opferte, das des Elternbeirats, des Fördervereins, der Pflegekräfte und des Betreuungspersonals so wie der Kooperationspartner und vieler anderer mehr hätten die Realisierung des Projekts erst ermöglicht.

„Ein Märchen ist wahr geworden, denn selten bringen sich so viele Menschen über eine so lange Zeit so beharrlich, mit Fantasie und so intensiv für eine Sache ein.” Und: “Sie alle suchen der Kinder Bestes.”

Schütz erinnert auch an den Namenspatron der Schule, den Heiligen Martin. “Einer der hinschaut, der Not wahrnimmt und seinen Mantel teilt.”

Schulleiter Kurt Gredel (links) mit Bürgermeister Ziegler. Bild: lblog

Besonders lobte Schütz auch die Skulptur des Heidelberger Künstlers Pieter Sohl, die am Eingang steht: Zwei Freunde, deren Körper den Grundriss der Schule zeigen, umarmen sich.

Ort der Unterstützung.

Der Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner bezeichnete den Neubau der Martinsschule als Ort des Lebens, Ort der Beratung und Unterstützung. „Ja, sagen hier die Schüler, ja, sagen hier die Eltern, ja, sagen hier die Lehrer.”

Die Metropolregion und Baden-Württemberg könnten stolz sein auf diese Einrichtung, auf diesen Ort der Begegnung, des Miteinanders, des Lernens, des Förderns und Forderns, der zu einem Stück Heimat wurde.

“Die Finanzierung von sozialen Projekten ist ein Maßstab der Menschlichkeit und der Qualität einer Gesellschaft insgesamt”, sagte Landrat Matthias Wilkes als Vertreter der Kommunalen Partner für den Kreis Bergstraße.

Die staatlichen Vertreter seien oft weit entfernt, doch die Landes- und Kommunalpolitiker konnten und wollten beim Einsatz für behinderte Kinder nicht ausweichen. Wilkes ist so sozialisiert worden. Sein Vater war Lehrer für gehörlose Menschen.

Viel zu schultern.

„Es ist ein guter und großer Tag für unsere Stadt“, sagte Bürgermeister Rainer Ziegler in seiner Ansprache. Ladenburg sei gerne eine Schulstadt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, doch „für die Martinsschule haben wir die Rolle des Schulträgers nicht, dafür bedarf es breiterer und stärkerer Schultern“.

"Lichtertanz" zur Einweihung. Bild: lblog

Aber, so betonte der Bürgermeister, Ladenburg sei von Herzen gerne Heimat für diese Schule: „Die Menschen in unserer Stadt freuen sich, wenn die Schüler unterwegs sind, teilnehmen und teilhaben.”

Die Lage des Neubaus sei angebunden an die Stadt und an die Natur, gelegen am Kandelbach und in der Nähe des Waldparks.

Es gab ein ehrgeiziges Ziel: Es sollten pädagogische und medizinische Voraussetzungen geschaffen werden, die sich baulich an die Stadt anschmiegen und in die Natur integrieren. “Das haben die Architekten mit diesem baulichen Ensemble überzeugend erreicht”, sagte Bürgermeister Ziegler: „Vor 32 Jahren war die Martinsschule ein Vorzeigeprojekt. Und dies ist auch jetzt wieder eindrucksvoll gelungen.”

Wie ein kleines Dorf.

Als eine Schule wie ein kleines Dorf zwischen Stadt und Landschaft beschrieb der Architekt Maximilian Otto bei der symbolischen Schlüsselübergabe an Landrat Dr. Schütz und den Sonderschulrektor Kurt Gredel seinen Neubau der Martinsschule.

Es gibt hier einen Bahnhof, einen Marktplatz, eine Cafeteria, Sporthalle und Schwimmbad, Häuser aus Backstein, aus Holz, eckig oder „kartoffelig“ rund, grau, blau, maigrün.

Es gibt Gassen, Plätze und selbständig „erfahrbare“ Wege. Spielräume innen wie außen, als Bühne für Begegnung und Kommunikation.

Besonders bedankte sich der Architekt dafür, „dass sie uns haben machen lassen“.

Beeindruckendes Miteinander.

Beeindruckender als die Architektur ist aber das Miteinander der Schüler, der Eltern und Lehrkräfte.

"Crazy Schülers" haben Spaß und rappen. Bild: lblog

Es ist beeindruckend, wenn die Schülerband „Crazy Schülers“ auftritt. Es ist berührend, wie die 6. Klasse ihren “Umzugszug” darstellt. Es ist ergreifend, wie sich die 8. Klasse zum Lichtertanz bewegt und singt.

“Wir sind hier vier Schulen in einer”, sagt Peter Hellriegel, Leiter der Frühberatung: “Eine Grund-, eine Haupt-, eine Förderschule und eine Schule für Geistigbehinderte.” Er und andere Lehrer führen die Gäste nach den Einweihungsreden durch das Schulgebäude.

Entdeckung der Langsamkeit.

Viele Menschen drängen durch die Flure, Rampen und Treppen. Dazwischen kommt man ins Stocken, wenn zum Beispiel eine gehbehinderte Schülerin die Treppen mühsam erklimmt. „Sich in einer Behinderten-Schule zu befinden, ist die Entdeckung der Langsamkeit“, sagt eine Mutter.

Dieses helle und freundliche Gebäude steckt voller Sonderanfertigungen und Sondereinrichtungen.

Ein Geländer kann nicht nur ein Geländer sein. Ein Schutz ist nötig, damit die Kinder sich nicht verletzen.

Ein Schwimmbad ist nicht einfach ein Schwimmbad. Es ist viel wärmer, 32-° Grad Celsius. Damit die behinderten Kinder nicht auskühlen, sondern ihre Körper und sich entspannen können. Es hat eine Transportschiene, damit auch Rollstuhlkinder in eines der drei Becken gehoben werden können.

125 Schüler sind Rollstuhlkinder.

Die vielen Details in diesem einzigartigen Gebäude sind teuer, aber sie tragen den Bedürfnissen der Kinder Rechnung.

Wie in der großen Turnhalle. Da gibt es Kletterwände für die, die viel können. Und Kletterebenen für die, die weniger können. Ein großes Trampolin für die, die hüpfen können. Aber auch für die, die nur gelagert werden und sich an den Schwingungen freuen.

Die Schülerschaft ist breit gefächert und so ist auch die Einrichtung. Hier muss auf jeden Einzelnen individuell eingegangen werden. Das geht gar nicht anders.

Und das tut man hier gemeinsam, denn „zusammen sind wir eins.“

Fotostrecke: Die Einweihung der Martinsschule
Hintergrund: Die neue Martinsschule

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